«Der kommt nicht in unseren Himmel»

Langnau

Die Theatergruppe Signau feierte Premiere mit ihrem neusten Stück: ein skurriles Tauziehen um einen toten Schirmflicker.

Die Theatergruppe Signau spielt diesen Herbst die warmherzige Gaunerkomödie «Ds gfrornige Härz».

Die Theatergruppe Signau spielt diesen Herbst die warmherzige Gaunerkomödie «Ds gfrornige Härz».

(Bild: Hans Wüthrich)

«Wir haben versucht, das Stück warmherzig zu gestalten», sagte Thomas Häusler, Präsident der Theatergruppe Signau, zu den Gästen. Er tat dies, bevor am Mittwochabend auf der Bühne in der Kupferschmiede in Langnau die neueste Produktion der Laientheatergruppe die Premiere startete.

Auf dem Programm stand die Gaunerkomödie «Ds gfrornige Härz» unter der Regie von Barbara Bircher. Das Stück basiert auf der Erzählung «Begräbnis eines Schirmflickers» des Schwyzer Autors Meinrad Inglin. 1979 realisierte Xavier Koller aus dem Stoff den gleichnamigen Schweizer Film.

Die Geschichte dreht sich um zwei Randständige: einen Korber (Dominik Kühni) und einen Schirmflicker (Timo Kobel). Der Schirmflicker, getrieben von seiner Gier nach «Weibern», erfriert im Schnee, da er sich – nach reichlichem Schnapsgenuss  – nicht davon abbringen lässt, seiner Angebeteten des Nachts die Aufwartung zu machen. Am Morgen stösst der Korber im Schnee auf die Leiche des Schirmflickers, unweit des Grenzsteins der beiden Dörfer Vordersachen und Hinterschachen.

Und weil die genaue Grenze ziemlich viel Interpretationsspielraum offenlässt, bemühen sich die Gemeinderäte beider Dörfer mit ihren Handlangern, den Leichnam der jeweils anderen Ortschaft unterzujubeln, um die Gemeindekasse nicht mit den Kosten für das Begräbnis zu belasten. «Der gehört nicht in unseren Himmel», poltert Gemeindepräsident Habegger von Hinterschachen (Hansruedi Wälti).

In Vorderschachen ist man ebenso wenig gewillt, dem Toten einen würdigen Abgang zu bereiten.Profiteur dieses Hin und Her ist der Korber, der es bestens versteht, die beiden Seiten gegeneinander auszuspielen und dabei kräftig abzukassieren. Dies vor dem Hintergrund, seinem verstorbenen Kameraden ein anständiges Begräbnis zu verschaffen. «Hauptsache, er wird beerdigt wie ein Mensch», lässt er die Behördenvertreter und den Pfarrer wissen.

Regisseurin Barbara Bircher hat die Handlungen von der Innerschweiz ins Emmental verlegt und lässt die 22 Laienschauspieler in einem breiten Berner Dialekt sprechen. Etwas aufwendig gestaltet sich indes das eigentlich schlichte und simple Bühnenbild mit Holzlatten, einfachem Sacktuch, Tischen und Stühlen. Die zahlreichen Umbauten, welche die Schauspieler während der Aufführung laufend selber durchführen, bremsen den Spielfluss.

Aufführungen in der Kupferschmiede Langnau. Daten unter: www.theatergruppe-signau.ch.

Berner Zeitung

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