16-Jähriger entdeckt Wolf auf einem nächtlichen Streifzug

Region Thun

Den letzten Sonntagabend wird Yannick Schmid aus Röthenbach nicht so schnell vergessen: Er konnte einen Wolf längere Zeit auf einem nächtlichen Streifzug beobachten.

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Es ist ein Sonntagabend, wie es ihn in einem November gibt. Kalt, dunkel, neblig. Es liegt schon etwas Schnee neben der Hauptstrasse zwischen Süderen und Röthenbach. Yannick Schmid (16) befindet sich mit seiner ­Familie auf der Heimreise von einem Ausflug.

Dann passiert es: Kurz vor dem Dorfeingang von Röthenbach kreuzt ein Tier die Strasse. «Wir dachten zuerst, es ist ein Fuchs», sagt Schmid. Beim genaueren Hinsehen war dann aber klar, dass es ein Wolf sein musste. «Wir hielten an, ich stieg aus», erinnert sich Schmid. Das Tier sei zu Beginn vielleicht zwischen 10 und 20 Metern entfernt gewesen. «Es war ein spannender Moment.» Ein wenig aufgeregt sei er gewesen, vor allem aber fasziniert.

Seltene Aufnahmen: Der Wolf im Emmental. Video: Yannick Schmid

Wolf blieb gelassen

Der Wolf habe sich vom Scheinwerferlicht des Fahrzeugs nicht abschrecken lassen. Er sei einige Zeit relativ gelassen über die Felder gelaufen, bevor er dann später doch das Weite gesucht habe. Schmid behielt kühlen Kopf, dokumentierte das Ganze mit seinem Handy. Zu Hause angekommen, griff er zum Telefon. Zuerst klärte er ab, ob der Wolf nicht aus einem nahe gelegenen Gehege getürmt war. «Ich weiss, dass es so etwas gibt.»

Nachdem der Besitzer der zahmen Wölfe festgestellt hatte, dass sein Bestand noch stimmt, informierte Schmid die Polizei. Kurz darauf meldete sich bereits der Wildhüter bei ihm. Schmid berichtete von seinem Zusammentreffen mit Isegrim, wie der Wolf in der Fabel genannt wird. Nachdem der Wildhüter sich Bilder und Videos angeschaut hatte, war auch für ihn der Fall klar: Beim Tier, welches Yannick Schmid und seiner Familie begegnet ist, hat es sich tatsächlich um einen Wolf gehandelt.

Ob es dasselbe Tier ist, welches seit Monaten durch den Kanton Bern streift (vgl. Kasten), ist nicht erwiesen. Denkbar ist es schon. Ein Wolf, der eine Spitzengeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern erreichen kann, legt in einer Nacht gut und gerne 60 Kilometer zurück. Es konnten auch schon 190 Kilometer nachgewiesen werden.

Die Nachricht, dass Yannick Schmid einen Wolf gesehen hat, verbreitete sich noch am Sonntagabend wie ein Lauffeuer. Er sei ein paarmal darauf angesprochen worden. Erstaunt habe ihn dies nicht, sagt Schmid, der die Fachmittelschule in Thun besucht, ganz cool. «So etwas erlebt man schliesslich auch nicht jeden Tag.»

Thuner Tagblatt

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