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Autos ersetzten Menschen

Ein Haus, ein Brunnen und ein Baum verschwanden – Strassen, Fussgängerstreifen und Parkplätze wurden gebaut: Aus dem einstigen Zentrum des Dorfes ist vor allem eines geworden: ein Verkehrsplatz.

Parkplätze braucht das Dorf: Wo früher Männer mit Hut und Regenschirm standen, können heute Autos parkiert werden.
Parkplätze braucht das Dorf: Wo früher Männer mit Hut und Regenschirm standen, können heute Autos parkiert werden.
Thomas Peter
Anno dazumal: Eine Versammlung auf dem Platz zwischen Bären und Kirche.
Anno dazumal: Eine Versammlung auf dem Platz zwischen Bären und Kirche.
Johann Schär/zvg
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Rund hundert Jahre liegen zwischen den zwei Bildern vom Bärenplatz in Langnau. «Das Foto muss nach 1900 entstanden sein, denn die alte Kramlaube ist bereits nicht mehr auf dem Bild», sagt Madeleine Ryser, die Leiterin des Langnauer Museums Chüech­lihus, und fügt an: «Damals war der Bärenplatz das Hauptzentrum des Dorfes, wo regelmässig der grosse Märit stattgefunden hat.»Auch Martin Jäggi, der sich intensiv mit der Geschichte Langnaus auseinandergesetzt hat, nimmt an, dass die Aufnahme um die Jahrhundertwende gemacht wurde, denn «diese Art von Männermode wurde vor dem Ersten Weltkrieg getragen». In einer Zeit also, in der Kutscher ihre Pferdefuhrwerke noch quer über den Langnauer Bärenplatz lenken konnten und Männer in festlichen Sonntagskleidern mitten auf der Strasse verweilten.

Man baute auf und ab

Der motorisierte Verkehr ersetzte nach und nach die traditionellen Pferdekutschen, Hinweisschilder und Strassenlampen folgten auf den steinernen Brunnen und die grosse Linde, die in der Mitte des Bärenplatzes stand.

Ob die Herren mit dem Hut auf dem Kopf und dem Regenschirm in der Hand einen Ausflug machten oder von einer wichtigen Veranstaltung in der Kirche zurückkehrten, weiss wohl nur Johann Schär, der den Moment mit seiner Kamera festhielt. Heute stehen an ihrer Stelle zahlreiche parkierte Autos auf dem geteerten Platz vor der reformierten Kirche. Auch die mächtigen Riegelhäuser des Gasthofs Löwen sind verschwunden.

«Diese Art von Männermode wurde vor dem ­Ersten Weltkrieg getragen.»

Madeleine RyserLeiterin Museum Chüechlihus

Erbaut im 16. Jahrhundert, brannte er in den 1890er- Jahren ab und wurde danach neu aufgebaut. «1960 wurde die Liegenschaft dann dem Detailhandelsunternehmen Migros verkauft, das dort ein Geschäft eröffnete», erzählt Madeleine Ryser. Von diesem ist heute nichts mehr zu sehen: «Das Mi­gros-Gebäude wurde im November 2014 abgerissen, die freie Fläche wird heute für das Parkieren genutzt.»

Die künftige Planung für die Nutzung dieses Grundstücks ist allerdings in vollem Gange, denn bald soll dort ein neues Wohn- und Geschäftshaus stehen. Die Bauherren Werk-Architekten-Genossenschaft und das Lehmann AG Baumanagement rechnen damit, die Öffentlichkeit im Februar über die Bauarbeiten informieren zu können.

Orientalisches im Sängerhaus

Das Sängerhaus trotzte der Zeit und blieb in seiner ursprünglichen Form bestehen. Seinen Namen erhielt es 1845 von der ehemaligen Leinenweberei Sänger. Nachdem diese ihren Tuchladen an der Oberstrasse geschlossen hatte, geschäftete lange Zeit eine Floristin im Emmentaler Altbau, bevor dort dieses Jahr ein orientalischer Spezialitätenladen eröffnet wurde.

Auch heute herrscht auf dem Bärenplatz noch reges Treiben. Grund dafür sind das angrenzende Wohnquartier und das Regionalspital Langnau. Flanieren tut hier allerdings niemand mehr. «Der Bärenplatz hat sich in einen Verkehrsplatz verändert», bedauert Madeleine Ryser, «und so seine Bedeutung als Begegnungsort verloren.»

In loser Folge stellen wir historische Fotografien aus dem Emmental Aufnahmen von heute gegenüber. Die alten Bilder stammen aus dem Fotonachlass von Johann Schär aus Gondiswil. Verwaltet wird dieser durch das Büro für Fotografie­geschichte Bern.

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