Chef einer besonderen Werkstatt

Burgdorf

Arbeitsplätze für Menschen mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung müssen heute mehr als reine Beschäftigung bieten. So auch im SAZ Burgdorf. Dort steht Walter Bauen vor ganz neuen Herausforderungen.

Walter Bauen leitet neu die Werkstatt des SAZ Burgdorf.

Walter Bauen leitet neu die Werkstatt des SAZ Burgdorf.

(Bild: Marcel Bieri)

Die Reishauer Schlüssel sprangen Walter Bauen sogleich ins Auge, als er die Werkstatt an seinem neuen Arbeitsort betrat. Denn mit diesem Klassiker unter den Schraubenschlüsseln hatte er schon vor dreissig Jahren gewerkelt. Damals machte der heute 46-Jährige die Ausbildung zum Lastwagenmechaniker. Dass er dereinst an dem Ort arbeiten würde, wo diese hergestellt werden, konnte er nicht ahnen.

Nebst vielen weiteren Pro­dukten stellt das Schulungs- und Arbeitszentrum für Behinderte Burgdorf (SAZ) nämlich die Reishauer Schlüssel her. Rund viertausend sind es jährlich. Und im SAZ ist Bauen nun seit zwei Wochen neuer Leiter Berufliche Integration und Produktion.

140 Menschen, die an einem geschützten Arbeitsplatz tätig sind, sowie 23 Mitarbeitende, die für deren Unterstützung und An­leitung zuständig sind, hat Bauen unter sich. «Da kommt mir meine langjährige Führungserfahrung zugute», sagt er.

Zuvor war Bauen beim Schweizerischen Nutz­fahrzeugverband Bereichsleiter und bei Bernmobil Leiter Buswartung. Mit Menschen mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung habe er hingegen noch nie zusammengearbeitet, sagt der Oberburger, der dort für die unabhängige Ortspartei im Gemeinderat sitzt.

Finanzieller Druck

Doch so viel anders als die Leitung einer Abteilung in einem herkömmlichen Betrieb sei es hier nicht, meint Thomas Ru­precht, Direktor des SAZ Burgdorf. Wie überall gehe es um einen optimalen Einsatz der Fähigkeiten der Mitarbeitenden. «Und auch wir müssen wirtschaftlich sein», sagt er. Dies gilt je länger, je mehr. Denn der Kanton macht finanziell Druck.

Bereits ab 2020 soll das Berner Modell eingeführt werden: Die Unterstützungsbeiträge der Gesundheits- und Fürsorgedirektion werden nicht mehr direkt zu den Institutionen, sondern in erster Linie zu den Menschen mit einer Behinderung fliessen. So werden die Institutionen nebst kleineren Strukturbeiträgen die Gelder nach Anzahl Personen, die sie aktuell beschäftigen, erhalten.

«Unsere grösste Konkurrenz sind Unternehmen des ersten Arbeitsmarkts.»Thomas Ruprecht

Nicht nur beim Werben um «Klienten», wie das SAZ die Mitarbeitenden an den geschützten Arbeitsplätzen bezeichnet, muss man mit der Konkurrenz mit­halten. Auch die Aufträge für die Werkstätte wollen verdient sein. «Unsere grösste Konkurrenz sind Unternehmen des ersten Ar­beitsmarkts», sagt Ruprecht.

So müssen die Produkte preislich und qualitativ mit den anderen, herkömmlichen Firmen mithalten. Zwar gebe es schon Unternehmungen, die dem SAZ auch aus sozialen Motiven Aufträge gäben. Doch ebenso müsse die Leistung stimmen, so der Direktor.

150 Firmen, vorwiegend aus der Region, werden mit Produkten des SAZ beliefert. Zwei Millionen Franken werden damit jährlich erwirtschaftet, was rund ein Sechstel der gesamten Ein­nahmen des SAZ ausmacht. Mit einigen Unternehmungen geht die Zusammenarbeit auch weiter. So unterstützt das SAZ bei der Schaffung von integrativen Ar­beitsplätzen. Manche sind temporär, manche auf Dauer. «Wenn möglich sollen unsere Leute in den ersten Arbeitsmarkt inte­griert werden», meint Ruprecht.

Neue Strukturen

Gelingt dies, werden die offenen Arbeitsplätze im SAZ in der Regel wieder besetzt. «Die Anzahl Klienten ist in den vergangenen Jahren etwa gleich geblieben», sagt der Direktor. Bei der Organisation der Werkstatt hat sich in der letzten Zeit jedoch einiges verändert. Angefangen bei der Leitung.

«Wenn möglich sollen unsere Leute in den ersten Arbeitsmarkt inte­griert werden.»Thomas Ruprecht

Ende 2015 ging der langjährige Leiter Hans Hänni in Pension. In der Zwischenzeit wurde die Werkstatt restrukturiert, zunächst unter der Leitung von Christian Wullschleger und in den letzten neun Monaten mithilfe eines externen Managers auf Zeit.

Am meisten macht sich die Restrukturierung bei der Aufteilung in zwei Bereiche be­merkbar: einer für Mechanik, Konstruktion und die Schlosserei und einer für Ausrüstung und ­Logistik. «So können wir in Zukunft noch effizienter arbeiten», sagt Ruprecht. Walter Bauens Aufgabe werde es nun sein, die neuen Prozesse zu konsolidieren.

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