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Der Ehealltag kehrt ein

Seit einem Jahr sind die ­Gemeinden Ersigen, Niederösch und Oberösch vereint. 2016 war das Jahr der Zusammenführung, 2017 nun wird sich zeigen, ob die Heirat auch wirklich etwas bringt.

Blicken auf ein Jahr Fusion zurück: Gemeinderatspräsident Simon Werthmüller (links) und Gemeindeschreiber Thomas Balsiger.
Blicken auf ein Jahr Fusion zurück: Gemeinderatspräsident Simon Werthmüller (links) und Gemeindeschreiber Thomas Balsiger.
Thomas Peter

Sie führten bereits seit Jahren eine Dreierbeziehung. Dann wollte sich die kleinste Partnerin Oberösch verloben und hielt 2013 um die Hand der anderen an. Sie wollte Abklärungen für eine Gemeindefusion mit Ersigen und Nieder­ösch treffen. Die Ersiger Behörden waren dazu bereit, das Niederöscher Stimmvolk aber gab einen Korb.

Als Vater Kanton der unwilligen Braut mit der Kürzung von Finanzmitteln drohte, lenkten die Niederöscher doch noch ein. Im Juni 2015 gaben die Stimmberechtigten der drei Gemeinden das Jawort zur Hochzeit. Auf den 1. Januar 2016 wurde die Heirat vollzogen. Aus den drei Dörfern entstand auf 1540 Hektaren eine 2030-Seelen-Gemeinde mit dem Namen Ersigen.

Aus Ober- und Niederösch wurden Ortsteile. Die Postanschriften und Ortstafeln blieben gleich. Ober- und ­Niederösch waren finanziell zwar angeschlagen, brachten aber mit ihren Liegenschaften eine Mitgift ein. Dieser Gemeindezusammenschluss war der erste im Emmental überhaupt.

Mehr Gewicht

Happy End? Von Ende kann keine Rede sein, auf die Behörden und Verwaltungsangestellten wartete letztes Jahr nach dem Mehraufwand für die Fusionsvor­bereitungen erneut eine Menge Arbeit. Erst nach dem Zusammenschluss konnten sie mit der Umsetzung beginnen.

So mussten unter anderem die Einwohnerkontrolle und die Finanzvermögen zusammengeführt, Gebührenansätze vereinheitlicht und eine neue Website gestaltet werden. Parallel dazu wurde das neue Rechnungslegungsmodell HRM2 eingeführt. Und jetzt, ein Jahr später, ist das meiste wenn nicht alles in trockenen Tüchern. Erst allmählich kehrt der Ehealltag ein.

«2016 war das Jahr der Umsetzung, 2017 wird das Jahr der Konsolidierung», sagt Simon Werthmüller. Der Gemeinderatspräsident hat sich mit Gemeindeschreiber Thomas Balsiger zum Gespräch eingefunden, um ein Jahr nach der Fusion Rück- und Ausblick zu halten. «Es war das Schlauste, was wir machen konnten», ist Werthmüller überzeugt.

«Die Fusion war das Schlauste, was wir machen konnten.»

Simon Werthmüller, Gemeinderatspräsident

Die neue Gemeinde erhalte mehr Gewicht. Im Gemeindeverband Kirchberg und in der Regionalkonferenz Emmental habe sie zwar nicht an Stimmkraft gewonnen, sei aber als etwas grössere und vor allem fusionierte Gemeinde in den Fokus gerückt.

Nur noch einmal statt dreimal

Die Fusion sei zwar für die Bevölkerung kaum sichtbar geworden, doch auf Verwaltungsebene habe sie viel gebracht. «Die Erwartungen haben sich erfüllt», fährt Ratspräsident Werthmüller fort. Die Abläufe hätten sich vereinfacht. Bereits seit über zehn Jahren werden die Geschäfte von Nieder- und Oberösch von der Ersiger Verwaltung aus geführt. «Aber seit der Fusion müssen wir nicht mehr alles dreimal machen», ergänzt Gemeindeschreiber Balsiger.

Im Frühling letzten Jahres habe man noch die Rechnungsabschlüsse 2015 aller drei Ge­meinden vorlegen müssen. Danach jedoch das Budget und den Finanzplan nur noch für eine Gemeinde zu erstellen, ­habe eine «enorme Erleichterung» gebracht, so Balsiger.

«Das Budget und den Finanzplan nur noch für eine Gemeinde zu erstellen, hat eine enorme Erleichterung gebracht.»

Thomas Balsiger, Gemeindeschreiber

Doch den grössten Brocken Arbeit, sind sich Werthmüller und Balsiger einig, habe die Baukommission zu bewäl­tigen gehabt. Sie hatte die Aufgabe, die gesamte Infrastruktur der Gemeinde – sprich Liegenschaften, Strassen, Wasser- und Abwassernetz, Flurwege – zu sichten und deren Sanierungsbedarf abzuklären. Als Erstes wird die Rumendingenstrasse in Niederösch erneuert.

Auch der neue Gemeinderat habe sich eingespielt, wenn auch ein neunköpfiger Rat tendenziell schwerer zu führen sei als ein siebenköpfiger, sagt Werthmüller. Bis zu den ersten Urnenwahlen Ende 2019 sitzen neun Mitglieder im Rat, sieben Ur-Ersiger und je eine Person aus Oberösch und Niederösch. Ab 2020 werden es nur noch sieben sein, ab dann gibt es für die Dorfteile keinen garantierten Sitz mehr.

Über zehn Jahre lang führte die Ersiger Verwaltung auch für die beiden Nachbargemeinden die Geschäfte. Seit einem Jahr ist sie für die fusionierte Gemeinde zuständig. Bild: Thomas Peter
Über zehn Jahre lang führte die Ersiger Verwaltung auch für die beiden Nachbargemeinden die Geschäfte. Seit einem Jahr ist sie für die fusionierte Gemeinde zuständig. Bild: Thomas Peter

Finanziell lohnte sich die Heirat insbesondere für die kleineren beiden Gemeinden. Der Steuerfuss beträgt jetzt 1,65 Einheiten, für Ersigen bedeutete dies eine Reduktion um ein Zehntel, für Nieder- und Oberösch gar um 3,5 Zehntel. Die Prognosen des Finanzplans ­weisen auf eine stabile Lage hin. «Eine Steuererhöhung ist derzeit nicht zu erwarten», sagt Simon Werthmüller.

Ersparnis in der Verwaltung

Die einmaligen Übergangskosten betrugen etwa 110 000 Franken. Der Kanton leistete einen Fusionsbeitrag von knapp 600 000 Franken. Allerdings fallen die Gelder aus dem kantonalen Finanz- und Lastenausgleich nun tiefer aus.

Abge­federt wird dies laut Werthmüller mit Ausgleichszahlungen vom Kanton über zehn Jahre. Die grössten Einsparungen sind bei der Gemeindeverwaltung vor­gesehen. Sie liegen im Bereich zwischen mindestens 25 000 und maximal 50 000 Franken pro Jahr.

Dafür wird 2017 die Stelle des Gemeindeschreibers Thomas Balsiger auf seinen Wunsch hin von 100 auf 60 bis 80 Prozent reduziert (je nach anstehenden Projekten). Auf das restliche Personal hat die Fusion keine Auswirkungen. Bei der Behördenorganisation liegen die Einsparungen bei etwa 4000 Franken pro Jahr. Das ist weniger, als im Grundlagenbericht berechnet wurde.

Der Grund ist, dass die Entschädigungen und Sitzungsgelder für die Behördenmitglieder erhöht worden sind. Ebenfalls 4000 Franken jährlich kann beim Rechnungsprüfungsorgan eingespart werden. Die fusionierte Gemeinde benötigt weniger Leute: Insgesamt circa vierzig Räte, Funktionäre und Delegierte fallen weg.

Einfache Fusion

Es sei eine einfache Fusion gewesen, betont der Ratspräsident. «Die Verwaltung wurde bereits gemeinsam geführt, wir mussten niemanden entlassen und keine grösseren Umwälzungen oder Standortschliessungen in Kauf nehmen. Für uns hats gepasst.» Die Vorteile seien aber nicht eins zu eins auf andere Dörfer übertragbar, gibt Werthmüller zu bedenken.

Nun steht die Ortsplanungsrevision als Hauptarbeit im Jahr 2017 an. Die erste Sitzung der eigens dafür gebildeten Kommission hat bereits stattgefunden. Im Herbst ist eine Mitwirkung geplant, 2018 soll das Volk darüber befinden.

Im Weiteren sollen die Archive von Ober- und Niederösch bis Ende Januar 2017 in die Zivilschutzanlage Ersigen gezügelt werden. Denn: Wer heiratet, sollte auch seinen Hausstand zusammenlegen.

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