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Die Emmentaler Bauern erhielten eine Million weniger

Letztes Jahr blieben die öffentlichen Beiträge im Kanton Bern gleich hoch wie im Vorjahr. Nur im Emmental gingen sie ganz leicht zurück.

Susanne Graf
Emmentaler Bauern erhielten 2016 weniger Direktzahlungen als im Jahr davor.
Emmentaler Bauern erhielten 2016 weniger Direktzahlungen als im Jahr davor.
Keystone

Es ist bloss ein Prozent. Nur um so viel haben die Direktzahlungen, die 2016 ins Emmental gingen, gegenüber 2015 ab­genommen. Die Differenz ist gering. Sie macht aber in absoluten Zahlen genau 1 Million Franken aus. Letztes Jahr flossen 97,2 Millionen Franken ins Emmental.

In den meisten anderen Regionen des Kantons haben sich die Zahlungen gegenüber 2015 nicht verändert. Im Oberland, im Berner Jura und im Seeland stiegen sie ebenso leicht, wie sie im Emmental sanken.

Doch warum gingen sie gerade im Emmental zurück? Weil diese Region bis 2013 vom damals geltenden Beitragssystem stärker profitierte als andere. Als mit der Agrarpolitik 2014–2017 die tierbezogenen Beiträge wegfielen, wurden be­fristete Übergangsbeiträge eingeführt, die helfen sollten, die Verluste teilweise zu kompensieren.

Das Emmental habe etwas höhere Übergangsbeiträge erhalten als andere, deshalb sei der jährliche Rückgang hier nun deutlicher spürbar, erklärt Markus Richner, Leiter Abteilung Direktzahlungen im kantonalen Amt für Landwirtschaft und Natur (Lanat). Zudem hätten die Emmentaler die Differenz nicht mit einem Zusatzengagement in freiwilligen Programmen kompensieren können.

Hier weniger, dort mehr

Nebst den Direktzahlungen fliessen jeweils auch zusätzliche kantonale Bei­träge in die Regionen. Auch hier war die Veränderung gegenüber dem Vorjahr in allen Regionen nicht gross. Doch ein Blick auf die entsprechende Tabelle des Lanat zeigt, dass erneut die Emmentaler den anteilmässig grössten Rückgang zu verzeichnen haben, gemeinsam mit den Oberaargauern.

Beide Regionen haben vier Prozent verloren. Im Emmental macht dies 3,7 Millionen aus, im Oberaargau 1,73 Millionen. Auf den einzelnen Betrieb umgerechnet entgingen dem durchschnittlichen Emmentaler Bauern letztes Jahr 842 Franken, während dem Oberaargauer 1014 Franken fehlten. Am stärksten über die Umverteilung freuen konnten sich die Landwirte aus der Region Obersimmental-Saanen. Im Durchschnitt überwies ihnen die öffentliche Hand 2119 Franken mehr als 2015.

Zum Vergrössern auf die Tabelle klicken.
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Doch der Erfolg der Berner Landwirtschaft hängt nicht von den Direktzahlungen ab, obwohl diese mit durchschnittlich 25 Prozent einen grossen Beitrag zum Gesamtertrag beisteuern. Dabei gilt es zu bedenken, dass spezialisierte Mast- und Gemüsebetriebe längst nicht so stark auf die Beiträge angewiesen sind wie etwa Mutterkuhhalter oder Bergbauern. 75 Prozent ihres Einkommens erwirtschaften die Landwirte allerdings mit ihren Produkten.

Laut dem Lanat betrug der Gesamtertrag der Berner Landwirtschaft 2016 2,2 Milliarden Franken. Anders als die Milchproduktion, die unter tiefen Milchpreisen leide, seien etwa die Geflügelhaltung und der Bioackerbau wirtschaftlich attraktiv geblieben, stellt der Kanton weiter fest. Heisst das, dass die Emmentaler gerade im Biobereich aktiver werden sollten?

Noch mehr Bio

Der neue Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann startete letzten Herbst die Biooffensive 2020, die den Biolandbau im Kanton fördern will. Fast ein Viertel aller Berner Biobetriebe befinden sich im Verwaltungskreis Emmental. Der schweizerische Durchschnitt liegt gemäss dem «Schweizer Bauer» bei 12,8 Prozent.

Trotzdem könne das Emmental in diesem Bereich durchaus noch zulegen, meint Markus Richner. «Innerhalb der Region betreiben lediglich 13 Prozent aller Betriebe Biolandbau.» Doch damit, seinen Betrieb von konventioneller auf biologische Produktion umzustellen, ist es nicht getan.

Die Chance, mit Bio mehr Einnahmen zu erwirtschaften, hat laut Richner, wer Futterweizen, Körnermais, Natura-Beef Bio, Brotgetreide und Beeren produziert oder Pouletmast betreibt.

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