Hasle

Zierliche Frau mit grosser Stimme

HasleKatja Schär liebt den Gesang. Doch nicht Pop und Rock haben es ihr angetan, sondern die klassische Musik. Nun räumte die Sopranistin den ersten Rang beim Musikförderpreis des Kiwanis Club Burgdorf ab.

Glasklar und raumfüllend: So singt die 20-jährige Katja Schär ein Stück aus der Oper «Die Hochzeit des Figaro».
Video: Jacqueline Graber

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Das Smartphone liegt zuunterst auf dem Bücherregal. Katja Schär bückt sich, schliesst es an einen Lautsprecher an, drückt den Startknopf und richtet sich langsam auf. Ein paar Sekunden herrscht Totenstille, dann ertönt Streichmusik. Volle Konzentration, noch eine kurze Lockerungsbewegung mit dem Hals, ein tiefer Atemzug, und was jetzt kommt, ist kaum zu glauben: Niemals würde hinter der zierlichen Frau eine solch gewaltige Stimme vermuten.

Glasklar und raumfüllend ab dem ersten Ton, singt sie ein Stück aus der Oper «Die Hochzeit des Figaro» von Wolfgang Amadeus Mozart. Es ist die Szene, in der die Zofe eine teure Nadel verliert und eine Bestrafung befürchtet. Und es bedarf keiner Italienischkenntnisse, um als Zuhörer zu merken, dass etwas Unerfreuliches passiert ist. Denn Katja Schär steht die Angst förmlich ins Gesicht geschrieben.

Jeden Tag wird geübt

«Ich spreche nur ein paar Brocken Italienisch», räumt die 20-Jährige ein. Auf den Notenblättern stehe jedoch unter dem fremdsprachigen Text meist die deutsche Version. Ansonsten übersetzt sie die Texte mithilfe ihrer Gesangslehrerin. «Es ist enorm wichtig, zu verstehen, was man singt.» Wenn sie plötzlich bei einer tragischen Szene freundlich lächle, sei das sehr peinlich.

Überhaupt spielt die Mimik wie auch die Körperhaltung eine wesentliche Rolle, darum übt die Sopranistin zu Hause immer vor einem grossen Spiegel. Gesungen wird jeden Tag, denn vielmehr als die Dauer der Probe ist die Regelmässigkeit für Katja Schär wichtig. «Manchmal sind es zwanzig Minuten, manchmal zwei Stunden, je nach Tagesform und ­Tagesplan.» Die Emmentalerin arbeitet 80 Prozent als Fachfrau Hauswirtschaft im Rüttihubelbad in Walkringen.

«Wenn ich plötzlich bei einer tragischen Szene freundlich lächle, ist das sehr peinlich.»Sopranistin Katja Schär

Einmal pro Woche nimmt sie Unterricht in der Musikschule Burgdorf, und alle vierzehn Tage hat sie zusätzlich Korrepetition. Das heisst, dann kommt die Musik nicht ab dem Smartphone, sondern ein Pianist begleitet sie. Lange habe sie überlegt, ob sie nach der Lehre ein Gesangsstudium an der Hochschule der Künste anhängen solle. Doch schliesslich habe sie sich dagegen entschieden. «Ich will das Singen nicht zum Beruf machen.» Dennoch hat sie sich ein Ziel gesetzt: Sie möchte wann immer möglich die Leute mit ihrem Gesang beschenken.

Eine musikalische Familie

Katja Schär wohnt in einer Zweizimmerwohnung in einem Bauernhaus in Hasle. Aufgewachsen ist sie in Rüegsbach, in einer Familie, in der viel gesungen und musiziert wurde. Während der Schulzeit spielte sie Querflöte und besuchte ein Jahr lang den Gesangsunterricht. Doch erst vor rund drei Jahren hat sie sich entschieden, erneut Gesangsstunden in der Musikschule Burgdorf zu nehmen.

Zuerst waren es Pop und Rock, bis ihr die Lehrerin, Ursula Trinca, ein Stück von Georg Friedrich Händel brachte. «Und da hat es mir den Ärmel reingezogen.» Seither singt die junge Frau nur noch klassische Stücke. Am liebsten Oratorien, also Kirchenmusik, und wenn möglich von Johann Sebastian Bach.

Aus diesem Grund tritt sie meist in Kirchen auf, sei es an Taufen, Hochzeiten oder an Gottesdiensten. Doch gelegentlich zieht es sie auch auf die Bühne, so wie am Dienstag Abend. Diesmal zeigte sie ihr Können anlässlich der Verleihung des Musik-Förderpreises des Kiwanis Club Burgdorf (siehe Kasten). Die Sängerin durfte dort den ersten Preis entgegennehmen. Dazu ermuntert, mitzumachen, hat sie ihre Lehrerin, Ursula Trinca.

So schickte die 20-Jährige im Frühjahr 2018 eine CD mit drei gesungenen Stücken ein. Prompt wurde sie zum Vorsingen eingeladen und überzeugte die Jury. Es ist nicht die erste Auszeichnung: 2017 gewann Katja Schär am Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb in Sissach schon den zweiten Preis. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.09.2018, 07:59 Uhr

Die Gewinner

Der Musik-Förderpreis wurde 2010 vom Kiwanis Club Burgdorf ins Leben gerufen und heuer zum fünften Mal ausgeschrieben. Zugelassen sind musikalisch begabte Jugendliche mit Bezug zur Region Burgdorf-Langnau-Lan­genthal, die das 21. Altersjahr noch nicht erreicht haben.
Die Gewinner in diesem Jahr sind: 1. Preis (2000 Franken): Katja Schär (20), Hasle; Sopran. 2. Preis (1000 Franken): Thanusanth Vijayakumar (17), Kirchberg; Gitarre. 3. Preis (je 750 Franken): Dominique Heuberger (18), Ersigen; Eufonium, und Luzi Niederhauser (15), Biel; Kontrabass. Anerkennungspreis (500 Franken): Trio Twone, Burgdorf/Niederösch, Carla Schildknecht, Alex und Jan Fuhrer. Gesang/Gitarre/Bass. (jgr)

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