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Spitäler sollen nicht Privileg der Städte sein

Das ist Balsam für die Seele des Oberemmentals: Der Kantonsarzt plädiert dafür, dass Spitäler nicht ein Privileg der Städte sind.

Die Demo im Sommer 2004: Seit Jahren kämpft das Oberemmental für ein umfassendes Angebot am Spital Langnau.
Die Demo im Sommer 2004: Seit Jahren kämpft das Oberemmental für ein umfassendes Angebot am Spital Langnau.
Thomas Peter

Ist die medizinische Grundversorgung auf dem Land schlechter als in der Stadt? Auf die direkte Frage von Gesprächsleiter Alfred Gerber antwortete Kantonsarzt Hans Gerber ebenso direkt: «Da müssen wir nicht lange diskutieren.» Dass die Spital- und Ärztedichte in Gebieten wie dem Emmental kleiner sei als in den Zentren, lasse sich ohne Probleme feststellen – und damit, so Gerber weiter, sei das Angebot automatisch weniger gut. Gerade auch im Notfall.

Gegen die Konzentration

Nach den hitzigen Debatten um explodierende Krankenkassenprämien und mögliche Kosten dämpfende Gegenmassnahmen hatte die SVP Lauperswil ein Podium zum Gesundheitswesen aus ländlicher Sicht organisiert. Immerhin kämpfen gerade die Oberemmentaler seit Jahren für ein umfassendes Angebot an ihrem Spital in Langnau. Dafür waren sie im Sommer 2004 sogar auf die Strasse gegangen – «es darf in der Tat nicht sein», kam ihnen nun Kantonsarzt Gerber zu Hilfe, «dass das Angebot in Bern konzentriert wird und die Landschaft verödet».

Auch wenn er durchaus wisse, «dass wir langsam in die Situation geraten, nicht mehr alles bezahlen zu können».

Sogar ein Vorbild für alle?

Trotzdem liegen gut 74 Millionen Franken für den Ausbau des Spitals in Langenthal nach wie vor drin. Dass der Grosse Rat diesen Betrag gerade erst beschlossen und damit den mit 470 Millionen gefüllten kantonalen Spitalinvestitionsfonds auf einen Schlag erleichtert hatte, wertete Bruno Haudenschild aber nicht negativ. Im Gegenteil: Mit diesem Entscheid, so der für Langnau und Burgdorf verantwortliche Spitaldirektor, habe das Parlament grundsätzlich Ja zur Sanierung der öffentlichen Spitäler gesagt. Und zugleich signalisiert, dass für die 130'000 Leute im Emmental zwei Spitäler angemessen seien, wo doch in der Region Langenthal rund 70'000 Leute wohnten.

Im Verbund mit Kantonsarzt Gerber rief er die Politik dazu auf, das Augenmerk vermehrt auf die Agglo Bern zu richten, wo auf ein Spital gerade mal die Hälfte Einwohner komme. Entsprechend seien die Kosten pro Patient im Durchschnitt viel höher, wobei nicht die Grundversorgung den Unterschied machte, sondern die spezialärztlichen Behandlungen.

Vor diesem Hintergrund könne das Land sogar Vorbild für die Stadt sein – oder wie es Grossrat Werner Hostettler als Massnahme gegen die steigenden Kosten formulierte: «Hier müssen wir den Hebel ansetzen. Wir müssen generell dafür sorgen, dass die Leute nicht gleich zum Spezialisten rennen, sondern erst den Hausarzt konsultieren.»

«Sinnvoll einschränken»

Bei alledem hielt Hausarzt Markus Bieri fest, dass sich längerfristig auch unbequeme Diskussionen nicht vermeiden liessen. Zu gross sei der medizinische Fortschritt, als dass auf immer und ewig alles finanzierbar sei. Auf der Basis einer sozial gerechten Grundversorgung müsse die Gesellschaft darüber nachdenken, was sie sich noch leisten wolle. «Wir sollten endlich damit anfangen, uns sinnvoll einzuschränken.» Sonst werde weiterhin nur rationalisiert, «und dann kommt das Land unter den Hammer.»

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