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Ausschaffung? Türke flehte vor Gericht um letzte Chance

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau verurteilt einen Türken wegen Raubes und anderer Delikte zu 30 Monaten unbedingt. Er darf in der Schweiz bleiben. Die Frage ist, wie lange noch.

Im Januar 2016 lauerte der Beschuldigte mit zwei Kollegen bei der Mergeletreppe in Burgdorf zwei Nachtschwärmern auf.

Der 21-Jährige weiss nach diversen Auftritten vor juristischen Instanzen längst, was Richter gerne hören: Ja, er sei schuldig, sagt er, und was er getan habe, tue ihm leid, und natürlich gehöre er für seine Vergehen bestraft. Dies teilt er Roger Zuber, dem Präsidenten des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau, mit. Von einem Landesverweis möge das in Dreierbesetzung tagende Gremium trotz allem absehen, fügt der Türke fast flehend an. Er benötige «eine letzte Chance», um den Rank in seinem noch jungen Leben zu finden.

Vor Gericht sitzt der Hilfsarbeiter primär wegen Raubes. Bei der Mergeletreppe in Burgdorf stellte er sich eines sehr frühen Januarmorgens letzten Jahres mit zwei Kumpels zwei Spätheimkehrern in den Weg. Um ­seinen finanziellen Forderungen Nachdruck zu verleihen, hielt der Beschuldigte einem der Männer ein Klappmesser an den Bauch. Seine Kollegen streckten den anderen Passanten mit Schlägen nieder. Die Beute belief sich auf 60 Franken und ein Handy.

In Unterseen war der Mann in eine Schlägerei verwickelt. Weiter stahl und verkaufte er in ­Burgdorf motorisierte Zweiräder. Darüber hinaus verpasste er es einmal, seine Aufenthaltsbewilligung zu verlängern. Und er kaufte sich illegalerweise einen Schlagring.

Gesetz trat später in Kraft

Wegen Raubes, einfacher ­Körperverletzung, Raufhandels, mehrfachen Diebstahls, Fahrens ohne Bewilligung, Führen eines Motorfahrzeuges unter Drogeneinfluss sowie Widerhandlungen gegen das Ausländer-, das Waffen-, das Betäubungsmittel- und das Strassenverkehrsgesetz verurteilt ihn das Regionalgericht zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten, einer Busse von 600 Franken und zur Bezahlung der Verfahrenskosten in Höhe von 20'000 Franken. Um einen Landesverweis kommt der Mann herum, weil das Ausschaffungsgesetz erst im Oktober 2016 und damit nach dem Raub in Kraft trat.

«Auf das Gericht machten Sie während des Prozesses einen intelligenten, charmanten und manchmal sogar witzigen Eindruck. Es fällt uns schwer, diesen Mann in Einklang mit jener Person zu bringen, die wir bei der Vorbereitung auf dieses Verfahren beim Aktenstudium kennen gelernt haben», sagte Zuber zum Frischverurteilten.

Eindrückliches Strafregister

Er riet dem Angeklagten dringend, sein Leben so schnell wie möglich in jeder Hinsicht in Ordnung zu bringen. Im August 2018 läuft die Aufenthaltsbewilligung des Mannes ab. Dann entscheidet die Ausländerbehörde, ob sie ihn hier leben lassen will. Bei der Prüfung des Gesuches wird sie einen Blick in sein, wie Zuber es nannte, «eindrückliches» Strafregister werfen. Und abklären, ob er einen festen Job gefunden und den Schuldenberg nennenswert abgebaut habe. «So, wie es heute aussieht, könnte es für Sie sehr, sehr schwierig werden», fasste der Gerichtspräsident die Ausgangslage zusammen. Johannes Hofstetter

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