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Zwischen Mangel und Überfluss

In den letzten zehn Jahren sind in Langnau rund 50 Hotelbetten weggefallen. Aber sind sie jetzt tatsächlich geradezu Mangelware, wie Madeleine Ryser, die Retterin des Bären, sagt?

Gediegen. Im Hotel Hirschen warten frisch renovierte Zimmer auf Gäste. An Sommerwochenenden, während der Jazz-Nights oder dem Cartoon-Festival wird es für viele Touristen schwierig, in Langnau noch ein leeres Hotelbett zu finden.
Gediegen. Im Hotel Hirschen warten frisch renovierte Zimmer auf Gäste. An Sommerwochenenden, während der Jazz-Nights oder dem Cartoon-Festival wird es für viele Touristen schwierig, in Langnau noch ein leeres Hotelbett zu finden.
Thomas Peter

Hotelzimmer seien in Langnau Mangelware. Das sagte Madeleine Ryser gegenüber dieser Zeitung, als sie als Verwaltungsratspräsidentin der Genossenschaft Bären Werbung machte für die Zeichnung von Anteilscheinen. Hat sie übertrieben? Laut Langnau Tourismus nicht. Präsident Christoph Wydler zählt die Betriebe auf, die in den letzten zehn Jahren die Hotellerie aufgegeben haben. Nebst jenen im Bären stehen die Hotelzimmer auf dem Dorfberg, in der Ilfisbrücke, im Inforama und im Schlüssel nicht mehr zur Verfügung. Insgesamt seien rund 50 Betten weggefallen, sagt Wydler.

Zeiten leerer Betten

Das heisse nun aber nicht, dass das Angebot an Hotelbetten in Langnau generell zu klein sei. Es gebe «leider viele Zeiten im Jahr», so Wydler, da viele Hotelbetten leer stünden. Langnau Tourismus und Tourismus Emmental wollen das ändern und setzen auf Angebote wie E-Bike-Touren, die Emmentaler Käseroute, den Mords-Spukgeschichten-Weg oder das Comic-Erlebnis, mit denen sie zusätzliche Gäste nach Langnau holen möchten. Da für dieses Ziel auch ein belebter, attraktiver oberer Dorfteil wichtig sei, hat Langnau Tourismus auch für 5000 Franken Anteilscheine der Genossenschaft Bären gekauft.

Zeiten ausgebuchter Hotels

An den Wochenenden im Sommer habe es in Langnau «auf alle Fälle» zu wenig Hotelzimmer, sagt Christian Billau, Leiter Tourismus Emmental. Er bezieht diese Aussage nicht nur auf Zeiten, da Grossanlässe wie das Eidgenössische Schwingfest oder die Jazz-Nights stattfänden. An sommerlichen Wochenenden sei es generell schwierig, grössere Gruppen unterbringen zu können. Unter der Woche werde Langnau vorab von Geschäftskunden besucht, die im Hotel Hirschen, im Hotel Garni Emmental oder etwas ausserhalb Langnaus, auf der Bäregghöhe, ein Zimmer fänden.

Das Potenzial für den Bären

Billau findet, Langnau habe durchaus das Potenzial, weitere Hotelbetten füllen zu können. «Es verträgt den Bären», sagt er – und warnt: «Aber das Angebot muss gut sein.» Einfach ein weiteres Hotel zu eröffnen und zu meinen, das fülle sich dann von selbst, werde nicht funktionieren. Das Angebot müsse authentisch, charmant und liebevoll sein. Kurz: «Es braucht ein Bijou», sagt Billau.

Heidi Soltermann vom Hotel Garni Emmental fürchtet die neue Konkurrenz vom Bären nicht. «Uns freut es, wenn er wieder geöffnet wird», sagt sie, gibt aber ebenfalls zu bedenken: «Ein solcher Betrieb steht und fällt mit einem guten Wirtepaar.» Daran mangle es gegenwärtig, weshalb es in vielen Betrieben häufige Wechsel gäbe. «Ein Hotel oder ein Restaurant zu führen, ist kein einfacher Job», gibt sie zu bedenken.

Heidi Soltermann fände es äusserst bedauerlich, wenn der Bären nach einem oder zwei Jahren wieder schliessen müsste. Sie sagt das, obwohl ihr Hotel vielfach nicht ausgebucht sei. «Im Normalfall» trifft die Aussage von Madeleine Ryser, wonach es in Langnau zu wenig Hotelbetten hat, ihrer Meinung nach nicht zu. Dann aber gebe es Zeiten – etwa während der Jazz-Nights oder dem Emmentalischen Schwingfest –, in denen man im Hotel Garni Emmental Gäste abweisen müsse. Auch nicht dienen kann man in Langnau, wenn grosse Gruppen in Cars mit 40 bis 50 Personen anreisen und im gleichen Hotel übernachten möchten. Das Hotel Garni Emmental hat 19 Zimmer. Oftmals würden solche Gruppen dann nach Eggiwil ins Hotel Hirschen oder halt nach Burgdorf ausweichen, sagt Heidi Soltermann.

Mal voll, mal leer

Aber auch Urs Weyermann vom Hotel Hirschen mag nicht generell von einem Mangel an Hotelzimmern sprechen. «Wenn etwas los ist, hat es im ganzen Emmental zu wenige Betten, wenn nicht, sind viele Zimmer leer», sagt er. Gestern hat er geladenen Gästen die frisch renovierten 18 Zimmer in seinem Betrieb gezeigt. Weyermann hat den Hirschen in den letzten Monaten innen und aussen erneuert.

Auch er fürchtet sich nicht vor der Konkurrenz, die von der geplanten Neueröffnung des Bären ausgehen wird. «Das ist eine Bereicherung für Langnau», sagt Weyermann und versichert, dass er Gäste, die bei ihm keinen Platz finden, dereinst auch an den Bären verweisen werde. Schliesslich wolle er «Velotouristen, die auf der Suche sind nach dem Emmentalischen, nicht an eine Pizzeria verweisen».

Nebst den 19 Zimmern im Hotel Garni Emmental und den 18 Zimmern im Hirschen bietet in Langnau noch das Hotel Bahnhof Da Luca 9 Hotelzimmer und ein Massenlager mit 30 Betten an. Das Hotel Adler in Bärau vermietet 8 Zimmer. Zudem führt die Jugendherberge Emme Lodge 44 Betten.

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