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Die BWO fördert die Farbtupfer

Als vor fünfzig Jahren die Behindertenwerke Oberemmental gegründet wurden, konnten endlich auch Kinder mit geistiger Beeinträchtigung zur Schule gehen. Jetzt feiert die Stiftung Jubiläum.

Die Stiftung feiert Jubiläum: Neubau der BWO in Langnau (Archivbild).
Die Stiftung feiert Jubiläum: Neubau der BWO in Langnau (Archivbild).
Hans Wüthrich

560 Kilometer. Das entspricht der Distanz zwischen Langnau und Avignon. Jeden Tag fahren die Chauffeure so weit, um im oberen Emmental Kinder abzuholen und sie in die heilpädagogische Schule nach Langnau und wieder zurück zu bringen. Es sind Kinder, die wegen einer geistigen Beeinträchtigung keine Regelschule besuchen können.

Bis 1960 wurden die Betroffenen überhaupt nicht geschult. Erst mit dem Bundesgesetz über die Invalidenversicherung habe es eine Möglichkeit gegeben, sie zu fördern, sagte Kathrin Wanner am Montag vor den Medien. Sie ist Geschäftsführerin der Stiftung BWO, die dieses Jahr ist 50-Jahr-Jubiläum feiert.

Die Geschichte der BWO begann also damit, dass sich Eltern zusammenschlossen mit dem Ziel, auch in Langnau eine heilpädagogische Schule zu gründen. 1970 konnten die ersten zehn aufgenommen werden, heute zählt sie rund fünfzig Schülerinnen und Schüler.

Die Schule deckt laut Kathrin Wanner das Gebiet zwischen Konolfingen, Trubschachen, Trub und Schangnau ab. Eine kurze Zeit habe man sie als Internat geführt. Aber laut Wanner sah man ein, dass es besser ist, wenn die Kinder zu Hause leben können.

Begriffe wandeln sich

Die Stiftung wurde als Behindertenwerke Oberemmental (BWO) gegründet. Mit diesem Namen könne sich heute niemand mehr identifizieren, sagte Kathrin Wanner. Zur Zeit der Gründung habe er aber als fortschrittlich gegolten, habe man doch damals noch von Invaliden, Geistesschwachen oder Schwachsinnigen gesprochen. Heute reden die BWO-Mitarbeiter konsequent von Menschen mit Beeinträchtigungen.

Vor etwa acht Jahren hat sich die Leitung überlegt, wie sie ihrer Schule, den Wohngruppen und der Werkstatt einen attraktiveren Namen verpassen könnte. Sie blieb dann bei der Marke BWO.

Weil sich die Abkürzung einerseits etabliert hatte und weil die drei Buchstaben genau das repräsentierten, was ihnen wichtig sei: B wie etwa Bildung und Betreuung, W wie Werkstatt und Würde, O wie Offenheit und Organisation.

Die BWO beschäftigt laut der Stiftungsratspräsidentin Cornelia Schwarzenbach rund 200 Personen. Sie betreuen 260 Menschen mit einer geistigen oder mehrfacher Beeinträchtigung. Und dies an acht verschiedenen Standort.

An der Lenggen in Langnau sind nebst der heilpädagogischen Schule die Verwaltung und vier Wohngruppen zu Hause, eine weitere Wohngruppe befindet sich in der Nähe des alten Coop, eine in Zollbrück und zwei in Konolfingen. In Bärau betreibt die BWO zudem eine Werkstatt.

«Das ist unser KMU, es muss sich voll den Herausforderungen des Marktes stellen», sagte Cornelia Schwarzenbach. Rund 150 Personen mit oder ohne Beeinträchtigungen würden dort arbeiten. Sie verpacken und bauen zusammen.

«Die Werkstatt ist unser KMU, es muss sich voll den Herausforderungen des Marktes stellen.»

Cornelia Schwarzenbach, BWO-Stiftungsratspräsidentin

«Wir stellen keine Eigenprodukte her, sondern sind ein reiner Dienstleistungsbetrieb für Partnerfirmen», machte Werkstattleiter Daniel Steiner klar. Ihre Aufträge erhalte die Firma von zwölf Betrieben der Region, wie etwa Kambly und den Langnauer Druckereien Tanner und Vögeli, sowie 120 Partnerbetrieben in der ganzen Schweiz.

Mehr als Integration

Ziel der Stiftung BWO ist es, dass die ihr anvertrauten Menschen –sie sind zwischen 4- und 71-jährig – am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Nicht bloss Integration, sondern Inklusion werde angestrebt, sagte Kathrin Wanner.

Unter Integration versteht sie die Aufnahme einer Menschengruppe in die übrige Gesellschaft. Unter Inklusion, dass Menschen mit Beeinträchtigungen barrierefrei am sozialen Leben teilnehmen könnten – wie Farbtupfer neben vielen anderen Farbtupfern.

Die BWO wird ihr Jubiläum im Laufe des Jahres mit verschiedenen Anlässen feiern.

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