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Der Beliebteste ist Bernhard Gerber

Nicht etwa der neue Gemeindepräsident Walter Sutter war bei den Wahlen der populärste Gemeinderatskandidat. Und im GGR über­flügelte der Vertreter einer Kleinpartei alle anderen.

Links: Bernhard Gerber (SVP). Rechts: Samuel Brechbühl (GLP).
Links: Bernhard Gerber (SVP). Rechts: Samuel Brechbühl (GLP).
zvg

Der beliebteste aller Kandidaten der Wahlen in Langnau vom 29. Oktober? Klar, das ist der oder die mit der höchsten Stimmenzahl – das scheint logisch, stimmt aber bei Proporzwahlen nicht.

Auf die höchsten Stimmenzahlen kamen im Gemeinderat und im Grossen Gemeinderat (GGR) ausschliesslich Kandidierende der SVP, und zwar mit grossem Vorsprung, weil die SVP auch die mit Abstand stärkste Partei war.

Die Leute der SVP mögen in Langnau zwar beliebt sein, aber dass sie gleich alle Spitzenplätze besetzen, ist doch eher unwahrscheinlich. Richtig gemessen wird Popularität also nicht mit dem Stimmentotal, sondern mit den Panaschierstimmen.

Überraschender Spitzenreiter

Um die neun Sitze in der Exekutive bewarben sich nicht weniger als 36 Personen. Wie die Tabelle zeigt, haben sich die sieben Bisherigen an die Spitze der Popularitätsliste gesetzt – allerdings mit einer Überraschung: Ganz vorne liegt mit 241 Panaschierstimmen auf 1000 Listen nicht der neue Gemeindepräsident Walter Sutter (er kam auf 220 Stimmen), sondern Bernhard Gerber.

Klicken Sie auf die Tabellen, um diese zu vergrössern.
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Sutter war zwar innerhalb der SVP der beliebteste Kandidat, aber nach Panaschierstimmen wurde er vom heutigen zweiten Vizepräsidenten Gerber geschlagen.

Hinter den sieben Bisherigen folgen nicht etwa die beiden Neugewählten Beat Gerber (SVP) und Niklaus Müller (SP), sondern auf Platz 8 Peter Lehmann (BDP) und auf Platz 9 Michael Moser (GLP). Beide haben also gute persönliche Resultate erzielt, aber die BDP holte zu wenig Stimmen für zwei Sitze, und die GLP ging sogar ganz leer aus.

Lehmann und Moser schafften aber die Wahl in den Grossen Gemeinderat wie auch Johann Sommer (FDP), Beat Gerber (SVP) und Anton Liechti (FDP). Kurios war die Doppelkandidatur des bisherigen Gemeinderats Sommer – wollte ihn die FDP beim GGR als Stimmenfänger einspannen, oder fehlte ihr der Glauben, dass er die Wiederwahl in den Gemeinderat schaffen würde?

Nicht weniger als 132 Personen bewarben sich um die vierzig Sitze im Langnauer Grossen Gemeinderat. Die 20 Kandidierenden der SVP kamen auf die höchsten Stimmenzahlen, aber der populärste Kandidat gehört, wie die Tabelle zu den GGR-Spitzenkandidaten zeigt, einer anderen Partei an: den Grünliberalen. Samuel Brechbühl kam auf 213 Panaschierstimmen auf 1000 Listen.

Ist er der Beweis dafür, dass Lehrer in ländlichen Gegenden noch immer über einen Beliebtheitsbonus verfügen? Für diese These sprechen beim Gemeinderat auch der vierte Platz von Thomas Gerber (BDP) und die Wahl von Niklaus Müller (SP).

Auch ohne Bisherigenbonus

Auf den nächsten drei Plätzen folgen in der Tabelle der GGR-Spitzenkandidaten drei Männer der SVP: Martin Friedli (195 Stimmen), Markus Stegmann (192) und der gleichzeitig auch in den Gemeinderat gewählte Beat Gerber (165). Die zweite Überraschung – nach dem klaren Sieger Brechbühl – ist der dritte Platz für Stegmann, der dieses gute ­Resultat auch ohne Bisherigenbonus schaffte.

Wie die Tabelle dieser Spitzenkandidaten zeigt, sind mit Ausnahme von EVP und EDU zwar ­alle Parteien vertreten, aber nur gerade vier der zwanzig sind Frauen, und keine kam unter die ersten zehn.

Die Bestplatzierte, Silvia Röthlisberger (SP), liegt auf Platz 12. Frauen scheinen es in Langnau ohnehin besonders schwer zu haben, schliesslich haben auch nur sechs die Wahl in den GGR geschafft. Mit dem Frauenanteil von nur 15 Prozent liegt Langnau deutlich unter dem Satz, der heute schweizweit in Gemeindeparlamenten üblich ist.

SVP-Wähler sind parteitreu

Weil die Panaschierstimmen, die ihre Wähler abgeben, den Par­teien in der Endabrechnung fehlen, raten alle Parteien vom Panaschieren ab. Am besten befolgt wurde das von der Wählerschaft der SVP, je Liste haben sie bei den GGR-Wahlen nur 2,2 Panaschierstimmen abgegeben.

Es folgen SP (2,7), EVP (2,8), FDP (5,2), BDP (7,3) und EDU (8,0). Am geringsten war die Parteidisziplin bei den Grünliberalen, die im Schnitt je Liste 9,7 Panaschierstimmen abgaben. Das heisst: Ein durchschnittlicher GLP-Wähler hat ein Viertel seines Wahlzettels mit Kandidierenden anderer Parteien bestückt – wohl ein Hinweis darauf, dass die GLP ihr parteipolitisches Profil noch etwas schärfen müsste.

Der Autor ist Politologe und Alt-Gemeindepräsident von Bolligen.

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