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Abgänge in der Oberstadt

In den letzten Monaten haben mehrere ­Geschäfte in der Burgdorfer Altstadt ihre ­Türen für immer geschlossen. Die vormaligen Besitzer ­klagen über fehlende Kundschaft. Trotzdem wagen nun Neue ihr Glück.

An der Schmiedengasse stehen drei Läden leer.
An der Schmiedengasse stehen drei Läden leer.

«Nachmieter gesucht» – Zettel mit dieser Aufschrift hängen derzeit gleich an den Scheiben mehrerer Lokale in der Burgdorfer Oberstadt. Wenn man durch die Schmiedengasse geht, stechen drei leere Schaufenster ins Auge: Ende November schloss der Kinderladen Bimbi Sportswear, Ende Februar gingen bei Martina Coiffure die Lichter aus, und Ende März machte der Secondhandshop Chiceria zu. An der Rütschelengasse klafft dort ein Leerraum, wo einst die Fürabebar war. Und die Geschäftsführer der beiden Restaurants Taverna Aphrodite sowie Da Gino wollen ihren Betrieb dereinst übergeben. Was ist los in der Oberstadt?

Nicht viel, sagen zumindest jene, die ihr Geschäft geschlossen haben. So etwa Stefania Sulei­mani. Ihr Kinderkleidergeschäft Bimbi Sportswear betrieb sie nur während zweier Monate, von September bis November 2017. «Ich hatte kaum Laufkundschaft», sagt sie. Wenn man bereits Stammkunden habe, könne es vielleicht funktionieren. Sie habe ihren Laden jedoch frisch eröffnet und schnell merken müssen, dass es nicht laufe. Länger betrieb Martina Glauser ihr Coiffeurgeschäft an der Schmiedengasse.

Seit 2010 schnitt sie in der Oberstadt Haare. «Anfangs lief es gut, aber in den letzten zwei, drei Jahren hatte ich immer weniger Kunden», sagt sie. Ebenso warf der Secondhandladen Chiceria anscheinend nicht genug ab. «Unser Lädeli war unser Hobby. Leider ist es uns aber nicht gelungen, die Chiceria selbsttragend zu führen, was von Anfang an unser Ziel war», informieren die ehemaligen Betreiber ihre Kunden auf dem Netz.

Tattoos statt Kinderkleidern

Ein Nachfolger konnte bereits für das ehemalige Lokal des Kinderkleiderladens gefunden werden. «Ein Tätowierer wird dort sein Studio eröffnen», sagt Fabienne Sollberger des Architekturbüros Liechti + Sollberger, welches die Liegenschaft verwaltet. Auch bei der Fürabebar gebe es bereits einen Interessenten, so der vormalige Geschäftsführer. «Es wird wieder eine Bar eröffnet», hält er fest. Weshalb er seine Bar geschlossen hat und wann die neue eröffnen wird, dazu will er allerdings keine Auskunft geben.

Die Leerstände wieder mit florierenden Läden, Kaffees oder Restaurants zu füllen, ist das Ziel der Ladenvereinigung Pro Burgdorf. Deren neue Geschäftsführerin Rahel Peña sagt: «Gemeinsam mit der Stadt setzen wir uns dafür ein, dass möglichst schnell wieder Geschäfte reinkommen.» So verhandle Pro Burgdorf mit den Liegenschaftsbesitzern und den Interessenten bezüglich der Mietpreise. Würden nicht sogleich neue Mieter gefunden, könnten die Flächen für sogenannte Pop-up-Stores vorübergehend genutzt werden oder zumindest die Schaufenster bespielt werden. «Das eigentliche Ziel ist aber schon, Geschäfte zu gewinnen, die länger dortbleiben wollen», so Rahel Peña.

Zur Belebung der Oberstadt setze Pro Burgdorf weiterhin auf die Nacht- und Wochenmärkte sowie weitere Events. «Zudem möchten wir bei den Öffnungszeiten mit den Geschäften auf einen gemeinsamen Nenner kommen», hält Peña fest. Es gelte aber auch die individuellen Bedürfnisse der Ladenbetreiber zu beachten. «Einheitliche Öffnungszeiten vorschreiben können wir nicht.» Doch gelte es die Zeiten insbesondere online gut zu kommunizieren, sowohl auf den Websites der Geschäfte wie auf jener von Pro Burgdorf – diese wird Ende Sommer lanciert. «Mit unserem neuen Internetauftritt machen wir die Mitglieder sichtbarer.»

Die Stammkunden zählen

Lange bevor Internetauftritte eine solche Bedeutung hatten, eröffnete Elisabeth Schüpbach ihr Restaurant an der Rütschelengasse. Nämlich vor dreiundzwanzig Jahren. Sie führt das Da Gino und das zugehörige Chinarestaurant Chin-Chin. Aber per Ende August ist Schluss. «Wir übergeben altershalber, ich bin jetzt pensioniert», sagt Schüpbach. Im Oktober werde dann der Liegenschaftsbesitzer Daniel Ruprecht ein Restaurant mit italienischer Karte eröffnen.

In den letzten Jahren sei es schwieriger geworden, sagt Schüpbach. «Wir haben eine gesunde Stammkundschaft, aber das reicht nicht.» Wenn es keine Bank, keine Post und kaum noch Läden gebe, würden die Leute nicht mehr in die Oberstadt kommen. Ebenfalls von der Stammkundschaft lebt die Taverna Aphrodite. «Wir haben fast nur Gäste, die gezielt zu uns kommen», sagt Wirtin Eleni Vareli. Seit sie weg vom Kronenplatz ins Lokal in der Hofstatt ­gezügelt seien, seien sie weniger sichtbar.

Dafür hätten sie mehr Platz. Ewig wollen Eleni Vareli und ihr Mann das Lokal nicht mehr ­betreiben. Das habe berufliche Gründe, so Vareli. Sie wolle wieder als Pflegefachfrau arbeiten. Doch erst gilt es die Übergabe zu regeln: «Wir suchen einen Nachfolger, der weiterhin ein griechisches Restaurant betreibt.» Solange dieser nicht gefunden sei, würden sie bleiben.

Das Tigris, das vor allem auf Take-away und Lieferservice setzt, kann sich hingegen nicht über mangelnde Kundschaft beklagen. «Es läuft sehr gut», sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Ursula Oral-Kühni. Deshalb hofft sie, dass sie an der Schmiedengasse weiterhin Pizzas und Kebabs verkaufen kann. Das Lokal sowie die drei darüberliegenden Wohnungen sollen verkauft werden.

«Am laufenden Vertrag ändert sich nichts», sagt Francesco Rappa der zuständigen Immobiliendienstleisterin Lubana AG. Es sei keine Kündigung ausgesprochen worden. Zudem würde es auch im Falle einer Kündigung zwei, drei Jahre dauern, bis die Mieter rausmüssten, so Rappa.

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