«Vielleicht bin ich weniger flippig»

Wolfisberg

Der als Flipper bekannte Mundartliedermacher Wolfgang Schönenberger tritt künftig unter dem Namen «Wolf von Wolfisberg» auf. Er bekennt sich damit zu seiner Wohngemeinde, bleibt aber ein Weltenbürger.

er bisher als Flipper bekannte Musiker Wolfgang Schönenberger von Wolfisberg gibt sich ein neues Image und wird künftig als Wolf auftreten.

er bisher als Flipper bekannte Musiker Wolfgang Schönenberger von Wolfisberg gibt sich ein neues Image und wird künftig als Wolf auftreten.

(Bild: Thomas Peter)

«Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.» Diesen Satz bezog die englische Ärztin und Sozialarbeiterin Cicely Saunders zwar auf die Betreuung der Menschen im Hospiz. Aber er passt auch sehr gut auf den Liedermacher Wolfgang Schönenberger. Er will jeden Tag voll auskosten. Der einstige Rebell ist dank der Meditation gelassener, aber keinesfalls stiller geworden. «Vielleicht bin ich etwas weniger flippig», sinniert er. Deshalb will er seinen bisherigen Künstlernamen Flipper auch tauschen: gegen «Wolf von Wolfisberg». «Wolf passt in vieler Hinsicht», sagt der 45-jährige gelernte Landwirt. «Ich heisse Wolfgang und wohne in Wolfisberg, wo ich verwurzelt bin.» Zudem sei der Wolf ein scheues und mental starkes Tier.

Wolf Schönenberger ist aber weder ein Wolf im Schafspelz noch ein Schaf im Wolfspelz. Er denkt und lebt, wie er es für richtig hält.

Hochlandrinder und Kinder

Er lebt auf einem Bauernhof zuoberst in Wolfisberg, den er zurzeit mit Hasen, Hühnern und zwei Katzen bewohnt und wo er schottische Hochlandrinder züchtet. Jeweils am Nachmittag steigt er den Berg hinunter zu «seinen» Kindern in die Musikschule Bipperamt in Wiedlisbach. Dort führt er 56 Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahren in die Kunst der Saiteninstrumente ein: Schönenberger unterrichtet Gitarre und Ukulele. Und singt mit ihnen. «Ich mag die Kinder, und ich denke, die Kinder mögen mich», sagt er und zeigt ein mit dem Handy aufgenommenes Filmchen mit einer 3-Jährigen, die stolz ein Lied vorträgt und sich selber auf der Ukulele begleitet. «Das ist nur möglich, wenn man auf die Kleinen eingeht. Manchmal singen sie dann halt die zweite Strophe vor der ersten, weil ihnen diese besser gefällt.»

Theater auf dem Hof

Als Liedermacher unter dem Namen Flipper ist Wolfgang Schönenberger seit 1992 unterwegs. «Meine Lieder sind mein Leben und umgekehrt», sagt er. Darum ist es ihm wichtig, dass die Menschen, mit denen er zu tun hat, sein Heimetli in Wolfisberg kennen lernen. Die Matratzen am Boden und die von Räucherstäbchen geschwängerte Luft charakterisieren den Vater einer 23-jährigen Tochter ebenso wie das moderne Aufnahmestudio. Im und ums Haus befinden sich ein Kleintheater und eine Natursteinbühne, wo die Kinder jedes Jahr das bei ihm Erlernte aufführen dürfen.

Elvis, die Beatles, Chuck Berry

Der Musik begegnet er schon viel früher. In der fünften Klasse lernt der bei Adoptiveltern im Solothurnischen aufgewachsene Wolfgang Schönenberger Gitarre spielen und findet so den Zugang zu einer anderen Welt. «Elvis Presley, The Beatles und Chuck Berry haben mich geprägt», sagt er rückblickend. Hüfte wackelnd protestiert der Pubertierende lautstark. Ein paar Jahre später, an seiner Lehrabschlussfeier, spielt er zum ersten Mal vor 500 Zuschauern eigene Lieder. Seither bildet er sich musikalisch weiter, aktuell beim bekannten Solothurner Sänger Carry Persson, und ist mit seinen mal tiefsinnigen, mal lustigen Liedern unterwegs. Manchmal alleine, manchmal mit befreundeten Musikern. Dazu gehört unter anderen Konstantin Wecker.

Die Freundschaft zum deutschen Liedermacher hat sich entwickelt, nachdem Wolfgang Schönenberger einen von dessen Liedertexten ins Schweizerdeutsche übersetzt und ihm geschickt hatte.

Mehr Lieder, mehr Konzerte

Drei CDs und eine DVD hat Wolfgang Schönenberger bisher aufgenommen. Künftig will er dem Liedermachen noch mehr Gewicht geben, mehr Konzerte spielen. «Viele fragen mich, weshalb ich nicht berühmter sei», sagt er lachend. Dazu hätte er wohl mehr den in der Musikbranche wichtigen Leuten nach dem Mund reden müssen. «Das ist nicht mein Ding», gibt er zu. «Tröim cha me läbe» heisst sein neustes Programm. Wohl nur, wenn man sich selber treu bleibt.

Berner Zeitung

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