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Schneller aus dem Sumpf

Die Stadt Burgdorf will junge Sozialhilfebezüger schneller ins Arbeitsleben integrieren. Der Gemeinderat investiert in einen zweijährigen Testlauf 200'000 Franken. Potenzielle Problemfälle sollen früher erkannt werden.

16 Prozent der Sozialhilfeempfänger in Burgdorf sind zwischen 18 und 25 Jahre jung. In Zürich sind es 14 Prozent. Dies geht aus einer Studie hervor, welche die Burgdorfer Sozialdirektion bei der Bock-Consulting in Bremgarten erstellen liess. 80 Prozent der rund 60 jungen Burgdorfer Sozialhilfebezüger hätten keinen Beruf erlernt, 44 Prozent die Ausbildung abgebrochen, 61 Prozent seien arbeitslos und 38 Prozent verschuldet, heisst es in der Erhebung, die dieser Zeitung vorliegt. Die Leute würden oft «aus bildungsfernen Milieus» stammen und durchschnittlich 18,8 Monate lang auf Kosten der Steuerzahler leben.

In der Hilfe eingerichtet

Oder noch länger: «Junge Erwachsene richten sich tendenziell in der Sozialhilfe ein», weiss Daniel Bock, der Verfasser der Studie. Er leitete im Berner Sozialdienst das Projekt «Junge Erwachsene». Dieses will die Burgdorfer Sozialdirektion laut deren Vorsteherin Annette Wisler Albrecht (SP) nun ebenfalls einführen. Der Gemeinderat hat ein Pilotprojekt abgesegnet, das junge Sozialhilfebezüger fördern und fordern soll.

Beratung ausbauen

Das Projekt sieht eine verstärkte Betreuung der Sozialfälle vor. Die Beratungszeit wird ausgebaut; gleichzeitig ist geplant, stärker auf die Bedürfnisse der Bezüger einzugehen. Wichtig sei weiter eine bessere Vernetzung von Fachstellen. Die Berufsberatung, die Anbieter von Beschäftigungsprogrammen, die Arbeitsvermittlung, die Jugend-, Eltern- und Suchtberatung müssten intensiver zusammenarbeiten. Wünschenswert wäre laut der Sozialdirektion, wenn auch die Wirtschaft mitziehen würde – zum Beispiel mit begleiteten Praktikumsplätzen.

Früh erfassen

Grossen Wert legen die Verantwortlichen auf die Früherfassung. Bock verweist auf Gespräche an «runden Tischen», die der Kanton für Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse organisieren will. Und schlägt vor, Heranwachsende in Familien, die bereits Sozialhilfe beziehen, im Auge zu behalten, um Problemfälle erfassen zu können, bevor sie durch den wirtschaftlichen und sozialen Gitterrost fallen.

Das auf zwei Jahre angelegte Projekt kostet gemäss Wisler Albrecht rund 200'000 Franken. Da sich Burgdorf auch um soziale Härtefälle aus Oberburg und Hasle kümmert, sollen diese Gemeinden je einen Achtel übernehmen. Die Sozialdirektion erhofft sich Einsparungen von geschätzten 750'000 Franken. Dieses Geld fliesst jedoch nicht in die Stadtkasse, sondern in den kantonalen Lastenausgleich. Die Beratungen sollen durch zwei Sozialarbeitende mit einem 60-Prozent-Pensum erfolgen. Falls sich das Projekt bewährt, wird es laut Annette Wisler Albrecht ab 2010 definitiv eingeführt. Ziel ist es, die Quote der jungen Sozialhilfebezüger auf 10 Prozent zu senken.

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