Zum Hauptinhalt springen

Langnau – ein Dorf als Baustelle

Ein neuer Wärmeverbund, neue Wasser- und Abwasserleitungen: Halb Langnau wird umgepflügt. Einige Lädeler beklagen deswegen Einbussen. Alles in allem reagiere die Bevölkerung aber tolerant.

Ein Sattelschlepper nach dem andern fährt vor, wendet und manövriert rückwärts zur Baustelle. Die Arbeiter befestigen die Fracht an der Kette des Pneukrans, melden per Funk: «Isch guet!», und sogleich setzt der Kranführer sein Arbeitsgerät in Bewegung. Langsam wird das über 20 Tonnen schwere Teil angehoben, schwebt 12 Meter über dem Boden seinem Bestimmungsort entgegen und wird dort millimetergenau abgesenkt.

Dieses Spiel hat sich gestern beim Langnauer Werkhof x-mal wiederholt. Hier wird seit Mai an der Heizzentrale des neuen Wärmeverbundes gebaut. Die Betonwände stehen bereits, und gestern war der spektakulärste Tag – der Tag, an dem der imposante Pneukran im Einsatz stand. Die beiden Holzfeuerungen, die er platzierte, haben eine Leistung von 4,4 Megawatt. Das würde reichen, um 200 Einfamilienhäuser zu beheizen.

Umwege statt Ampeln

Im Februar sollen die ersten Gebäude von hier aus mit Fernwärme beheizt werden. «Im Grossen und Ganzen sind wir im Zeitplan», sagt Projektleiter Bernhard Marti. Er trägt die orange Leuchtweste der Elektra Baselland (EBL), die den Wärmeverbund baut, finanziert und betreibt. Über zwei Kilometer Rohre sind bereits verlegt; vom Werkhof unter den Bahngleisen hindurch, via Dorfstrasse hinauf Richtung Spital. Es wurden diverse Strassen aufgerissen, was die Gemeinde veranlasste, auch ihre alten Wasser- und Kanalisationsleitungen zu ersetzen.

Trotz vieler Verkehrsumleitungen und Umtriebe habe sich die Bevölkerung bisher «sehr tolerant» gezeigt, berichten Bernhard Marti und Gemeinderätin Christine Röthlisberger. Das Einbahnregime durchs Dorf habe sich bewährt; «die Leute nehmen lieber einen Umweg in Kauf, als minutenlang vor Ampeln zu warten», ergänzt Röthlisberger. Auch seitens der Ladenbesitzer sei der Sturm der Entrüstung ausgeblieben.

Klagen – und auch Lob

Christine Röthlisberger ist sich aber bewusst, dass die Grossbaustelle einige Läden beeinträchtigt. Etwa das Kaufhaus Manor. «Die erste Zeit liefs noch gut», so Geschäftsführer Vizenz Schnell, «aber in den vergangenen beiden Monaten hatten wir bedeutend weniger Kundenfrequenzen.» Er hoffe sehr, dass «die Locherei» bald ein Ende habe. Noch schärfer äusserte sich unlängst Thomas Blaser, Chef des Frischmarkts am Hirschenplatz. Sein Geschäft, klagte er, sei wegen der Bauerei ja kaum mehr erreichbar.

Sie habe Verständnis für Blasers Ärger, sagt Gemeinderätin Röthlisberger. Aber eine Entschädigung könne man ihm beim besten Willen nicht anbieten, da die Gemeinde sonst wohl mit Forderungen überhäuft würde. Und es gebe ja auch positive Beispiele. Etwa den Accessoire- und Geschenkladen Clever&Art am Hirschenplatz. «Durch die Bauerei», sagt Inhaberin Sonja Gafner, «fuhren viele Fremde durchs Dorf, sahen unser Schaufenster und kamen in den Laden.»

Fortsetzung nächstes Jahr

Der Leitungsbau ist laut Röthlisberger «leicht im Rückstand». Dafür verantwortlich seien nicht die Bauarbeiter – «sie machen ihre Sache sehr gut» –, sondern unter anderem das Unwetter vom August, das die Baugruben beschädigte. Zudem seien einige Werkleitungen in einem schlechteren Zustand gewesen als erwartet. Deshalb werde die erste Etappe bis zum Wintereinbruch wohl nicht ganz fertig. «Aus Rücksicht aufs Weihnachtsgeschäft der Läden stellen wir die Arbeiten Ende November aber so oder so ein.»

Im Frühjahr beginnt dann auch der Bau des zweiten grossen Leitungsstranges. Dieser führt via Alleestrasse zum Krankenheim und via Oberfeldstrasse bis zum Gemeindehaus. «Weil wir dort keine Durchgangsachse haben, wird das einfacher», blickt Christine Röthlisberger voraus.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch