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Den Schwingern ist es zu eng

Grössen wie Matthias Sempach oder Remo Käser trainieren beim Schwingklub Kirchberg. Doch die Situation im Trainings­keller ist nicht optimal. Die Athleten brauchen dringend neue Garderoben.

Mehr Platz für alle: Neben einer grösseren Trainingsfläche ist der Bau einer Zuschauergalerie geplant.
Mehr Platz für alle: Neben einer grösseren Trainingsfläche ist der Bau einer Zuschauergalerie geplant.
Olaf Nörrenberg

«Noch fünf Minuten. Die gleichen zwei noch einmal.» Der Trainer gibt Anweisungen, die Kirchberger Jungschwinger gehorchen – meistens. «Greifen. Zurückstehen. Wenn ich Gut sage, loslegen. Gut.» Die Giele packen sich an den Hosen, greifen zusammen. Kurzzug, und schon landet einer im Sägemehl.

Die Jungs sind mit Engagement und Spass bei der Sache. Atmen. Schwitzen. Keuchen. Alle sind von Kopf bis Fuss mit Sägemehl bedeckt. Das Training ist hart. Der Empfang herzlich. Man duzt sich. Wer neu eintrifft, schüttelt den anderen die Hand. Das machen Kinder wie Erwachsene so.

Einige Eltern und Grosseltern haben sich auf die Bank am Rand gesetzt und schauen den Sprösslingen beim Zweikampf zu.Noch eine Runde Fangen, dann ist die Trainingsstunde der Jungschwinger beendet.

Die Buben klopfen Kleider und Schuhe aus, rennen Richtung Dusche. Jetzt werden die grossen Bösen ran­genommen. Sie steigen gleich im Anschluss ins Sägemehl.

«Kein Zustand»

Trainings im Schwingkeller in Kirchberg unter den Turnhallen am Reinhardweg finden zweimal die Woche statt. Der Schwingklub Kirchberg gehört zu den erfolgreichsten des Landes. Das prominenteste Mitglied ist Matthias Sempach, Schwingerkönig 2013.

Aber auch der Hoffnungsträger, Aufsteiger des letzten Jahres und mehrfacher Kranzgewinner Remo Käser aus Alchenstorf oder die Kranzschwinger Stephan von Büren aus Zauggenried oder Stefan Studer aus Utzenstorf trainieren hier. Der Klub brachte Grössen wie den sechsfachen «Eidgenossen» Niklaus Gasser hervor oder Adrian Käser, Schwingerkönig von 1989.

Erfolge hin oder her – Fakt ist: Die Schwinger haben zu wenig Platz. Die Situation im Keller ist denkbar ungünstig. Wer zu Trainingsstätte gelangen will, muss erst unmittelbar an Garderobe und Dusche vorbei, die nur durch einen Vorhang abtrennbar sind. Beides müssen die Schwinger erst noch mit dem Karateklub von nebenan teilen.

«Das ist eigentlich kein Zustand», meint Roger Brügger, ehemaliger Spitzenschwinger und seit letztem November Präsident des Kirch­berger Schwingklubs. «Schon nur wegen des Jugendschutzes.» Der Klubvorstand denkt deshalb schon seit Jahren über andere Trainingsmöglichkeiten nach, sogar ein Neubau stand zur Debatte, war aber zu teuer.

In den alten Luftschutzräumen

Jetzt ist eine Lösung in greifbare Nähe gerückt: Der Schwingkeller soll um- und ausgebaut werden. Bis zum 10. April liegt ein entsprechendes Baugesuch auf der Verwaltung auf. Verantwortlich ist der Gemeindeverband Kirchberg, der zusammen mit der Gemeinde Eigentümer des Turnhallengebäudes ist, wo der Schwingklub eingemietet ist. Geplant sind auf der anderen Seite des Schwingkellers zwei neue Garderoben in den alten Luftschutzräumen sowie ein Materialraum für alle dort ansässigen Sportvereine.

Die Schutzräume bestehen bereits, sind aber mittlerweile zu muffigen Abstellkammern für Gerümpel mutiert. Vorgesehen sind weiter ein zusätzliches WC und eine kleine Zuschauergalerie. Dafür wird eine Wand herausgerissen, und die Schwinger erhalten mehr Fläche.

Erneuert werden zudem die Lüftungsanlage sowie die sanitären, elektrischen und heizungstechnischen Installationen. «Wir hätten sowieso nächstens diesen Teil mit den alten Leitungen auf Vordermann bringen müssen», sagt Walter Bütikofer, Ex-Gemeinderat und neu Präsident der Baukommission beim Gemeindeverband.

Der Umbau sei die letzte Etappe einer Reihe von Sanierungsarbeiten am im Jahr 1960 erstellten Gebäude und diene dem Werterhalt. Letztes Jahr sei beispielsweise ein Raum saniert worden, worin der Leichtathletikklub einen Kraftraum eingerichtet habe, so Bütikofer.

«Wir sind froh, wenn wir hierbleiben können», sagt Schwingklubpräsident Roger Brügger. «Und wenn wir endlich separate Garderoben für die Aktiven und die Jungschwinger haben, ist die Anlage ideal.» Künftig könnten die Duschen im Parterre benutzt werden.

Im Sommer draussen

Der Ausbau ist laut Walter Bütikofer mit 470 000 Franken budgetiert. Die Kosten werden je zur Hälfte vom Gemeindeverband und von der Gemeinde Kirchberg getragen. Der Kredit wurde bereits von beiden Seiten gesprochen. Die Umbauarbeiten werden voraussichtlich in den Sommerferien starten und im September abgeschlossen sein.

Für die Kirchberger Schwinger stellen die Bauarbeiten kein Problem dar. Sie können ausweichen, denn sie befinden sich momentan noch in der komfortablen Lage, dass sie, sobald es wärmer und heller wird, draussen trainieren können – und zwar beim Gasthof Löwen in Kernenried.

Dieser Open-Air-Trainingsplatz hat allerdings keine Zukunft mehr und steht vor dem Aus: Letztes Jahr hatte Wirt Gody Schranz den Sägemehlring wegen eines Hausbaus auf das Landwirtschaftsland des benachbarten Bauern verlegen müssen. Der Kanton lehnte jedoch das Gesuch zunächst ab, am Ende erhielt Gody Schranz eine Ausnahmebewilligung, die nur bis September 2018 gültig ist (wir berichteten).

Spätestens seit dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2013 in Burgdorf ist es kein Geheimnis mehr, dass man in Kernenried Sempach und Co. beim Schwingen beobachten kann. An manchen lauen Sommerabenden seien bis zu 250 Zuschauer gekommen, erzählt Klubpräsident Roger Brügger. «Das ehrt uns. Wir danken der Familie Schranz für die Gastfreundschaft, sind aber auch froh, wenn die Jungen künftig etwas ungestörter trainieren können.»

Papa Sempach

Da geht es im Schwingkeller in Kirchberg doch familiärer zu und her: Dort haben die Aktiven inzwischen mit dem Training begonnen. Zum Warmwerden haben sie eine Ballschlacht veranstaltet. Nach dem Einlaufen und Dehnen werden Schwingtechniken geübt. Auch Matthias Sempach ist aufgetaucht – trotz ­elterlichen Verpflichtungen: Der Alchenstorfer ist gerade zum zweiten Mal Vater geworden. Töchterchen Paula kam am 24. März zur Welt.

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