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«Wir zünden viele kleine Feuerwerke»

Ohne seinen Vorstoss im Stadtrat würden die 1150 Jahre Langenthal wahrscheinlich gar nicht gross gefeiert. Was hält Markus Gfeller vom bisherigen Fest zum Stadtjubiläum? «Es ist kein Riesenknaller, aber wir zünden viele kleine Feuerwerke», sagt der Mann, der im OK die Finanzen kontrolliert.

Das Choufhüsi spiegelt sich im See. Ob sich die Langenthaler später daran erinnern werden? Markus Gfeller geht davon aus, dass andere Jubiläumsanlässe genau so wichtig sind – je nach persönlichen Interessen.
Das Choufhüsi spiegelt sich im See. Ob sich die Langenthaler später daran erinnern werden? Markus Gfeller geht davon aus, dass andere Jubiläumsanlässe genau so wichtig sind – je nach persönlichen Interessen.
Robert Grogg

Herr Gfeller: Sie haben als FDP-Stadtrat die Feierlichkeiten zum Langenthaler Stadtjubiläum vor genau fünf Jahren mit Ihrem Postulat überhaupt erst möglich gemacht. Sind Sie mit dem bisherigen Fest zufrieden?

Markus Gfeller: Ja, obwohl ich es ganz alleine sicher anders gemacht hätte. Ich habe als Jugendlicher von einem Dorffest reden gehört. Das war mit ein Grund, warum ich den Vorstoss machte. Mit der Zusammensetzung des OK war aber auch schnell klar, dass dieses Stadtjubiläum kein ganz gewöhnliches Fest werden würde. Das hat zahlreiche Vorteile. Man kann sehr viele Themen aufgreifen. Alle können irgendwann und irgendwo einsteigen. Auch wenn vielleicht nicht allen alles gefällt. Den See hatten sich viele anders vorgestellt. Wenn man etwas macht, das schon mal da gewesen ist, dann haben die Leute halt ganz bestimmte Erwartungen. Beim Anlass «Begeistern» war dies nicht der Fall, der war neu. Marketingmässig ist wohl nicht alles optimal verlaufen. Aber ich habe jedenfalls an den bisherigen Anlässen viele zufriedene Leute gesehen.

Der Gemeinderat bezeichnete die 1150 Jahre ursprünglich als «wenig prominent und nicht als Besonderheit». Er sah keinen Anlass für ein Fest. Stadtschreiber Daniel Steiner erklärte gar: «Es kann nicht sein, dass die Stadt bei irgendwelchen Jahreszahlen ein grosses Fest organisiert.»

Ich kann das nicht nachvollziehen. Es muss ja auch nicht immer eine gerade Jahreszahl sein. Es tut der Stadt Langenthal jedenfalls gut, wenn einmal ein grosser Anlass unter ihrer Schirmherrschaft stattfindet. Ich bin der Meinung, dass jede Generation einmal Gelegenheit haben sollte, an einem Stadtfest teilzunehmen.

Der Gemeinderat wollte Ihr Postulat ursprünglich für nicht erheblich erklären lassen. Wie haben Sie es geschafft, dass der Stadtrat zu einem andern Resultat kam?

Das Postulat ist ja ein Auftrag zur Prüfung. So war es wohl etwas einfacher, eine Mehrheit zu finden. Entscheidend war jedoch das Konzept, das wir dem Stadtrat später vorlegten.

Thomas Rufener, der damals erst für das Stadtpräsidium kandidierte, erklärte: «Es kann ja nicht sein, dass die öffentliche Hand als Organisatorin auftritt – die Vereine müssen eine wichtige Rolle spielen.» Es kam aber anders.

Das kann man so sehen, muss man aber nicht. Ich denke, seit 2006 hat sich auch sehr viel verändert. Thomas Rufener war zuvor im Gemeinderat acht Jahre für die Finanzen zuständig. Und die waren längst nicht so gut wie später mit den Onyx-Millionen. Es war aber auch eine Frage der Philosophie, welche Rolle die Vereine spielen sollten. Dabei kam es wohl zu einigen Missverständnissen oder falschen Erwartungen. Die Wichtigkeit der Kommunikation wurde wahrscheinlich etwas unterschätzt. Das ist bei einem ganzjährigen Anlass eine wesentlich grössere Herausforderung als bei einem Festwochenende.

Sie argumentierten im Stadtrat, Langenthal drohe eine gute Chance für ein aktives Standortmarketing zu verpassen. Wurden diese Ansprüche mit den bisherigen Veranstaltungen denn eingelöst?

Ich denke schon. Unter anderem konnten wir die grosse Vielfalt aufzeigen, die Langenthal ausmacht. Und wir konnten die Tradition des Kinderfestes neu aufleben lassen. Wir sollten aber nicht vergessen, dass wir ja erst mitten im Jubiläumsjahr stehen und noch einiges erwarten dürfen.

Gerade das Kinderfest fand aber offensichtlich vor allem für die ältere Generation statt. Viele Kinder fanden es gar nicht cool.

Bei der Unterstufe kam das Fest wahrscheinlich besser an als bei der Oberstufe. Ich habe jedenfalls viel Kreativität festgestellt (Markus Gfeller marschierte mit dem Susaphon selber bei der Kadettenmusik mit, die Red.). Kinder äussern ihre Meinung heute selbstverständlich viel direkter als früher. Es war jedenfalls ein Versuch. Vielleicht gibts andere Wege.

Versteht die Bevölkerung das ziemlich kopflastige Konzept des OK überhaupt?

Da bin ich der Falsche, um diese Frage zu beantworten. Ich persönlich habe nur wenige, aber durchwegs positive Reaktionen erhalten. Als Finanzchef stehe ich natürlich auch nicht im Vordergrund. Als Fasnachts-Ober bin ich mir da anderes gewohnt.

Was hätten Sie anders gemacht?

Ich muss zugeben, dass ich ursprünglich eher nur an ein einzelnes, traditionelles Festwochenende dachte. Aber das OK hat in vielen Sitzungen eine ganz andere Idee entwickelt. Und da kann ich sehr wohl dazu stehen.

Braucht es für die restlichen Veranstaltungen Korrekturen?

In der Hauptsache nicht. Wir haben jedoch bei der Kommunikation Verbesserungen diskutiert. So werden wir beispielsweise unseren Flyer nicht mehr einen Monat vor dem nächsten Hauptanlass verschicken. Und wir wollen unsere Internetseite detaillierter gestalten.

Können Sie als Politiker die 700000 Franken, die der Stadtrat für das Jubiläumsjahr gesprochen hat, verantworten?

Wir haben es uns nicht einfach gemacht, und ich wage zu behaupten, dass wir diesen Rahmenkredit nicht überschreiten werden. Man kann das herunterrechnen. Das macht dann zwei Franken pro Einwohner und Veranstaltungstag. Das ist vertretbar. Wir haben uns selbstverständlich gut überlegt, ob die Stadt alles bezahlen muss. Hätten die Vereine organisiert, so wären ganz einfach die immer gleichen Firmen als Sponsoren angegangen worden. Und Eintritt wollten wir zum Geburtstagsfest der Stadt nicht erheben.

An was werden sich die Langenthaler einmal erinnern?

Die einen an den von Tamilen aufgeführten Wilhelm Tell, die andern an die fünf Religionen auf einer Bühne, wieder andere an das OL-Postennetz oder den Kinderumzug. Aber ganz bestimmt werden sich alle an den neuen Wuhrplatz erinnern, der Ende September im Rahmen des vierten Hauptanlasses «Begegnen» eingeweiht wird. Wenn die Leute nach dem letzten Stadtfest gefragt werden, dann erinnern sich alle nur an den See und sonst an gar nichts. Der war sicher ein Riesenknaller – wir aber zünden viele kleine Feuerwerke. Das ist der Unterschied.

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