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Aus die Maus für Schwanzgeldjäger

Die Fusion mit Ersigen hat für Hans Glauser aus Niederösch Konsequenzen: Er verliert sein Amt als einer der letzten Mäuseschwanzzähler des Kantons.

Mäusejäger Hans Glauser zeigt einen Ring mit Mausefallen.
Mäusejäger Hans Glauser zeigt einen Ring mit Mausefallen.
Thomas Peter

Eigentlich sind Mäuse ja ganz niedliche Tierchen. Und dass so mancher ihnen nach dem Leben trachtet, tut einem fast ein wenig leid. Dem stimmt auch der pensionierte Landwirt Hans Glauser zu. Doch weil die Natur diese Tiere mit aussergewöhnlich zahlreichem Nachwuchs ausstattet – es können pro Tier Tausende sein – und den Mäusen je länger, desto mehr die natürlichen Feinde fehlen, muss der Mensch eingreifen. Der Schaden wäre sonst enorm. Die Feldmäuse als Vegetarier vertilgen Getreide, Mais, Kartoffeln, Obst und Rüben, nagen Pflanzen und Bäumen die Wurzeln ab und verwüsten Wiesen mit ihren Erdhügeln.

Das zerquetschte Opfer

Also zieht der Mäusejäger mit einem Dutzend rostiger Fallen im Korb, einem Bündel Stecken zum Markieren und genügend Signalband ins Feld. Bei frischen Mäusehügeln gräbt er den darunter liegenden Gang frei und steckt die Falle, die bei der geringsten Berührung zuschnappt, hinein.

Dann deckt er die Grube zu, und markiert den Tatort, wo er am nächsten Tag das zerquetschte Opfer, die Wühlmaus, auffinden wird. «Manchmal leben sie noch, das tut mir jeweils leid», sagt Glauser, der sie dann rasch tötet. Immerhin sei diese Fangmethode humaner, als sie zu vergiften. Und auf diese Weise würden die natürlichen Fressfeinde wie Katzen, Füchse, Marder, Wiesel, Reiher, Uhus und Greifvögel nicht auch noch qualvoll ums Leben gebracht, sagt er.

Prämie pro Mäuseschwanz

Um also der Mäuseplage Herr zu werden, vergüteten früher viele Gemeinden eine Fangprämie für menschliche Mäusejäger, so auch Niederösch. Die Prämie betrug 1986, als Hans Glauser dort das Amt des Mäuseschwanzzählers übertragen wurde, 50 Rappen pro Stück. Später wurde der Betrag bis auf 80 Rappen erhöht. «Der Beschluss, mir das Amt anzuhängen, wurde ohne meine Zustimmung an der Gemeindeversammlung gefasst. Ich hatte mich nicht dafür, Nein zu sagen», erklärt Glauser. Immerhin wurde er mit 50 Franken pro Jahr entschädigt.

Als Beweismittel für die gejagten Mäuse diente der abgeschnittene Schwanz. Das machte Sinn, weil so die erlegte Maus zu Hause den Katzen serviert werden konnte. Natürlich kamen die Bauern nicht wegen jedes Schwanzes angelaufen, sondern sammelten die Trophäen einige Wochen. Nein, die Kinder wurden nicht damit geschickt, die Schwanzgeldjäger bemühten sich jeweils persönlich herbei, meist nach dem Melken oder zur Znünizeit. Während Glauser sich – wohl mit angehaltenem Atem – ans Zählen machte, wehrten die Überbringer sich kaum gegen eine Tasse Kaffee. Die Anzahl Schwänze wurde säuberlich in ein Heft eingetragen, die Beweismittel landeten auf dem Mist­haufen.

Er lässt das Mausen nicht

Manche Fänger, so steht es im Heft zu lesen, überbrachten Glauser 200 Schwänze pro Jahr. So musste die Gemeinde am Jahresende doch insgesamt einige Hunderter herausrücken. Diese Ausgabe fiel nun an der ersten Gemeindeversammlung der fusionierten Gemeinde Ersigen in Ungnade. Hans Glauser wurde – wiederum in Abwesenheit – nach 30 Jahren seines Amtes enthoben. Das Mausen lässt er deshalb aber noch lange nicht bleiben, auch wenn er vier Katzen besitzt.

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