Aus dem Verkauf wird noch nichts

Burgdorf

Die Liegenschaft Alter Markt 3/5 bleibt im Besitz der Stadt. Das Parlament will zuerst die Immobilienstrategie abwarten und dann entscheiden, was mit dem Haus geschehen soll.

Seit 2005 gehört dieses Haus unterhalb des Schlosses der Stadt. Der Gemeinderat wollte es nun im Baurecht verkaufen. Foto: Nicole Philipp

Seit 2005 gehört dieses Haus unterhalb des Schlosses der Stadt. Der Gemeinderat wollte es nun im Baurecht verkaufen. Foto: Nicole Philipp

Immobiliengeschäfte hatten am Montagabend im Stadtrat einen schweren Stand. Die SP-Fraktion, die den Gemeinderat damit beauftragen wollte, dem Parlament eine Vorlage zu unterbreiten, in der geregelt wird, dass bebaute oder unbebaute Liegenschaften des Finanzvermögens künftig nur noch im Baurecht abgegeben werden dürfen, erlitt Schiffbruch.

Und dies, obwohl die SP ihr Begehren noch dahingehend abgeändert hatte, dass der Auftrag «im Rahmen der Immobilienstrategie» umzusetzen sei. Noch schlechter erging es dem Gemeinderat. Sein Antrag, die städtische Liegenschaft Alter Markt 3/5 im Baurecht zu verkaufen, wurde vom Parlament mit 38 Nein zu 0 Ja regelrecht abgeschmettert.

Beatrice Kuster Müller, die Finanz- und Immobilienchefin im Gemeinderat, hatte die Niederlage wohl geahnt. Bei der Präsentation des Antrags meinte sie, die Vorlage habe beim einen oder anderen Ratsmitglied sicher zu einem Augenreiben geführt. Zudem sagte die Gemeinderätin: «Man kann mit Fug und Recht dafür oder dagegen sein.»

Die Meinungen bei den Fraktionen waren längst gemacht. Niemand wollte einsehen, warum die Exekutive das 1897 erbaute Haus gerade jetzt verkaufen will. Selbst Kuster Müllers Bemerkung, der Gemeinderat wolle sich auch darum von der Liegenschaft trennen, weil der Sanierungsbedarf sich auf etwa 1,5 Millionen Franken belaufen würde, konnte den Rat nicht umstimmen.

«Ein Verlustgeschäft»

Yves Aeschbacher (SP) stellte die Frage, die alle Fraktionssprecher formulierten: Warum muss das Haus veräussert werden, bevor die Immobilienstrategie der Stadt Burgdorf vorliegt? Ein Verkauf komme nicht nur zu früh, stellte SVP-Fraktionschef Daniel Beck fest, «er wäre zum jetzigen Zeitpunkt auch ein Verlustgeschäft». Tatsächlich hatte der Gemeinderat errechnet, dass basierend auf dem aktuellen Buchwert, der Verkehrswertschatzung und dem Baurechtszinsschema der Burgergemeinde für die Stadt ein Verlust von 135000 Franken resultieren würde.

Die Liegenschaft Alter Markt 3/5 war im Jahr 2005 von der Stadt erworben worden, um sie mittel- bis langfristig abzubrechen. Der Grund für den Kauf war die vom Stadtrat im gleichen Jahr genehmigte baurechtliche Grundordnung. Gemäss dieser war das Objekt nicht zonenkonform. Es steht frei am Fuss des Schlosses und beeinträchtigte nach damaliger Auffassung «die räumliche Wirkung von Schloss und Altem Markt erheblich».

Mittlerweile haben sich nicht nur die Meinungen im Gemeinderat geändert, sondern auch das Baurecht. Statt in der Grünzone steht das Haus jetzt in der Ensembleschutzzone. Diese dient zwar der Freihaltung wichtiger Ortsansichten sowie der Umgebung schützens- und erhaltenswerter Bauten. Bestehende Objekte müssen nicht von der Bildfläche verschwinden, vielmehr können sie erneuert und im Umfang von 10 Prozent des Gebäudevolumens erweitert werden. Dieses Faktum erlaubte es dem Gemeinderat, die Veräusserung der gut 120-jährigen Liegenschaft im Baurecht ins Auge zu fassen.

Grundstück parzellieren?

Denkbar ist auch, das 1359 Quadratmeter grosse Grundstück zu parzellieren. Nicht zuletzt darum, weil die Stiftung Schloss Burgdorf den aktuell am Kronenplatz vorgesehenen Logistikplatz zum Alten Markt verlegen möchte. SP-Sprecher Yves Aeschbacher gab zu bedenken, der Verkauf der Liegenschaft berge die «potenzielle Unsicherheit», dass ein neuer Besitzer Einspruch gegen eine Neuerung am Schloss machen könnte. Und Esther Liechti (EVP) meinte, man solle mit dem Hausverkauf so lange zuwarten, bis das Schloss eröffnet sei.

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