Die Brücke bebt ein letztes Mal

Emmenmatt

Dieses Jahr findet die Bridge-Party zum zwanzigsten – und letzten Mal statt. Die Organisatoren künden einen würdigen Abschied mit alt­bekannten Künstlern an.

Ein weiterer Kultanlass im Emmental droht zu verschwinden: Die wilden Partynächte auf der Brunnmattbrücke sind wohl bald passé.

Ein weiterer Kultanlass im Emmental droht zu verschwinden: Die wilden Partynächte auf der Brunnmattbrücke sind wohl bald passé.

(Bild: Stephan Loosli/zvg)

Ende Februar ist die Bombe geplatzt: Die Bridge-Party 2017 wird die letzte sein. Damit verliert das Emmental nach dem Woodrock-Festival einen weiteren Kultanlass. Bereits zwanzigmal hat der Verein Bridge-Party die Holzbrücke in Emmenmatt zum Ort für ein zweitägiges Musikfestival gemacht.

«Wir haben seit unserer Jugend Discos oder Konzerte veranstaltet», sagt Thomas Brunner. Er war viele Jahre lang Präsident des Vereins. Das Ziel der Mitglieder sei es immer gewesen, eine Party zu veranstalten, an der sie selber unbedingt dabei sein wollten.

Als sie 1997 die Bewilligung für zwei Abende auf der Brunnmattbrücke erhielten, organisierten sie kurzerhand die erste Bridge-Party in einfachem Rahmen. «Wir haben damals wohl zu viele Drinks spendiert und ziemlich rückwärtsgemacht», sagt der gebürtige Signauer.

Der Eintrittspreis lag jahrelang bei 14.95 Franken pro Abend, und die DJs spielten bis 4.30 Uhr morgens. Die Besucherzahlen haben ab dem fünften Jahr so richtig ­angezogen. DJ-Sets prägten die Partys damals, und die Organi­satoren konnten etwa mit Walk­ner & Möstl eine Szenengrösse aus Wien ins Emmental holen. «Wir legten das Schwergewicht auf Partysound mit DJs wie Beat It oder Refresher – das hat mehr als zehn Jahre lang gehypt», erinnert sich Brunner.

Zeiten ändern dich

Doch 2014 mussten die Organisatoren feststellen, dass es nicht mehr «ihre Party» war. «Wir hatten das Gefühl, dass etwas nicht mehr stimmt», sagt der 45-Jährige. Der «harte Kern» des OK sei älter geworden. Die rund 15 Personen haben heute teils Kinder, anspruchsvolle Jobs und suchen nicht mehr nach exzessiven Partynächten.

Deshalb entschieden sie sich 2015 für einen Konzeptwechsel: mehr Livemusik, Feierabend um 3 Uhr morgens und 25 Franken Eintrittspreis. «Ehrlich gesagt, hatten viele von uns keine Lust mehr, eine Party zu organisieren, die auf 18- bis 25-Jährige ausgerichtet ist.»

«Es gibt Personen, die keine einzige Ausgabe der Party verpasst haben. Ihnen wollen wir etwas zurück­geben.»Thomas Brunner, ehemaliger Vereinspräsident

Die Folge: Die Besucherzahl halbierte sich auf rund 150 Eintritte pro Abend. Und es gab Kritik. «Einige dachten, dass wir uns mit der Preiserhöhung bereichern wollten», sagt Brunner. Dabei wünschten sich die Organisatoren lediglich Respekt für die Qualität des Programms und für ihre Arbeit.

Wird doch vom ganzen Team viel Fronarbeit geleistet, um die Bridge-Party durchzuführen. Zudem mussten sie für bekannte Bands wie Bubi Eifach oder Death by Chocolate entsprechende Gagen aufbringen. «Mit den 25 Franken wollten wir von den Besuchern ein Statement für die Bridge-Party.»

Nicht nur der erhöhte Eintrittspreis, sondern auch das neue Konzept – ohne DJ-Remixes zum Abtanzen bis in die Morgenstunden – war für manche ­Besucher irritierend. «Leute aus meinem Umfeld sagten mir, das sei nicht mehr das, was sie unter Bridge-Party verstünden», sagt Brunner.

Da sie das neue Format und das Line-up an sich nur auf Facebook und Neo 1 vorgestellt hätten, seien wohl nicht genügend Leute angesprochen worden. «Wir waren zu wenig aktiv auf den Social-Media-Plattformen, um mehr Personen für das Festival gewinnen zu können», so Brunner. Aber das sei auch nicht so ihre Welt.

Wehmütiger Entscheid

Der Gedanke ans Aufhören kam auf. Doch für das Team hatten die Ausgaben 2015 und 2016 gefühlsmässig wieder gepasst und die Richtung grundsätzlich gestimmt. Und so traf es sich im Februar 2017, um das diesjährige Fest zu planen. «Wir sammelten Ideen, um das Budget wieder ins Lot zu bringen.» Sponsoring sei keine Alternative, sagt Brunner.

Bisher konnte das Festival ausschliesslich durch die Einnahmen während des Anlasses fi­nanziert werden. Es wurden Lösungen wie das Streichen von Gratisverpflegung für die Helfer und Bands diskutiert. «Aber das entspricht uns nicht.» Deshalb habe die Kerngruppe schliesslich entschieden, dass 2017 die letzte Bridge-Party stattfinden wird. «Wir sind ganz klar wehmütig, denn wir machen eigentlich gerne Kultur», bemerkt Brunner.

Zum hochoffiziellen Ende des Kultanlasses wollen es die Organisatoren nochmals richtig krachen lassen: «Es wird viel Musik geben, auch von Leuten, die schon schon mal auf dieser Bühne gestanden sind.» Ob der in letzter Zeit nicht mehr so oft ­anzutreffende DJ Beat It nochmals zum Tanz auffordern wird, kann Brunner nicht beantworten.

«Aber wir werden uns etwas Spezielles einfallen lassen und möchten den Leuten damit etwas zurückgeben.» Denn es gebe Personen, die keine einzige Ausgabe der Party verpasst hätten. Der Verein möchte die Bridge-Party nicht einfach so begraben, sondern den Abschluss gebührend feiern. Deshalb wird die Brücke 2017 nochmals bis um 4.30 Uhr morgens beben.

Wirklich das Ende?

Da die Gruppe um den aktuellen Vereinspräsidenten Jürg Zaugg aus Lützelflüh grundsätzlich immer noch Freude am Organi­sieren von Kulturanlässen hat, bleibt ab 2018 alles offen. Das ­Label Bridge-Party sei aber Geschichte, betont Thomas Brunner und fügt zögerlich an: «Wenn am 13. August 2017 um 4 Uhr morgens 300 Leute schreien ‹Nid ufhöre! Nid ufhöre!›, dann ... wer weiss!»

Bridge-Party 2017: 11. bis 13. August 2017, Brunnmattbrücke,Emmenmatt.

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