Kanton spart, Fischer springen ein

Eggiwil

Aus Spargründen schliesst der Kanton die Fischzuchtanlage Horben. Jetzt springen die Fischereivereine in die Bresche und übernehmen die Anlage. Sie werden künftig für den Forellennachwuchs in Emme und Ilfis sorgen.

  • loading indicator

Thomas Schneider, Mitglied des Fischereivereins an der Emme Burgdorf, hält eine grosse Bachforelle mit beiden Händen. Der Fisch ist mittels Wasserbad leicht narkotisiert. Thomas Maurer, kantonaler Fischereiaufseher im Emmental, streift derweil dem Weibchen die zum Befruchten reifen Eier ab. Der orangefarbene Laich landet in einem Waschbecken.

Dort wird er mit der Zugabe der männlichen Samen unter leichtem Rühren sogleich befruchtet. «Das muss schnell gehen, innert einer Minute muss der Prozess abgeschlossen sein», erklärt Maurer. Rund 2700 Brütlinge gewinnen die Fischer von einem Forellenweibchen, während ein Männchen bis zu acht Millionen Samen zum Befruchten für die Aufzucht von Nachwuchs beisteuert.

Das Streifen der laichreifen Forellenweibchen geht am Samstag in der Muttertierfischzuchtanlage Horben bei Aeschau in der Gemeinde Eggiwil über die Bühne. Die Medien dazu eingeladen hat die Pachtvereinigung Emmental, die den Fischereiverein Oberemmental und den Fischereiverein an der Emme Burgdorf unter einem Dach vereint. Die Einladung erfolgte nicht ohne Grund: Weil der Kanton auch in Sachen Fischerei sparen muss, springt die Pachtvereinigung in die Lücke. Denn wegen der Sparmassnahmen hat das kantonale Fischereiinspektorat beschlossen, die bislang vom Kanton betriebenen Anlagen in Horben und in Wasen zu schliessen (siehe Kasten).

5000 Franken pro Jahr

«Wir sahen damit die langfristige Sicherung des Fischbestandes in der Emme und deren Zuflüsse gefährdet», sagt Toni Liechti, Präsident der Pachtvereinigung Emmental. Deshalb habe sich die Vereinigung entschieden, die Anlage Horben mit dem Jahreswechsel zu übernehmen und die Fische statt in der Brutanlage in Wasen in den eigenen Anlagen in Burgdorf und Langnau aufzuziehen.

Rund 5000 Franken wollen die Emmentaler Fischer künftig pro Jahr für den Betrieb der Muttertieranlage Horben aufbringen. Dank einer den Fischern nahestehenden Gönnervereinigung, die etwa für die Hälfte der Jahreskosten aufkommen wird, sei die Finanzierung für die nächsten fünf Jahre gesichert. «Zudem wird uns der Kanton im Rahmen eines Leistungsauftrags jährlich mit 800 Franken entschädigen», erläutert Toni Liechti.

Dies mit dem Ziel, den Fortbestand des Emme-stämmigen Fisches nachhaltig zu sichern. «Mit dem Weiterbestehen der Anlage Horben können wir genügend Fischlaich für das ganze Emmesystem, die Ilfis und die Nebenbäche generieren.» Zumal die beiden Vereine künftig den Laichfischfang in den Gewässern zwar reduzieren, aber weiter betreiben wollen.

250 Muttertiere

Mit circa 1000 Mitgliedern, davon etwa 200 aktive Fischer, ist die Pachtvereinigung Emmental die zweitgrösste Fischerorganisation im Kanton Bern. Die von ihr künftig betreuten rund 250 Muttertiere schwimmen bis zu sechs Jahre in der Fischanlage Horben und produzieren jährlich bis zu 250'000 Laicheier, bevor sie dann in der Emme oder in der Ilfis in die Freiheit entlassen werden.

«Die Anzucht der heimischen Bachforellen ist wichtig und nötig», sagt Fischereiaufseher Thomas Maurer. Weil der Druck auf die Population durch fischfressende Vögel und nicht zuletzt durch die Angelfischer selber gegeben sei. Zwar würden Bachforellen auch in den Emmentaler Fliessgewässern auf natürliche Weise für Nachwuchs sorgen.

Da jedoch in den Bächen im Emmental wegen der Witterung öfters viel Wasser abfliesse, sei dessen überleben zunehmend schwieriger. «Sobald ein Bach Geschiebe bewegt, sind Brütlinge und Jungfische gefährdet.» Dies hätten auch die Hochwasser im Sommer in Schangnau und Eggiwil gezeigt. Dort sei der Fischbestand intensiv reduziert worden. Würden die Fischer nicht einspringen, würden in den Emmentaler Gewässern künftig rund zwei Drittel der Jungfische fehlen, so Maurer.

Die am Samstag abgestreiften Laicheier werden nun in einer der Brutanlagen der Pachtvereinigung 105 Tage in vier Grad kaltem Wasser bebrütet. Im April kommen die jungen Fische dann in die Fliessgewässer.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt