Die Apfelbäume blühen nicht mehr

Emmental

Die kalten Nächte haben auch in der Region Schäden verursacht. Apfelblüten wurden braun, Gräser und Getreide hat der Schnee platt gedrückt.

Frostschäden im Frühling können die Ernteerträge bei den Obstbäumen stark dezimieren.

Frostschäden im Frühling können die Ernteerträge bei den Obstbäumen stark dezimieren.

(Bild: Getty Images)

Der Wonnemonat Mai hat sich in den vergangenen Tagen nicht von seiner besten Seite gezeigt. Bitterkalt wurde es vor allem nachts – minus 7,7 Grad wurden im Kanton Bern gemessen. Und eine Schneedecke überzog die Landschaft. Das drückt nicht nur auf die Stimmung der Sonnenanbeter. Auch Obst, Getreide und Gemüse haben unter dem späten Frost gelitten.

«Etwa die Hälfte des Obstes hat es bei mir erwischt.»Heinz Kämpfer, Präsident Landwirtschaft Emmental

«Etwa die Hälfte des Obstes hat es bei mir erwischt», sagt Heinz Kämpfer, Präsident Landwirtschaft Emmental. Er baut Äpfel, Kirschen und Zwetschgen an. Der Obstanbau sei für ihn aber kein wichtiger Zweig, deshalb sei es nicht so gravierend. Härter trifft es Kämpfer in einem anderen Bereich: «Das Gras hat unter dem Schnee gelitten.» Jetzt hofft er in den kommenden Wochen wieder auf schöneres Wetter, damit er die geknickten Halme mähen kann.

Um eine Bilanz der Schäden im Emmental zu ziehen, sei es noch zu früh, so Kämpfer. Da die Region kein klassisches Obstanbaugebiet sei, seien die Schäden wohl weniger gross als andernorts.

Braune Blüten

Die blühenden Rapsfelder habe es besonders stark getroffen, sagt Landwirt Hans Erhard aus Rüderswil. Den habe es wegen des Schnees vielerorts geknickt. «Wenn ein Seitentrieb bricht, kann der Raps sich wieder erholen.» Doch sei dann das Problem, dass bei der Ernte ein nachgewachsener Trieb allenfalls noch grün sei.

Erhard selbst betreibt aber keinen Ackerbau. Bemerkbar machen sich bei ihm die Frostnächte bei den späten Apfelsorten. «Die Blüten sind braun.» Frostkerzen zum Schutz vor der Kälte seien in der Umgebung aber kaum gezündet worden. «Das ist im Emmental nicht verbreitet.» Auch weil der Obstbau nicht so wichtig sei.

Warmes Wetter relativiert

Kartoffeln hingegen werden in der Region vielerorts angebaut. Wie sieht es hier bezüglich Schäden aus? Auf einem Kartoffelfeld in der Region habe es schon 20 Zentimeter hohe Stauden gehabt, so Rudolf Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizer Kartoffelproduzenten. «Viele sind braun geworden, es sieht aus, als wären sie abgebrannt», sagt der Bätterkinder Landwirt.

«Das warme Wetter wurde durch die Frostnächte bestimmt etwas relativiert.»Rudolf Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizer Kartoffelproduzenten

Bereits von gravierenden Auswirkungen auf die Kartoffelernte zu sprechen, wäre aber verfrüht, so Fischer. Auch sei das Emmental weniger stark betroffen, weil hier kaum Frühkartoffeln angepflanzt würden. Deren Ernte steht nämlich kurz bevor.

Insbesondere in der Ostschweiz und in der Genferseeregion werden sie angebaut. Dort seien die Kartoffeln mit Vlies abgedeckt worden. «Das warme Wetter wurde durch die Frostnächte bestimmt etwas relativiert.» Trotzdem würden kommende Woche die ersten Kartoffeln auf den Markt kommen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt