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Den Anfang machte ein Mauersegler

1993 gründete Martin Leuenberger den Natur- und Vogelschutzverein Wasen. Weit über 1000 Nistkästen betreut er heute. Mit seinem Engagement ist Leuenberger weit herumgekommen.

Martin Leuenberger hatte in der Schule einen Fensterplatz. Zum Glück, kann man heute sagen. Ohne ihn würden weit über tausend Vogelpaare nicht in der Region um Wasen nisten, sondern anderswo. Denn ohne Martin Leuenberger gäbe es den Natur- und Vogelschutzverein Wasen (NV Wasen) nicht. Er hat ihn 1993 ins Leben gerufen und war 25 Jahre lang dessen Präsident.

Anfang Januar wird das Vereinsjubiläum mit einer grossen Ausstellung gefeiert (siehe Kasten). Zu den Gästen gehört auch Bundesrat Ueli Maurer. Wie der NV Wasen zu dieser Ehre kommt, hat viel mit Martin Leuenberger und seinem unermüdlichen Engagement für die Vögel, weit über die Gemeindegrenzen hinaus, zu tun.

Weit über 1000 Nistkästen

Doch der Reihe nach: Als Martin Leuenberger als Achtklässler im Klassenzimmer sass und aus dem Fenster schaute, sah er einen Mauersegler um das Gebäude der heutigen Mopac kreisen. In der Pause rannte er ein Stockwerk runter zu seinem Freund Stefan Finger. Er wusste, für Finger war die Schule an diesem Tag um elf Uhr aus. «Geh rüber und installiere sofort einen Nistkasten», hat er seinem Freund befohlen. Gesagt, getan. Am Nachmittag nistete sich das Mauerseglerpaar im vierten Stock der damaligen Tabakfabrik ein. «Das war der Anfang», sagt Leuenberger.

Heute sind aus diesem Nistkasten weit über tausend geworden, und das nur auf Sumiswalder Gemeindegebiet. Wie Leuenberger erklärt, sind es bei der Mopac etwa 80 Nistkästen, bei der Kirche ebenso viele. Entlang der Bäche auf einer Strecke von 40 Kilometern sind es total 160 Brutkästen. Es gibt unzählige Kunstnester unter Dachfirsten auf Höfen und Häusern für Schwalben und noch mehr Nistkästen in Schulhäusern und anderen öffentlichen Ge­bäuden.

Der Verein zählt heute rund 30 Aktiv- und über 200 Passivmitglieder, sprich Gönner. Das Budget beträgt rund 20 000 Franken. Die Gründung war eigentlich nur eine logische Folge von Martin Leuenbergers früher Leidenschaft für die Natur, für Tiere, ja für «die wunderbare Welt der ­Vögel», wie er sagt.

Leuenberger ist gelernter Gärtner und heute auch Friedhofsgärtner in Wasen. Wie schon sein Grossvater, der ihn, wie er sagt, für die Natur sensibilisiert hatte, anno dazumal. Er habe schon als kleiner Junge mitge­holfen, etwa den Hänfling in der Gemeinde zu erhalten, indem er Nistkästen zimmerte und aufstellte. Als Neuntklässler waren ihm die Vögel bereits zum Hobby und zur Herzensangelegenheit geworden. Unermüdlich zimmerte er mit seinem Freund Nistkasten um Nistkasten. Pflanzte die richtigen Sträucher als Lebensraum und Nahrungsquelle für die Vögel und schaute so dafür, dass deren Vielfalt im Dorf nicht nur konstant blieb, sondern sogar zunahm.

Vom Konfirmationsgeld kaufte er sich eine erste Fotokamera und war bald ein gefragter Mann. Er hielt Vorträge inklusive Diashows und wurde nach und nach die Ansprechperson für das Thema Vögel weit über die Gemeinde hinaus. Und einmal, 1992, sass eben auch der Präsident des Berner Vogelschutzes im Publikum und legte ihm nahe, einen Verein zu gründen. Leuenberger druckte Flyer und verteilte sie im Dorf. Vier Monate später war der NV Wasen Tatsache. Mit bereits 20 Aktiven und rund 100 Passivmitgliedern.

Anfragen aus aller Welt

In all der Zeit hat sich der NV Wasen und allen voran Martin Leuenberger zu einer Instanz entwickelt. So hat der Verein inzwischen etwa auch eine Webcam im Sumiswalder Kirchturm eingerichtet, wo jedes Jahr eine grosse Alpenseglerkolonie brütet. Per E-Mail bekommt Leuenberger Anfragen aus der ganzen Welt. Zehn Mails pro Tag sind das und auch Anrufe. «Manchmal muss ich mir Hilfe für Übersetzungen holen», sagt Leuenberger. «Aber ich beantworte jede, wirklich jede Anfrage.»

Es scheint so, und Leuenberger sagt es auch, dass, wenn jemand im Kanton Bern etwas über Vögel wissen will, sein Name fällt. So hat ihn etwa auch SVP-Nationalrat Andreas Aebi um Unterstützung bei der Mehlschwalben­kolonie auf seinem Hof gebeten. Oder Hanspeter Latour freut sich über die Hilfe in seinem kleinen Naturparadies im Eriz. So hat Leuenberger mit seinem Herzen für Vögel ein illustres Netzwerk aufgebaut, das es eben auch möglich macht, dass sogar ein Bundesrat zur Jubiläumsfeier kommt und eine Ansprache hält. «Sogar der Gemeindepräsident hat sich gewundert, wie ich das wohl geschafft habe», sagt Leuenberger und lacht. «Andreas Aebi macht es möglich.»

«Das ist mein Vogel»

Leuenbergers Liebe zu den Vögeln hat nichts Verkopftes. Es ist ganz einfach. Das zeigen Sätze wie: «Für mich gibt es ohne den Ruf eines Mauerseglers keinen Sommer.» Oder: «Überall, wo man hingeht, machen Vögel die Menschen glücklich. Wenn ich arbeite, höre ich ihnen gern zu.»

Einen Lieblingsvogel hat er übrigens nicht. Aber: «Gäbe es mich nicht, gäbe es auch keine Alpensegler in Wasen.» Als er vor Jahren im Kirchturm Kästen für Mauersegler einrichtete, bohrte er auch zwei grössere Löcher, in der Hoffnung, dass sich auch mal ein Alpensegler hierherverirrt. 10 Jahre hat Leuenberger warten müssen. Dann war es so weit. Heute leben 64 Paare in der Gemeinde. «Der Alpensegler ist mein Vogel», sagt Leuenberger und lacht.

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