Burgdorf

Die alte Butterzentrale fällt

Burgdorf Der Hinterhof der Stadt Burgdorf soll sich in zwei Etappen zur Visitenkarte entwickeln. Fest steht, dass dafür der Bach geöffnet wird und die frühere Verbands­molkerei Platz machen muss.

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Ton in Ton sitzen sie nebeneinander auf der Kartonunterlage. Die Modelle einzuordnen, fällt nicht leicht: Die Perspektive von oben ist ungewohnt, und dann fehlt in der reinweissen Umgebung ein Merkmal, das heraussticht. Die Freifläche rund um die alte Butterzentrale, die vielen Parkplätze? Nicht da. Wie auch. Die Modelllandschaft im Foyer der Baudirektion zeigt das Burgdorfer Bahnhofquartier, wie es in einigen Jahren aussehen könnte.

Es sind die Vorstellungen von fünf eingeladenen Architektenteams und -büros, die seit Mai letzten Jahres verschiedene städtebauliche Gesamtkonzepte entworfen haben, um das 3347 Quadratmeter grosse Areal zwischen Mülibach und Gotthelfstrasse in eine ansprechende Zukunft zu führen. Will heissen: Verdichtet überbauen. Schliesslich hat die Stadt dieses Gebiet als eines der wichtigsten Entwicklungsareale in der Innenstadt ­definiert. Und hat daher mit den anderen Grundeigentümern, der Genossenschaft Migros Aare und der Raiffeisen-Pensionskasse-Genossenschaft, einen Studienauftrag lanciert. Was daraus gesprossen ist, lässt sich nun anschauen.

Wohnen direkt am Wasser

Zwei viergeschossige Bauten mit Attiken sollen in einer ersten Etappe entlang des Farbwegs entstehen – dort, wo heute die alte Butterzentrale steht. Gegen die Gotthelfstrasse hin Grünfläche, Quartierpark genannt. In einem zweiten Schritt könnte gemäss den Plänen ein länglicher Bau dahin kommen, wo heute die Parkplätze längs der «Do it»-Migros sind. Direkt an den Mülibach, der offengelegt werden soll. An der Gotthelfstrasse schlägt das siegreiche Team einen viergeschossigen Bau vor, der mit dem Längsbau am Bach einen kleinen Platz umfasst.

Ein neues Quartier: Die beiden Wohnbauten der ersten Etappe (links) und die dritte direkt am Mülibach, die in einem zweiten Schritt entstehen könnte, von der Gotthelfstrasse her. Visualisierung: PD

Allerdings ist es so, dass die Migros Aare nach wie vor zufrieden mit der aktuellen Situation ist und kein Bedürfnis verspürt, an dieser Stelle zu bauen. Entsprechend sei entscheidend gewesen, dass die beiden Etappen städtebaulich einzeln funktionieren, sagt Jurymitglied und Baudirektionsleiter Peter Hänsenberger. Diese Vorgabe habe das Siegerprojekt überzeugend gelöst.

Ein Schritt, später ein zweiter

Den weitaus grössten Blickpunkt setzt das Gespann um das Ber­ner Büro GWJ Architektur, ASP Landschaftsarchitekten und Transitec Beratende Ingenieure während der zweiten Etappe am Eingang zur Poststrasse: Hier ist ein «siebengeschossiger Hochpunkt» mit Mietwohnungen vorgesehen, das höchste Gebäude der ganzen Überbauung. Die bestehende Arkade – jene Säulenstruktur, die Fussgängerinnen und Fussgänger trockenen Hauptes von Laden zu Laden bringt – werde auch beim Neubau weitergeführt, fasst der Schlussbericht zusammen.

Parkieren hier und da und dort

Gewerbe, Verkauf, Büros oder Ateliers sind im Erdgeschoss an der Poststrasse sowie teils ebenerdig am Farbweg vorgesehen. Alle anderen Flächen dienen dem Wohnen; an der Poststrasse etwa Alterswohnungen. Ebenfalls in der zweiten Etappe soll der Farbweg «aufgelöst» werden: Kies und wilde Pflästerung, Bäume, Brunnen und Sitzelemente werden hier angesiedelt.

Der Baustart der ersten Etappe ist für 2020 geplant. Wann die zweite folgt, ist offen.

Parkiert wird woanders. Der oberirdische Parkplatz der Migros wird in der ersten Etappe umgestaltet und in den Südosten des Areals verlegt. Die Parkplätze sind von der Gotthelfstrasse her einsehbar und direkt erschlossen. Die Einstellhalle für die Gebäude am Farbweg, so steht es im Bericht, wird über eine Rampe im Westen des Areals angeschlossen. Die Einstellhalle der zweiten Etappe erfordert eine einspurige Rampe von der Poststrasse her. Gleichzeitig wird die Einstellhalle der ersten Etappe nach Osten erweitert und der Farbweg ab der Einstellhallenzufahrt für den motorisierten Verkehr gesperrt.

Das könnte bald schon sein: Hänsenberger geht von einem Baustart 2020 aus. Als Nächstes werden die Pläne überarbeitet – sprich: die Vorstellungen von Eigentümern und Investoren abgeglichen –, dann die Überbauungsordnung ausgearbeitet. Damit die blassen Kartonmodelle bald auch in echt nebeneinander thronen und die Vorstellung leichter fällt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.05.2018, 07:50 Uhr

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