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Schuhabdruck wird zu wichtigem Indiz

Im Prozess um den zweiten Beteiligten am Mordfall von 2003 in Roggwil hat der Verteidiger Freispruch wegen nicht ausreichender Beweise verlangt. Der Staatsanwalt hält dagegen dessen Mitschuld für erwiesen und forderte eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren wegen Mordes.

So stellt sich der BZ-Gerichtszeichner den Tathergang vor.
So stellt sich der BZ-Gerichtszeichner den Tathergang vor.
Matthias Schneeberger

Auf die Aussagen von Tatbeteiligten und Zeugen sei zwar wenig Verlass, räumte Staatsanwalt Hansjürg Brodbeck am Freitag in seinem Plädoyer vor dem Regionalgericht Aarwangen ein. «Doch mein Kronzeuge ist der Tatort», so Brodbeck, und es könne keinen vernünftigen Zweifel geben, dass zwei Täter am Werk waren.

Wichtiges Indiz sei ein Schuhabdruck auf dem Rücken des 79- jährigen Opfers, der dem Angeschuldigten zugeordnet werden könne. Vom bereits 2006 verurteilten Täter könne der Abdruck nicht stammen, da von ihm ein anderer Abdruck sichergestellt wurde. Nur die beiden Serben, die zuvor auch gemeinsam Einbrüche begangen hatten, seien am Tatort gewesen.

Widersprüchliche Aussagen

Der 29-jährige Angeklagte hatte nach seiner Festnahme im Sommer 2009 zugegeben, am Tatort gewesen zu sein. Später widerrief er das Teilgeständnis schriftlich und wollte den Kumpanen nur in die Nähe des Tatorts gefahren haben. Dabei blieb er bei seiner Vernehmung im Prozess.

Für den Staatsanwalt waren die beiden ein gleichberechtigtes Team. Hauptmotiv des Einbruchs beim alt Metzgermeister sei rücksichtslose Bereicherungsabsicht gewesen. Als sich der Mann wehrte und den Tresorschlüssel nicht herausrücken wollte hätten sie ihn derart übel zugerichtet und brutal gefesselt und geknebelt, dass er keine Überlebenschance hatte. Die Beute betrug um die 2000 Franken.

Auch wenn es sich nur um Eventualvorsatz gehandelt habe, weil der Tod des Mannes nicht das Hauptziel war, sei angesichts der Schwere der Verletzungen klar, dass sie seinen Tod in Kauf genommen hätten. Die Tat sei mit hoher krimineller Energie durchgeführt worden und beide hätten weder Reue noch Einsicht gezeigt.

Spekulative Zuordnung

Verteidiger Krishna Müller hakte beim Schuhabdruck ein, der als Beweismittel eben gerade nicht tauge. Die Zuordnung des Abdrucks zu seinem Mandanten sei spekulativ und nicht zu erhärten. Dieser sei nämlich gar nicht am Tatort gewesen. Es sei durchaus denkbar, dass eine unbekannte dritte Person an diesem verabscheuungswürdigen Verbrechen beteiligt gewesen sei.

Der Verteidiger räumte ein, dass es der Glaubwürdigkeit des Angeschuldigten abträglich sei, seine Aussage mehrmals geändert zu haben. Dies sei aber in einem Klima der Angst passiert.

Er und seine Familie seien aus dem Umfeld des Mittäters bedroht worden und deshalb unter enormem Druck gestanden. Es gehe nicht an, den Rückzug des Geständnisses einfach als Schall und Rauch abzutun, wie es der Staatsanwalt tue.

Urteil am Dienstag

Das fünfköpfige Gericht wird sein Urteil am 21. Juni fällen. Hauptanklagepunkt ist Mord, eventuell vorsätzliche Tötung und bandenmässiger, besonders gefährlicher Raub.

Der erste Täter war bereits 2004 gefasst und 2006 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Erst sechs Jahre nach der Tat gab er den Ermittlern den Tipp, der zur Festnahme des Komplizen führte.

Dazu veranlasste ihn nach Meinung des Staatsanwalts die Aussicht auf eine mögliche Revision seines Urteils. Ein entsprechendes Gesuch ist hängig.

SDA/met

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