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Wettkampf mit dem «Grabenstampfer»

Echte Töfffahrer lieben das Knallen und Rauchen – das Grabenstampfer-Rennen der Dead Riders war genau richtig für sie.

Es krachte und stank grässlich auf dem sonst so friedlichen Engelberg ob Sumiswald, wo der Motorradklub Dead Riders bei seinem Biker’s Place ein Grabenstampfer-Rennen veranstaltete. Gerade war ein junger Landwirt, der wohl noch nie so ein Ding in Händen gehalten hatte, am Üben. Der Grabenstampfer hüpfte mit seinem Halter im Zickzack hin und her. Das war sicher keine ideale Linienführung.

Noch keine Startliste

Trotzdem wollte der beherzte Michael Flückiger aus Sumiswald am Rennen mitmachen, wenn sich nur noch ein weiterer Mitstreiter melden würde. Bislang war nämlich mangels Teilnehmer keine Startliste erhältlich, obwohl das Rennen mit den Grabenstrampfern schon längst in Gang hätte sein sollen. Der Pegson unbekannten Jahrgangs – wohl «aus der Eiszeit», wie Flückiger mutmasste – war ausgeliehen und längst nicht mehr in Gebrauch.

Gerade als die Veranstalter alle Hoffnung aufgeben wollten, tauchte Alois Monn aus Münsingen mit einem fast identischen Gerät am Start auf. Sein Pegson datiere aus dem Jahr 1947, und er benutze ihn zum Privatgebrauch, sozusagen als Hobby, erklärte er.

Es musste knallen

Wenigstens zwei waren jetzt am Start – letztes Jahr seien es acht gewesen, blickte Dead-Riders-Sekretär Hans Ulrich Eggimann zurück. Nun war erst mal Pause angesagt, in der sich die erleichterten Veranstalter ein Glas genehmigten. Auf dem Grill brutzelten Bratwürste, unter dem Badebottich mit Aussicht auf die Alpen qualmte die Glut.

Inzwischen fuhr ein Lieferwagen mit modernen Maschinen vor. Zwei Vertreter demonstrierten mit Vibrationsplatten bestückte Geräte, wie sie heute anstatt Grabenstampfer verwendet werden. Die leisen Dieselmotoren fanden keine Anerkennung – echte Töfffahrer hören es lieber knattern und knallen, so wie es alte Zweitakter tun.

Dafür konnten die beiden Vertreter Peter Ari Schär und Daniel Chastan zum Mitmachen mit den alten Grabenstampfern ani-miert werden. Auch Zuschauer Nik Schälibaum aus Burgdorf meldete sich spontan, er habe schliesslich einmal auf dem Bau gearbeitet. Nun gings mit zwei Stunden Verspätung los.

Kraft und Taktik

Ein Grabenstampfer wiegt fast 100 Kilo und muss erst einmal hochgewuchtet werden. Beim Aufprall auf den Boden schleudert ihn eine Explosion in die Luft zurück. Jetzt muss er mit einem Ruck vorwärts bewegt werden, und dann sollte er möglichst nicht auf den Zehen landen. So «krampfte» man früher, um den Boden zu verdichten. Auf dem 30 Meter langen Parcours gerieten die Teilnehmer bald ausser Atem. Drei Runden sollten zurückgelegt werden, es zählte die schnellste Zeit. Monn begann gleich mit 1,24 Minuten Laufzeit, verursacht durch Aussetzer des Motors. Flückigers rasanter Start kam unvermittelt wieder ins Stocken, er erreichte das Ziel erst nach 3 Minuten. Gras und Regenwürmer waren längst platt, der keuchende Motor spie Öl und Land. Rauch hüllte die Zuschauer ein.

Der etwas ältere Schär fiel vor Erschöpfung fast um, immerhin erreichte er beim zweiten Mal das Ziel in 1,47 Minuten. Schällibaum verbesserte sich im drit-ten Lauf von 1,1 Minuten auf 55 Sekunden, Monn sogar auf 50 und Flückiger – «jetzt wird er langsam warm» – sogar auf 43 Sekunden. Doch keiner tanzte so elegant mit dem Koloss wie Daniel Chastan, der kaum halb so alt war wie seine knatternde Maschine. Er hatte gut beobachtet und legte die Strecke in sagenhaften 38 Sekunden zurück.

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