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Sie suchen Wohnungen für Flüchtlinge

Eine Interessengemeinschaft in Eriswil setzt sich dafür ein, dass Flüchtlinge ein Zuhause finden. Sie sucht Wohnungen und will sich in der Betreuung engagieren.

Ursula Yelin und Stephan Aeschlimann (4. und 3. von rechts) haben Mitstreiter gefunden, die sich für die Aufnahme von Flüchtlingen engagieren wollen.
Ursula Yelin und Stephan Aeschlimann (4. und 3. von rechts) haben Mitstreiter gefunden, die sich für die Aufnahme von Flüchtlingen engagieren wollen.
Thomas Peter

«Das Flüchtlingselend auf der Welt hat uns bereits längere Zeit beschäftigt», sagt Ursula Yelin. Mehr als bei der Beschäftigung mit der täglichen Zeitungslektüre begann sich ihre Familie jedoch zu engagieren, als Stephan Aeschlimann Yelin als Kirchgemeinderat von Eriswil im letzten Herbst von einem Brief des Synodalrates erfuhr: Darin rief die Regierung der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn die Kirchgemeinden dazu auf, dem kantonalen Migrationsdienst bei der Suche nach Wohnungen für Flüchtlinge zu helfen.

«Das war der Moment, in dem wir uns entschieden, die Zeitung nicht einfach wieder zu schliessen», erklärt Ursula Yelin. «Vielmehr begannen wir uns damit auseinanderzusetzen, was wir in unserem Umfeld tun können, um unseren kleinen Teil zur Linderung der Not zu leisten.»

Das Einleben erleichtern

Konkret sprachen sie vermehrt Eriswilerinnen und Eriswiler auf das Thema an. Daraus ist eine im Moment rund zehnköpfige Interessengemeinschaft entstanden. Ihre Mitglieder wollen nicht nur Wohnungen suchen, sondern sind auch bereit, untergebrachte Flüchtlinge zu betreuen und ihnen das Einleben in der Gemeinde zu erleichtern.

Zu den Mitgliedern der IG gehört Yvonne Faenzi. Sie sei früher viel gereist, auch in Ländern der Dritten Welt, erklärt sie. «Dort habe ich immer wieder gestaunt, wie gastfreundlich die Menschen selbst in den ärmlichsten Verhältnissen sind. Davon haben wir in unserem Wohlstand viel verloren.» Sie will davon in Eriswil etwas zurückgeben. «Es gibt viele Möglichkeiten, im Kleinen etwas für diese Menschen zu tun», ergänzt Andreas Guntelach. «Was uns erwartet, wissen wir noch nicht, aber das macht es doch gerade spannend.»

Er und seine Familie seien vor sieben Jahren selbst in Eriswil zugezogen, erklärt Stephan Aeschlimann. «Wir erlebten die Eriswilerinnen und Eriswiler als sehr offen.» Er ist überzeugt, dass viele das auch Flüchtlingen gegenüber sind. Zudem, ergänzt er, gebe es in Eriswil günstigen freien Wohnraum. Er hat sich erkundigt, wie die Vermietung läuft: In Eriswil hat — wie im ganzen Emmental und Oberaargau — die Heilsarmee vom Kanton einen Leistungsauftrag für die Unterbringung der Asylbewerber, die aus den Erstaufnahmezentren verteilt werden. Diese mietet die Wohnungen und gibt sie in «Gebrauchsleihe» an die Asylbewerber weiter.

Region: Rund 70 Wohnungen

Über rund 70 Wohnungen verfügt die Regionalstelle Burgdorf der Heilsarmee im Emmental und Oberaargau gegenwärtig laut Paul Mori, Geschäftsleiter der Heilsarmee Flüchtlingshilfe. Zurzeit sei dies ausreichend, beim zu erwartenden Wiederanstieg der Gesuchszahlen im Sommer werde man aber auf mehr angewiesen sein. Hinzu komme, ergänzt Mori, dass der Beitrag, den die Heilsarmee vom Kanton pro Asylbewerber erhalte, sehr knapp bemessen sei.

Er müsse zudem für die «Rundumbetreuung» ausreichen. Deshalb sei der Mietzins, den die Heilsarmee bezahlen könne, von Fall zu Fall verschieden. Mori will und kann keinen Betrag nennen, betont aber, dass man eher günstige Wohnungen im Visier habe, die zudem mit mehr Personen belegt würden, als dies bei Schweizer Ansprüchen der Fall sei. Auf jeden Fall, so Mori, könnten die Besitzer mit einem sehr professionell organisierten Mieter rechnen.

«Eine super Sache»

Wichtig sei für die Heilsarmee zudem eine gute Einbettung in die örtliche Gemeinschaft, «damit wir dort weniger als Konfliktschlichter gefordert sind». Deshalb seien Gruppen wie die, die sich in Eriswil gebildet habe, «für uns eine super Sache». In der Regel finde die Heilsarmee überall lokale Betreuer, sei es über Kirchgemeinden, kirchliche Gemeinschaften oder Frauenvereine.

Noch hat die Interessengemeinschaft in Eriswil keine Wohnung gefunden. Sie ist aber auch auf keine Ablehnung gestossen. «Es braucht Zeit, bis man von uns weiss», ist Yvonne Faenzi überzeugt. «Es kann doch nicht sein, dass der Libanon eine Million Flüchtlinge aus Syrien aufnimmt», hält Stephan Aeschlimann fest, «und wir hier keine Wohnungen für die paar Tausend finden, die zu uns fliehen.»

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