Auf den Spuren des Vaters

Ersigen

In der Pflugfabrik sind etwa siebzig Eisenwerke von Heiko Schütz zu sehen. In jenen Räumen, in denen sein Vater Hans lange Jahre als Konstrukteur arbeitete.

<b>Heiko Schütz</b> verbrachte schon als Kind viel Zeit in diesen Räumen, jetzt kann er hier ausstellen.

Heiko Schütz verbrachte schon als Kind viel Zeit in diesen Räumen, jetzt kann er hier ausstellen.

(Bild: Thomas Peter)

Nicht wenige Eisenplastiken des Niederönzers Heiko Schütz stehen im öffentlichen Raum. Bis zum 10. März sind kleinere und grössere Werke im Aussen- und im Innenbereich der Pflugfabrik in Ersigen zu sehen. Schütz stellt zum ersten Mal in jenen Fabrikräumen aus, in welchen sein Vater Hans viele Jahre lang als Konstrukteur arbeitete.

Während der Pflugfabrik-Gastgeber Franz Fankhauser immer wieder zum lodernden Feuer in der alten Schmitte schaute und die zahlreichen Vernissagegäste begrüsste, stand Schütz beobachtend etwas abseits.

Im Mittelpunkt zu stehen, ist seine Sache nicht, auch wenn der 64-Jährige das Gespräch durchaus schätzt. Viel wichtiger sind dem leidenschaftlichen Handwerker die Geschichten und deren Aussagen hinter seinen eisernen Exponaten.

Zum Beispiel: «Wer war der Schlosser, der das kunstvoll gebauchte Balkongeländer geschmiedet hat?» Die Vielfältigkeit seiner ausgestellten Werke, gefertigt mit eisernen Versatzstücken von nicht mehr Gebrauchtem, fasziniert.

Buchstaben und Schlaufen

Angefangen bei den kleineren Objekten wie den Kerzenständern über die weitherum bekannten riesigen Schlaufen und Knoten über die scharnierbewehrten eisernen Buchstaben-Kopf- und Fächerbücher bis hin zu den Buchstabensäulen – die Werke berühren unmittelbar.

Nicht zuletzt wohl, weil die schwergewichtigen Eisenskulpturen mit den unterschiedlichen Oberflächenstrukturen gleichermassen den alten, geschichtsträchtigen Fabrikräumen entsprungen zu sein scheinen. 

Leidenschaft für die Sprache

Heiko Schütz’ Leidenschaft für die Sprache, die Buchstaben, ist bis heute ungebrochen, wie er sagt. Schwierig dabei sei, wie etwa bei den Buchstabentürmen, dass beim Verschweissen der Lettern keine Wörter oder Abkürzungen entstünden. Die Eisenbücher beschäftigen den Künstler seit den Achtzigerjahren.

«Die Sprache ist die grösste Errungenschaft in der Evolution», sagt Schütz. Leider werde heute mit dieser zu wenig sorgsam umgegangen. «Seit bald vier Jahren beschäftige ich mich fast nur noch mit Buchstaben.» Aktuell arbeitet der Oberaargauer Eisenplastiker an einem sechs Meter hohen Buchstabenturm.

In diesen Räumen habe alles angefangen, erzählte Schütz an der Vernissage, während sich die Besucher mit Chili con Carne im alten Schmitteraum niederliessen. Im Alter von fünf Jahren habe ihn sein Vater, der hier als Konstrukteur gearbeitet habe und vor sechs Jahren verstorben sei, immer wieder zur Arbeit in die Althaus-Schmitte mitgenommen. «Zur Entlastung meiner Mutter», ergänzte er schmunzelnd.

Bis zur Pensionierung habe sein Vater, der ihn geprägt habe, hier gearbeitet. 37 Jahre lang. «Hans war mein Chef», ergänzt Gastgeber Franz Fankhauser, dessen Vater Ferdinand das Leben des Eisenplastikers ebenfalls prägte.

Jahre später kam Franz Fankhauser durch Zufall mit Heiko Schütz in Kontakt, was die aktuelle Ausstellung in der Pflugfabrik zur Folge hatte. «Es wird sicher nicht die letzte sein», ist Fankhauser überzeugt.

Ausstellung bis 10. März, Öffnungszeiten und Informationen zum Rahmenprogramm unter www.pflugfabrik.ch

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