Schangnau

50 Simmentaler Kühe erobern die Bühne

SchangnauDieses Wochenende haben die Simmentaler Kühe von Familie Marti ihren grossen Auftritt: Sie marschieren am Oberemmentalischen Jodlertreffen über die Bühne. Dafür mussten die reinrassigen Tiere erst einmal üben.

Feuertaufe bestanden: Die Kühe zogen probehalber viermal über die Bühne des noch leeren Festzelts. Alles lief reibungslos:  Die Bühne war stabil genug, und die Kühe waren folgsam.

Feuertaufe bestanden: Die Kühe zogen probehalber viermal über die Bühne des noch leeren Festzelts. Alles lief reibungslos: Die Bühne war stabil genug, und die Kühe waren folgsam. Bild: Hans Wüthrich

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«Schau, da kommen sie.» Die beiden kleinen Kinder zeigen nach oben. Der Dunst hat sich verzogen, die Sonne lugt hervor. Ein Zug von Simmentaler Kühen bewegt sich flott, angetrieben von den «Chüejern», den Hügel hinunter. Die Treicheln und Glocken sind bis ins Tal zu hören. Vorab geht der Muni, ihm folgen die Kühe und Kälber, Ross und Wagen schliessen den Tross ab. 50 Stück kehren nach Schangnau zurück. Die Sömmerung ist zu Ende. Von Ende Mai bis jetzt weidete das Vieh auf der Oberen Fluh im Wachthubelgebiet.

Gegen halb zwölf Uhr mittags, nach eineinhalb Stunden Weg, treffen die Tiere auf dem Festgelände bei der Hohgant-Käserei im Tal ein. Statt direkt auf den Hof nach Hause zu gehen, drehen sie hier noch Ehrenrunden. Denn die Simmentaler haben am Oberemmentalischen Jodlertreffen, das heute Samstag und morgen Sonntag stattfindet, einen Bühnenauftritt. Und dafür müssen sie üben. Sie laufen die Rampe hinauf, der Breite nach durchs Festzelt, die Rampe hinunter und um das Zelt herum. Und noch einmal. Und noch einmal. Die Landwirte Hansruedi und Daniel Marti sind noch nicht ganz zufrieden. Im Innern des Zelts scheint es den Kühen nicht recht zu behagen. Sie drängeln, springen und muhen ein bisschen, ertragen den Probelauf ansonsten aber erstaunlich geduldig. Noch ein viertes Mal treiben die 12 Helferinnen und Helfer sie über die Bühne. Dann ist genug. Sie dürfen endlich über die Dorfstrasse heimwärts ziehen, wo sie am Ende auf die Wiese entlassen werden. Das Alpabfahrtsspektakel ist vorbei.

Ruhig und robust

Die Familie Marti, Mutter Christine und Vater Hansruedi, Sohn Daniel und seine Frau Käthi sowie Sohn Fritz, züchten reines Simmentaler Fleckvieh – schon seit mehreren Generationen. Die Simmentaler Rasse gilt als anpassungsfähig, genügsam und kräftig. «Sie sind vom Charakter her viel ruhiger als die Gekreuzten», erklärt Hansruedi Marti. Zudem seien sie robust, würden weniger tierärztliche Behandlung benötigen und hätten weniger Klauenprobleme. Bekannt sind die Simmentaler auch für ihre Doppelnutzung als Fleisch- und Milchlieferanten. Martis haben sich auf Milchwirtschaft und Zucht spezialisiert. Ihre Tiere tragen noch Hörner.

Die beiden Betriebe von Vater Hansruedi und Sohn Daniel Marti arbeiten zusammen. Sie gehören zu den wenigen Simmentaler Reinzüchtern in Schangnau und Umgebung. Befruchtet werden die Kühe durch Natursprung.

Waschen und schmücken

Die Alpabfahrt von heute läutet das Jodlertreffen ein. Die Tage zuvor nutzten die Bauernfamilien, um ihre Kühe herauszuputzen. Sie werden gewaschen und einshampooniert. Das dauert mehrere Stunden. Im Stall erhalten sie dann Heu und Kraftfutter. Vor dem grossen Auftritt werden sie traditionsgemäss mit Blumen und Tannenreisig bestückt. Der Leitkuh wird ein dekorierter Melkstuhl auf den Kopf geschnallt. Die vordersten Exemplare tragen zum Blumenschmuck 200-jährige Schangnauer Treicheln.

Für Hansruedi Egli vom OK des Jodlertreffens ist es nicht selbstverständlich, dass Martis mitmachen. «Es ist ein Riesenchrampf, die Kühe vorzubereiten», sagt Egli. Deshalb gebe es an Jodlertreffen kaum noch Alpabfahrten. «Unser Glück ist natürlich auch, dass der Hof gerade in der Nähe ist.» Egli hofft nun, dass das Wetter am Wochenende so sonnig wird, wie es am Tag der Hauptprobe war. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.09.2011, 12:13 Uhr

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