Zum Hauptinhalt springen

Das unbeschriebene Blatt

Der BDP-Gemeinderat Thomas Gerber ist in seiner ersten Legislatur gegen aussen kaum in Erscheinung getreten. Jetzt will er Gemeindepräsident von Langnau werden. Aus der fehlenden Bekanntheit macht er eine Tugend.

«Viele wissen nicht, wer ich bin und was ich kann», sagt Thomas Gerber. Zu seinen Stärken gehöre das Zuhören und Vermitteln, verrät er.
«Viele wissen nicht, wer ich bin und was ich kann», sagt Thomas Gerber. Zu seinen Stärken gehöre das Zuhören und Vermitteln, verrät er.
Marcel Bieri

Seine Kandidatur gehört gewiss nicht zu den Entwicklungen, die in Langnau jedermann hat kommen sehen. Thomas Gerber machte bislang nicht den Eindruck, von höheren politischen Ambitionen getrieben zu werden. Schon während seiner Zeit im Grossen Gemeinderat gehörte er nicht zu jenen, die jede Gelegenheit nutzen, um mit mehr oder weniger bedeutungsvollen Voten auf sich aufmerksam zu machen.

Einmal regte der Lehrer an, in Langnau die Einführung von Schulsozialarbeit zu prüfen. Im August 2011 wurde das Ansinnen als Postulat überwiesen, dieses Jahr wurden die Abklärungen an die Hand genommen. «Das ist das einzige politische Projekt, das ich aktiv auf die Beine gestellt habe, sonst ist nichts allein auf meinem Mist gewachsen», sagt er. Bei weiteren Vorstössen der BDP, etwa beim Postulat zur Grüngutabfuhr und bei der gemeindeübergreifenden Motion Industrie- und Gewerbeland, habe er bei Entstehung und Formulierung aktiv mitgearbeitet.

Ein stilles Ressort

Seit bald vier Jahren arbeitet Thomas Gerber nun als Vertreter der BDP im Gemeinderat mit. Und weiterhin blieb es recht still um den 60-Jährigen. Dies mit mangelndem Arbeitseifer in Verbindung bringen zu wollen, wäre unfair. Es liegt vielmehr an seinem Departement, das aktuell keine Themen beschäftigt, die in der Öffentlichkeit breit diskutiert werden.

Gerber ist für Standortmarketing, Kultur und Tourismus verantwortlich. Er könnte jetzt aufzählen, was er und seine Leute – gerade auch im Zusammenhang mit den Jubiläumsfeierlichkeiten zu 550 Jahre Marktrecht, dem Buch über die Langnauer Keramik und dem Kulturpreis – alles leisten. Doch darauf verzichtet Gerber. Er begnügt sich mit dem Hinweis: «Ich führe halt ein stilles Ressort und schliesse keine Schulhäuser und baue keine Strassen.»

Wenn Thomas Gerber jetzt Gemeindepräsident von Langnau werden will, ist es nicht der plötzliche Drang, einmal doch noch selber im Rampenlicht stehen zu wollen, der ihn motiviert. Im Gegenteil: Lange habe er mit dem BDP-Vorstand gehofft, die Mitteparteien würden eine Person finden, die sie gemeinsam portieren könnten. Als Anfang Jahr plötzlich bekannt wurde, dass die EVP mit Christoph Utiger antritt, war das nicht der Kandidat, den die BDP unterstützen kann. Also habe sie sich entschieden, ebenfalls allein anzutreten.

Thomas Gerber hätte dem bisherigen GGR-Mitglied Peter Lehmann, der nun ebenfalls für den Gemeinderat kandidiert, den Vortritt gelassen. Doch dieser habe aus beruflichen Gründen abgesagt. Nach Gesprächen mit seiner Frau, der in Signau tätigen Lehrerin Veronika Gerber, und seiner Arbeitgeberin sagte Thomas Gerber zu. Er ist seit zehn Jahren in Teilzeit als Schulleiter von Rüderswil angestellt. Bislang unterrichtete er daneben noch, auf das neue Schuljahr hin hat er keine Lektionen mehr übernommen. Zeit für die Übernahme des Gemeindepräsidiums hätte er also.

Er will vermitteln

Doch Thomas Gerber weiss, dass er nicht einer ist, den im Dorf jeder kennt. «Viele wissen nicht, wer ich bin und was ich kann. Ich bin ein unbeschriebenes Blatt», habe sich aber bei vielen Tätigkeiten in Beruf, Militär und Vereinsarbeit «einen nicht zu unterschätzenden Erfahrungsschatz» erworben.

Ein ehemaliger Weggefährte beschreibt den Kandidaten als «angenehme Person, mit der man gut zusammenarbeiten kann und die sehr offen informiert». Gerber arbeite zwar lösungsorientiert, lasse aber ein umstrittenes Thema lieber noch eine Runde länger diskutieren, als dass er seinen eigenen Weg gegen Widerstände durchsetzen würde. «Ich bin das Gegenteil eines Heerführers wie Donald Trumps, der unerschütterlich von seiner Meinung überzeugt ist», sagt der Kandidat von sich selber. Seine Stärken sei das Zuhören und Vermitteln. Seine Meinung bilde er sich meistens erst im Verlaufe eines Prozesses.

Lieber «süferli»

«Ich lasse mich keinem ideologischen politischen Spektrum zuordnen, denke jedoch klar bürgerlich», sagt er und fügt leicht ironisch hinzu: «Ich habe kein Profil.» Er sagt das in Anspielung auf den Vorwurf, den man der BDP landläufig macht. «Für das Amt eines Gemeindepräsidenten, der mit allen Schichten auskommen muss, braucht es das aber auch gar nicht», ist er überzeugt. Er sei nicht einer, der mit wehender Fahne vorauslaufe.

Auch grosse Wahlversprechen mag Thomas Gerber keine abgeben. Er geht das Amt lieber «süferli» an und setzt auf das Verantwortungsbewusstsein und das Wissen der einzelnen Ressortverantwortlichen. «Ich will begleiten, damit es nicht entgleitet», definiert Thomas Gerber seine Rolle als vielleicht künftiger Gemeindepräsident. Einer seiner Leitsätze lautet: «Entscheiden heisst verbinden.» In Langnau will er das Erreichte «erhalten und pflegen» und gleichzeitig offen bleiben für Neues. «Ich bin Fan von neuen Ideen und Initiativen, aber alles muss auf einem soliden Fundament stehen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch