Der Kritiker

Im Grossen Gemeinderat setzt sich Christoph Utiger oft als kritischer Geist, wenn nicht gar als Spielverderber in Szene. Jetzt will der EVP-Mann Gemeindepräsident von Langnau werden.

Im Parlament wirkt er manchmal fast etwas stur. Aber Christoph Utiger versteht es als seine Pflicht, kritisch zu sein.

Im Parlament wirkt er manchmal fast etwas stur. Aber Christoph Utiger versteht es als seine Pflicht, kritisch zu sein.

(Bild: Marcel Bieri)

Er findet meistens ein Haar in der Suppe. Selbst wenn sich im Grossen Gemeinderat von links bis rechts alle Parteisprecher erfreut zu einem Geschäft äussern, scheut sich Christoph Utiger nicht, Negatives hervorzustreichen. Der EVP-Parlamentarier wurde auch nicht müde, eine Verbindung herzustellen zwischen dem finanziellen Engagement der Gemeinde in der Ilfishalle und der kurz darauf notwendig gewordenen Steuererhöhung. Da konnte der Gemeinderat noch lange betonen, dass Mindereinnahmen bei den Steuern und massiv höhere Abgaben in die Lastenverteiler zu der finanziellen Schieflage geführt hätten.

Utiger war und bleibt überzeugt, dass die Exekutive solches hätte antizipieren können, wenn sie nicht um alles in der Welt den Kredit für die Ilfishalle hätte durchbringen wollen. Der Informatikspezialist kämpfte von Anfang an – auf ziemlich einsamem und letztlich auch verlorenem Posten – öffentlich gegen das Volks-Ja an. Das brauchte Mut in einer Gemeinde, die dank den SCL Tigers in der ganzen Schweiz bekannt ist.

Die Balance stimme nicht

Aber Utiger findet generell: «Die Gemeinde gibt zu viel Geld aus für Sport und Kultur.» Er will sich zwar nicht als Bekämpfer dieser Bereiche verstanden wissen. Vielmehr gehe es ihm «um ein ausgewogenes und gesundes Verhältnis zwischen Arbeitsangebot, Gewerbe und kulturellem sowie sportlichem Engagement in unserer Gemeinde». Deshalb wäre es sein Ziel, den Standort Langnau, wenn nicht gar das ganze Oberemmental für innovative Unternehmen zu stärken. «So bliebe das kulturelle und sportliche Angebot für uns auch längerfristig und ohne Steuererhöhung bezahlbar», meint Utiger. Und er hätte nichts dagegen, wenn sich Langnau dereinst gar Gratiseintritte ins Freibad leisten oder kulturelle Angebote frei zur Verfügung stellen könnte.

Der Trotz hat seinen Grund

Wenn Christoph Utiger im Grossen Gemeinderat jeweils mit leiser Stimme seine schriftlich vorformulierten kritischen Voten abliest, hat das zuweilen etwas Trotziges. Doch jetzt sitzt er entspannt am Tisch in seinem Wintergarten, und von Verbissenheit oder gar Sturheit ist keine Spur, wenn er seine Beweggründe erklärt. Utiger erachtet es als seine Pflicht, in den GGR-Unterlagen Punkte aufzustöbern, die einen Haken und eventuell einmal negative Folgen haben könnten für die Gemeinde. «Das hängt wohl mit meinem Beruf zusammen», sagt er. Der 50-Jährige, der mit Susanne Utiger verheiratet ist, arbeitete früher bei der Swisscom und heute bei Swissmedic. «Dort geht es ständig darum, zu prüfen, welches Informatikmittel welchen Nutzen oder welche Probleme mit sich bringen könnte.»

«Wo verschiedene Meinungen einfliessen, resultieren am Schluss die ­besten Lösungen.» Christoph Utiger (EVP)

Utiger erzählt gerne das Beispiel eines ehemaligen Chefs, der genau jenen Mann zu seinem Stellvertreter ernannte, der ihn am stärksten kritisiert hatte: «Seine Argumente helfen mir am meisten, die beste Lösung zu finden», habe er gesagt. Das nimmt sich der Langnauer zum Vorbild. «Ich will Kritik beachten und daraus Gutes entstehen lassen.» Auch für den Fall, dass er Gemeindepräsident werden sollte.

Mit Gottes Hilfe

Am heutigen Gemeinderat kritisiert Christoph Utiger, dass er «gewisse Vorlagen derart einseitig vorbereite», dass das Parlament fast nur noch die Möglichkeit habe, diese durchzuwinken. Als Gemeindepräsident würde er den Grossen Gemeinderat und die Kommissionen stärker in die Entscheidungsprozesse einbeziehen. Zum Beispiel bei Projekten wie der Sporthalle: Utiger fand es nicht in Ordnung, dass der Gemeinderat entschied, welchen der 13 Vorschläge, die beim Architektenwettbewerb eingegangen waren, umgesetzt wird. «Bei grossen Bauprojekten müsste man das Spielfeld für das Parlament breiter abstecken», findet er. «Wo verschiedene Meinungen einfliessen, resultieren am Schluss die besten Lösungen.»

Den Entscheid, als Gemeindepräsident zu kandidieren, hat sich Christoph Utiger nicht leicht gemacht. Er und seine Frau hätten oft »darüber gerungen».

Heute ist der bekennende Christ, der zur Täufergemeinde Giebel gehört, überzeugt, dass es richtig ist. Doch wenn nur die EVP-nahen Wähler für ihn stimmen, wird Utiger nicht gewählt. «Aber wenn die Bevölkerung ein offenes und ehrliches Miteinander sucht, habe ich eine Chance», denkt er und fügt hinzu: Er habe schon oft erlebt, dass Gott ihm Wege aufgezeigt habe. Auch als Gemeindepräsident würde er darauf hoffen. «Allein auf Menschen verlassen will ich mich nicht.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt