Aus Frust kein Dach

Lyssach

Die Idee einer Überdachung des Langzeitparkings an der Shoppingmeile Lyssach ist schon wieder gestorben. Eine Einsprache ärgerte den Bauherrn dermassen, dass er das Gesuch zurückzog.

Baustelle Pendlerparking: Ende Jahr sollen die Parkplätze fertig sein.

Baustelle Pendlerparking: Ende Jahr sollen die Parkplätze fertig sein.

(Bild: fu)

Nadja Noldin

Herbert Schüpbach, Inhaber der Tankstellenkette Gustoil, ist frustriert. So frustriert, dass er auf das Dach über dem im Bau ­befindlichen Park and Ride an der Shoppingmeile Lyssach verzichtet. Der Oberaargauer Unternehmer will auf dem freien Areal zwischen Conforama und Diga-Möbel rund 120 Langzeitparkplätze bauen. 24 Stunden parkieren kostet fünf Franken. Autopendler sollen sich künftig am Autobahnanschluss Kirchberg treffen und gemeinsam weiterfahren. Die Bewilligung hat er von der Gemeinde Lyssach schon seit 2013.

Schüpbach hatte aber keine Eile: Erst kürzlich sind die Baumaschinen wieder aufgefahren, und es geht vorwärts. Ziel ist, Ende Jahr zu eröffnen. Allerdings ohne Überdachung, wofür Schüpbach nachträglich ein Gesuch eingereicht hatte. Er wollte die Attraktivität steigern und die parkierten Autos vor Schnee oder Hitze schützen.

Doch gegen das diese Woche abgelaufene Baugesuch gingen zwei Einsprachen ein, woraufhin Schüpbach es zurückzog. Hauptgründe der Einsprachen sind laut Lyssachs Gemeindeschreiber Stefan Flückiger die Grenzabstände des Daches und die Nähe des geplanten Servicehäuschens zur Strasse, die zur Tankstelle führt.

«Es hat keinen Sinn»

Eine Einsprache stammt laut Herbert Schüpbach von den benachbarten Geschäften Conforama und Pfister. Es handle sich um «eine sachliche Argumentation. Damit hatte ich kein Problem, und wir hätten das sicher klären können», sagt der Unternehmer. Zum Rückzug hat ihn vielmehr die mehrseitige Einsprache der Nachbargemeinde Rüdtligen-Alchenflüh bewogen. Ihre Einwände seien «lächerlich».

Unter anderem spräche die Gemeinde davon, dass die Überdachung eine «Verstärkung der Rechtswidrigkeit» darstelle. Sie habe bereits beim Baugesuch für das Park and Ride Einsprache erhoben und den Nachweis einer gewerblichen Nutzung verlangt, so Schüpbach. Er geht von Missgunst vonseiten der Alchenflüher Behörden aus. «Es hat keinen Sinn. Ich wollte mich nicht auf einen Streit einlassen, der sich über Jahre hingezogen und viel Geld gekostet hätte und am Ende noch vor Verwaltungsgericht gelandet wäre. Nur wegen einer Überdachung.»

In Rüdtligen-Alchenflüh sieht man dies freilich anders. «Wir haben nichts gegen die Idee eines Park and Ride», betont Gemeinderatspräsident Kurt Schütz. Im Gegenteil, die Gemeinde sei sogar froh, wenn die Parkplätze endlich fertig würden. Doch der Bauherr müsse sich an die kantonalen und baurechtlichen Vorgaben halten, so Schütz.

Das sei nicht der Fall gewesen: So hätten Grenzabstände nicht gestimmt, die Profile hätten während der Auflagefrist teilweise gefehlt, das Häuschen sei zu nah an der Strasse gewesen und im neuen Baugesuch sei nicht mehr von einer Höhenbeschränkung die Rede gewesen. Auf diese hatte man sich 2013 geeinigt, damit nicht Last- und Wohnwagen auf das Parking fahren. «Aber wir hätten eine Lösung gefunden», meint der Ratspräsident.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt