Mord an Ehefrau: Tunesier muss 15 Jahre ins Gefängnis

Burgdorf

Das Gericht in Burgdorf schickt einen Tunesier wegen Mordes für fünfzehn Jahre hinter Gitter. Der Mann hatte seine Schweizer Ehefrau mit einem Küchenmesser umgebracht.

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Für den Staatsanwalt war es eine «Hinrichtung», der Pflichtverteidiger nannte es einen «Ausraster»: Am 6. Februar 2016 nahm ein Tunesier seiner Schweizer Ehefrau in Hasle das Leben (siehe Kasten). Er erstach sie mit einem Messer, das er in der Küche liegen sah, als er vom Ausgang nach Hause kam.

Der Ankläger erachtete eine Freiheitsstrafe von siebzehn Jahren wegen Mordes als angemessen. Zur Tatzeit sei der Beschuldigte voll schuldfähig gewesen, sagte der Staatsanwalt mit Blick auf ein vom Gericht bestelltes forensisches Gutachten.

Von «voll schuldfähig» könne keine Rede sein, konterte die Verteidigung. Der Mann habe unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und Depressionen gelitten. Deshalb sei eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren wegen vorsätzlicher Tötung zu verhängen und die Sanktion zugunsten einer stationären Therapie aufzuschieben.

Nun hat das Regionalgericht Emmental-Oberaarau unter dem Vorsitz von Roger Zuber entschieden: Der Nordafrikaner verschwindet wegen Mordes für fünfzehn Jahre hinter Gittern. Einen Teil dieser Zeit hat er bereits abgesessen: Über drei Jahre verbrachte der 36-Jährige in Untersuchungs- und Sicherheitshaft. Im Januar 2018 trat er den vorzeitigen Strafvollzug auf dem Thorberg an. Vollzugsbegleitend durchläuft er eine Therapie.

Der Tunesier habe seine Frau «mit grosser Brutalität, Gefühlskälte und Entschlossenheit» umgebracht, sagte Zuber. Als Motive nannte er «rasende Eifersucht» und «verletzten Stolz». Der Mann sei davon überzeugt gewesen, dass seine Frau ihn betrüge, obwohl es dafür bis heute keine Indizien gebe. Weiter habe er sich von ihr zu wenig respektiert gefühlt. Auf den Gedanken, sie umzubringen, sei er schon am Tag vor der Tat gekommen, als er seine Gattin mit anderen Männern habe reden sehen.

«Konfliktreiche Beziehung»

Bei der Ehe der beiden habe es sich um eine «äusserst konfliktreiche Beziehung» gehandelt, sagte Zuber weiter. Die Frau habe in ihrem Umfeld als «offen und aufgestellt» gegolten. Doch unter Alkoholeinfluss sei sie ausfallend geworden. Dem Mann, der 2011 aus Tunesien in die Schweiz geflüchtet war, sei es nie gelungen, in seiner neuen Heimat Tritt zu fassen.

Bei der Strafzumessung habe das Gericht berücksichtigt, dass der Mann sich an jenem Morgen in einer «psychischen Sondersituation» befunden habe. Er habe unter «Beziehungsstress» gelitten, in der Nacht zuvor nicht geschlafen und über ein Promille Alkohol intus gehabt. Dadurch seien seine Hemmungen «herabgesetzt» gewesen.

Einsicht oder Reue habe er nie gezeigt. Dafür sei ihm anzurechnen, dass er die Polizei avisiert habe. Während des Strafverfahrens habe er sich sehr kooperativ verhalten. Die Verfahrenskosten von über 100'000 Franken muss der Verurteilte – zumindest theoretisch – ebenso bezahlen wie die knapp 200'000 Franken, welche das Gericht den Angehörigen der Getöteten als Genugtuung zusprach. Auch sein Pflichtverteidiger und die Anwälte der Privatklägerschaft haben von ihm Tausende von Franken zugute. Der Tunesier nahm das Urteil äusserlich reglos zur Kenntnis.

sih/sda

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