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Zu seiner Krankheit stehen

In Langnau diskutierten Fachleute, psychisch Kranke und Familienangehörige, was bei Krisen helfen kann und was nicht.

«Es war ein einziges riesiges Chaos ohne Boden.» Das sagt Bettina zu ihrem Leben – in einem Film von «Pro Mente Sana». In Langnau wurde der Film am 10.Oktober, dem Tag der psychisch kranken Menschen, gezeigt. Viele der im Saal des Zentrums Dahlia Lenggen Anwesenden nickten bei der Schilderung der jungen Frau. Sie kannten dieses Gefühl aus eigener Erfahrung oder aus der Sicht der Familienangehörigen.

Einfach überleben

Im anschliessenden Podiumsgespräch erzählten zwei Personen, wie ihr Leben plötzlich zur Hochrisikofahrt auf der Achterbahn wurde und wie sie wieder aus diesem psychischen Schleudergang herausgefunden haben.

Christoph Litz erlebte vor sieben Jahren eine akute schizophrene Phase. «Es war ein Zustand, der mit dem normalen Leben nichts mehr zu tun hatte», sagte er. Für ihn habe schliesslich nur noch eines gezählt: überleben, überleben, überleben. Die Klinik habe er in erster Linie zum Schutz gebraucht, als Schild gegen die inneren Stimmen. Heute gehe es ihm wieder gut, und er sehe den «Schizo», wie er die Krankheit nennt, einfach «als ungebetenen Gast».

Klinik half nicht weiter

Sehr offen sprach auch die zweite Person auf dem Podium. Die Frau, sie nannte sich Kaya Vitan, wurde als Kind missbraucht. Im Erwachsenenalter holten sie die Erinnerungen ein. In der Folge durchlebte sie eine tiefe Depression. «Mich hat der Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik nicht weitergebracht», sagte sie. Damals seien die Therapiestunden überlebenswichtig gewesen. «Während der Depression hatte ich keine Kraft mehr, Freundschaften zu pflege, und ich musste sehr viel verarbeiten.» Jetzt habe sie sich wieder einen Freundeskreis aufgebaut und finde auch dort Unterstützung, sagte Vital.

Walter Krähenbühl, der Organisator des Anlasses und Mitarbeiter beim Regionalspital Emmental, betonte, dass der Weg aus der Krise immer ein individueller sei: « Nicht allen hilft ein Klinikaufenthalt, und nicht für alle sind die gleichen Medikamente oder Therapien die Lösung.» Wichtig sei, zur Krankheit stehen zu können und sich Hilfe zu holen.

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