Zum Hauptinhalt springen

Schutzbaum wird zur Mangelware

Das Verschwinden der Weisstanne könnte dereinst handfeste Konsequenzen für die Emmentaler Wälder haben: Ohne die tiefen, starken Wurzeln der Tanne droht die Stabilität der Böden und Hänge abzunehmen.

So hoch sollte die Weisstanne werden. Aber Revierförster Hans Gfeller weiss, dass der wichtige Baum wegen des Appetits der Rehe und Gämsen kaum noch wächst.
So hoch sollte die Weisstanne werden. Aber Revierförster Hans Gfeller weiss, dass der wichtige Baum wegen des Appetits der Rehe und Gämsen kaum noch wächst.
Thomas Peter

Biseggwald, Gemeinde Sumiswald, 1150 Meter über Meer. Bäume, wohin das Auge reicht. Zwischen den Baumwipfeln ist der Blick frei auf die ebenfalls bewaldeten Hügel auf der anderen Seite. Hie und da knackt es im Geäst, wahrscheinlich sind Vögel auf der Suche nach Nahrung. Idylle pur.

Doch der Schein trügt. Denn was für den neutralen Beobachter nach einem schönen, gesunden Wald aussieht, den man zur Erholung gerne aufsucht, treibt den Fachleuten Sorgenfalten auf die Stirn. «Hier muss dringend etwas geschehen», sagt Hans Gfeller. Der Revierförster zeigt auf eine Stelle, an der kaum Bäume wachsen. Und genau das ist das Problem: Der Biseggwald hat wie viele andere Wälder im Emmental eine Schutzfunktion. Aufgabe des Schutzwaldes ist es, tiefer liegende Gefilde bei starken Niederschlägen oder einem Unwetter etwas abzuschirmen. Will heissen: Ein gut durchmischter Schutzwald ist in der Lage, viel Wasser aufzunehmen, das in der Folge gar nicht erst Richtung Tal fliesst. Dabei spielen die Baumkronen und Äste eine Rolle, vor allem aber auch die Wurzeln der Bäume, die den Boden stabilisieren. Stark verwurzelte Böden können mehr Wasser aufnehmen und dämmen die Rutschgefahr. Die bemerkenswerten Lücken im Biseggwald müssen also in den nächsten Jahren zwingend gefüllt werden, soll der Wald auch künftig seine Schutzfunktion wahrnehmen können.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.