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Da haben wir den Fruchtsalat

Total interaktiv und sozial: Seit Februar präsentiert sich das Spital Emmental auf Social Media. Und lockt die Anhänger mit gluschtigen Bildern und lustigen Rätseln.

Dreizehn Jahre nach der Lancierung der sozialen Plattform Facebook hat auch das Spital Emmental diese Möglichkeit der Interaktion in ihr Kommunikationskonzept aufgenommen.
Dreizehn Jahre nach der Lancierung der sozialen Plattform Facebook hat auch das Spital Emmental diese Möglichkeit der Interaktion in ihr Kommunikationskonzept aufgenommen.
Chantal Desbiolles

Ein gebrochenes Bein, die Grippe oder Schlimmeres: Wer an seinen letzten ­Spitalaufenthalt denkt, der wird dieses Erlebnis wohl kaum liken, sharen oder mit einem Smiley versehen. Wie lässt sich also Facebook – das Medium der fluffigen Katzenbabys und gephoto­shopten Selfies – mit schwerverdaulichen Gesundheitsthemen in Einklang bringen?

Mit leichter Kost probiert es das Spital Emmental seit Februar. Nebst Beiträgen zu Beinprothesen teilt das Kommunikationsteam immer wieder Amüsantes aus der Kategorie Diverses und Kulinarik. So wünscht es seinen Abonnenten schon mal ein fruchtiges Wochenende. Und illustriert die frischen Wünsche mit einem beschränkt frischen Bild des Fruchtsalats aus der Spitalkantine. Prompt provoziert der Post die erste Antwort (eine so­genannte Interaktion – in der Regel durchaus erwünscht).

«Sieht nicht gerade appetitlich aus», schreibt ein junger Mann. Um Lebensmittel ins rechte Licht zu rücken, werde oft mit Nagellack oder Rasierschaum nachgeholfen, darauf habe man an dieser Stelle verzichtet, erwidert das Spital. Auch bei Wettbewerben zeigen sich die User recht interaktiv.

Wir wollen auf Facebook in ­erster Linie potenzielle ­Mitarbeiter ansprechen.

Markus HächlerSpital Emmental

Trotz kniffliger Frage sammeln sich die Antworten im Minutentakt. Was sind die häufigsten männlichen und weiblichen Vornamen bei unseren Mitarbeitenden? Schnell findet sich des Rätsels Lösung in den Kommentaren: Sandra und Thomas. Ob die Gewinnerin wohl Insiderwissen hatte? Der Preis (ein Mittagessen in der Spitalkantine) ist jedenfalls vergeben.

Nicht allein ist das Spital Emmental mit seinen Aktivitäten auf den sozialen Netzwerken. 58,8 Prozent aller Gesundheitsinstitutionen in der Schweiz sind auf Facebook, Twitter und Co. vertreten, wie eine Studie der Zürcher Kommunikationsagentur Weidmannpartner zeigt.

Im Vergleich zu anderen Branchen schneiden die Spitäler aber ziemlich unterdurchschnittlich ab. Insgesamt präsentieren sich nämlich 89 Prozent aller Schweizer Organisationen auf den sozialen Medien. Zur inaktiven Sorte zählt das Spital Region Oberaargau. Dort will man die Entwicklung dieser neuen Medien (Facebook gibt es seit dreizehn Jahren) erst mal noch etwas beobachten.

Mutiger zeigt sich das Spital Emmental. Ein halbes Jahr im Amt, und schon lancierte dessen neuer Kommunikationsverantwortlicher Markus Hächler den Auftritt. «Wir wollen damit in erster Linie potenzielle Mitarbeiter ansprechen», sagt er.

So werden die süssen Seiten des Berufs hervorgehoben: Mit «Jobs für Schleckermäuler» (inklusive Bild des aktuellen Desserts – diesmal aber aus vorteilhafterer Perspektive oder etwa gar mit Nagellack überzogen?) will das Spital Ärzte und Pflegefachpersonen anwerben. Oder es zeigt den (wohl eher seltenen) stressfreien Arbeits­alltag. Und fragt, was denn die Rettungssanitäter machen, wenn sie nichts zu tun haben. So viel sei verraten – auch sie mögen es fruchtig.

Personal anwerben mit Facebook? Das empfiehlt auch die vorher genannte Zürcher Kommunikationsagentur. Doch ganz so einfach scheint dies nicht. Man müsse erst die Community managen, den Content planen und zu jeder Krise die passende Massnahme finden.

Total geplant, liniengetreu und mit ganz viel Konzept kommt dann auch der Auftritt des Berner Inselspitals daher. Makellose Agenturbilder von perfekt abgelichtetem Pflegepersonal, Operationssäle der Zukunft oder referierende Mediziner hinter dem Rednerpult.

Nur kommt bei so viel glattgeschliffener Kommunikation schon bald Langeweile auf. Da klickt man sich doch schnell zurück zur Seite des Spitals Emmental. Dort kann übrigens bereits jetzt auf der Sonnenterrasse gespeist werden – schon gewusst?

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