Wenn der Architekt inkognito bleibt

Langenthal

Vor 80 Jahren wurde das Schwimmbad Langenthal eröffnet. Der Bau kostete damals etwa 400'000 Franken und war eine ziemliche Herausforderung.

Das Schwimmbad in früheren Jahren. Ein undatiertes Foto aus dem Firmenarchiv der Firma Hector Egger.

Das Schwimmbad in früheren Jahren. Ein undatiertes Foto aus dem Firmenarchiv der Firma Hector Egger.

(Bild: zvg/Staatsarchiv des Kantons Bern)

Tobias Granwehr

Nach einem katastrophalen Start in die Badesaison hat sich die Situation auch im Schwimmbad Langenthal in den vergangenen zwei Wochen stark verbessert. Die Verantwortlichen hoffen, dass es so weitergeht.

Vor allem am 29. und 30.Juni wäre gutes Wetter wichtig, denn an jenem Wochenende gibt es gleich doppelten Grund zu feiern: 80 Jahre Schwimmbad und Schwimmklub Langenthal (s. Box «Badifest»).

Der beleidigte Architekt

Am 14. Mai 1933 wurde das neu gebaute Schwimmbad eröffnet. Dabei wäre das Projekt beinahe gescheitert – die Vorlage wurde vom Langenthaler Stimmvolk nur mit wenigen Stimmen Unterschied angenommen. Gebaut wurde die Badi dann vom bekannten Architekten Hector Egger (s. Box «Zur Person»).

Wie aus den Bauakten des Stadtbauamtes hervorgeht, betrug der Baukredit 405'000 Franken. Und ebenfalls in den Akten liegt ein Brief des Architekten an den Präsidenten der Baukommission. Hector Egger wurde vom Präsidenten eingeladen und aufgefordert, ein paar Worte an die Gäste der Eröffnungsfeier zu richten.

Doch in diesem Schreiben erklärte Egger, weshalb er dazu keine Lust verspürte: «Davon kann keine Rede sein. Ich bin anlässlich des Abstimmungskampfes von den Gegnern so ungerechtfertigt angegriffen worden, dass ich gar keine Lust habe, meiner Befriedigung über das gelungene Werk vor einem grösseren Kreis geladener Gäste Ausdruck zu geben. Wenn ich am Sonntag erscheine, was noch unbestimmt ist, so geschieht dies incognito.» Ob Egger der Eröffnungsfeier dann tatsächlich fernblieb, geht aus den Akten nicht hervor.

Es fehlten Pläne

Bereits beim Bau lief nicht immer alles rund. Wiederum sei an dieser Stelle ein Brief Hector Eggers zitiert, diesmal an die Bauverwaltung: «Ich sehe mich veranlasst, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass wegen fortgesetztem Fehlen der nötigen Pläne für Eisenbetonarbeiten auf der Baustelle ein Betrieb herrscht, dem man nicht länger zuschauen kann. Maurermeister Hünig hat seine Arbeit bereits seit mehreren Tagen einge-stellt». Er verlangte von der Baukommission, dass sie etwas unternehme und «für Abhilfe dieser unverständlichen Behandlung sorgen muss».

Interessant ist auch ein Protokoll einer Sitzung des Gemeinderates im April 1933, nur kurz vor der Eröffnung: «Herr von Bergen teilt mit, die Frage sei geprüft worden, ob das Schwimmbad nicht nachts durch Securitas bewacht werden sollte. Die Kosten kommen jedoch ziemlich hoch zu stehen», heisst es weiter.

Die Securitas verlange bei einem zweimaligen Rundgang pro Nacht im Monat 52 Franken, wenn die Bewachung das ganze Jahr ausgeführt werden könne. «60 Franken pro Monat kostet es, wenn dieselbe nur auf einige Monate beschränkt wird.» Der Rat lehnte die Bewachung wegen zu hoher Preise letztlich ab.

Noch keine Baumaschinen

Wie aus früheren Zeitungsberichten hervorgeht, wurden beim Bau in den Krisenzeiten der Dreissigerjahre auch Arbeitslose eingesetzt. «Arbeitskräfte konnten gut gebraucht werden, denn der Einsatz von Baumaschinen war damals noch nicht die Regel», heisst es in einem Zeitungsbericht, der in den Dokumenten des Stadtbauamtes zu finden ist.

Das grosse Bassin mit 75 Meter Länge, 25 Meter Breite und einer Tiefe zwischen 3,1 und 0,7 Meter wurde mit Schaufel und Pickel ausgehoben. Heute kann man sich kaum vorstellen, wie aufwendig diese Arbeit gewesen sein dürfte.

Das Schwimmbad, in dem das Jubiläum nun gefeiert wird, sieht mittlerweile nicht mehr gleich aus wie nach dem Bau. 1979/1980 wurde das Badigebäude saniert. Von 1992 bis 1994 wurde das Schwimmbad schliesslich umfassend umgebaut und erweitert.

Gebadet wurde in Langenthal übrigens schon vor den 1930er-Jahren: Im Bereich des heutigen Spielplatzes in der Rumimatte gab es bereits vor dem Bau der Badi 1932 bis 1933 ein Bad.

Berner Zeitung

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