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«Jesus-Party» für Leute, die wenig zu feiern haben

30 Personen hatten sich angemeldet, 60 sind am Ende gekommen – an die «Party for Jesus» der Burgdorfer Heilsarmee.

Lange Tische sind weihnachtlich dekoriert. Ein geschmückter Tannenbaum verbreitet Wärme und besinnliche Stimmung. An der Eingangstüre zum Saal begrüssen Heilsarmee-Kapitän Severino Ratti und seine Gattin Elsbeth die Gäste.

Angemeldet waren rund 30 Personen, gekommen sind schliesslich mindestens doppelt so viele. «Die Küche hat vorgesorgt», lacht das Ehepaar. Severino und Elsbeth Ratti freuen sich über die Teilnehmer an der Heilsarmee-Weihnachtsfeier nach dem Motto «Party for Jesus».

Picasso isst mit

Unkompliziert und fröhlich geht es zu in dem grossen Raum. «Lue, René – do hets no Platz», wird ein Mann mit wallendem Blondhaar und Vollbart von seinen Kollegen begrüsst. «Ich bin René Mingard, der Picasso der Oberstadt», stellt sich ein anderer vor. Man kennt und freut sich offensichtlich auf die Gelegenheit, gratis ein warmes Essen in gemütlicher Runde geniessen zu können.

Nach kurzen Begrüssungsworten und einem Dankgebet durch Kapitän Severino Ratti ist das Buffet eröffnet: Kartoffelstock oder Nudeln mit Geschnetzeltem und heissem Fleischkäse sowie Salate erwarten die Gäste. Später gibt es Dessert und Kaffee. Wein oder Bier sind tabu; auf den Tischen steht Traubensaft.

Ein Fest in Freiheit

Martin Leuenberger (41) sitzt ruhig da und will vorerst kein Essen holen. «Das ist seit langem mein erstes Weihnachtsfest in Freiheit», sagt er leise. Und fügt an, dass er mehrere Gefängnisaufenthalte hinter sich habe – «im Ganzen acht bis neun Jahre». Gottlob habe er eine Wohnung, sagt er. Arbeit finde er allerdings keine, fügt der Kaminfeger an. «Ich wische zwischendurch die Kirche», sagt er und versinkt wieder in Schweigen.

Lebhafter geht es am Nebentisch zu, wo Cornelia und Hansruedi Herrmann mit ihrem kleinen Samuel essen. «Wir wohnen im Haus, amtieren als Hauswart und haben uns aktiv bei der Heilsarmee engagiert», erklärt die junge Frau. Am Hauptsitz der Heilsarmee Burgdorf an der Jungfraustrasse 52 finden zahlreiche Aktivitäten statt.

Severino Ratti besucht die Eingeladenen regelmässig in ihren Unterkünften und Treffpunkten auf Strassen und Plätzen. Ein grosser Teil der Leute hat Erfahrungen mit Drogen und teilweise auch mit Gefängnisaufenthalten.

Ein Geschenk für jeden

Ratti ist seit 20 Jahren – davon 14 vollamtlich als Offizier – in der Heilsarmee aktiv und auch als Seelsorger tätig. In Burgdorf leben er und seine Frau Elsbeth mit ihren drei Kindern seit eineinhalb Jahren. Sie organisieren in der Emmestadt zum zweiten Mal eine Weihnachtseinladung, zu der neben Speis und Trank auch Bibelworte und Musik gehören. Auch ein Geschenk darf jeder Gast mitnehmen. Die finanzielle Grundlage für die Feier bietet die Topfkollekte der Heilsarmee.

Ratti spricht und handelt aus eigenem Erleben, denn er kennt Suchtverhalten von sich selber. «Dank Gott habe ich auf meinen heutigen Weg gefunden», gibt er unumwunden zu. «Ich versuche, die christliche Botschaft nach aussen zu tragen; nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten», sagt Ratti.

Dazu gehört für ihn diese Weihnachtsfeier, diese «Party for Jesus», mit Essen und Getränken, Musik und Wärme, Geselligkeit und Geborgenheit.

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