Die robuste Weisse vom Land

Der Heimisbach hat etwas, worum ihn so mancher Ort der Schweiz beneiden dürfte: eine eigene Geranie.

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Cornelia Leuenberger

Ringoldswil, Bern, der Malojapass, die Rigi, der Säntis, Grenchen, der Schwarzwald und der Heimisbach: Was haben diese Orte gemeinsam? Eine Geranie, die ihren Namen trägt. «Von Heimisbach» ist, was man von einem echten Emmentaler «Gieu» erwartet: robust, kräftig, aufrecht.

Jedenfalls, wenn von ihrem Wuchs die Rede ist. Geht es um die Blüte, ist sie eher «es schöns Meitschi»: weiss, gefüllt, klein, kugelförmig.Vor dem Verblühen bekommt sie einen leicht rosa Ton, fast, als würde sie sich schämen, dass ihre Schönheit sich dem Ende zuneigt.

Und wenn es dann so weit ist, stellt sich die Heimisbach-Geranie als gar artig heraus: Im Gegensatz zu ihren Kolleginnen lässt sie nämlich kaum einzelne Blütenblätter fallen. Was heisst, dass man nicht ständig um sie ­herum den Boden wischen muss, wenn die Terrasse ordentlich aussehen soll.

Die Kennerin

«Das ist ein grosser Vorteil», sagt Vreni Gfeller und lacht. «Blumen, die viel Arbeit machen, sind nicht unbedingt beliebt.» Die Gärtnerin von der Steinweid in Sumiswald, nur ein paar Meter von der Gemeindegrenze zu Trachselwald entfernt, kennt die Heimisbacherin gut. Seit zwei Jahren kümmert sie sich darum, dass die Geranie weiterexistiert, verteilt wird und immer mehr Balkone und Fenstersimse im Land schmückt.

Entdeckt hat sie sie aber nicht selber: «Im Februar 2015 fragte mich Katrin Burri, ob ich die Geranie in meine Obhut nehmen würde», sagt Gfeller (s. Kasten). Sie sagte zu und bekam im Mai des gleichen Jahres die ersten paar Jungpflanzen. Vreni Gfeller kümmerte sich, die Pflanzen gediehen, die Gärtnerin machte Stecklinge, vermehrte sie.

Diesen Frühling hat sie 150 bis 200 Stück davon verkauft, ein Teil direkt in der Gärtnerei, den anderen im Blumenladen in Sumiswald, den ihre Nichte führt. «Viele Heimisbacher kauften die Geranie, um sie zu verschenken», weiss Vreni Gfeller. So macht sich die hübsche Weisse auf den Weg hinaus in die Welt. Zudem sei die Geranie gerade wegen ihrer Farbe bei jungen Frauen sehr beliebt. «Weiss liegt absolut im Trend.»

Dass sie keine allzu grosse Sauerei macht, ist nur einer der Vorteile der Heimisbacherin. Robust, wie sie ist, macht sie nicht gleich beim erstbesten Regen schlapp, wie es Geranien sonst gern tun. «Die Blüte leidet während eines kräftigen Regengusses natürlich auch, aber sie erholt sich rasch. Und der Stock bleibt schön», weiss Vreni Gfeller.

So leicht lässt sich die Geranie sowieso nicht unterkriegen. «Die Pflanze wird recht hoch, sie vergabelt sich, ihr Wuchs ist fast ein bisschen wild.»

300 Nachkommen

Jetzt, im August, sorgt Vreni Gfeller bereits für den kommenden Frühling vor. 72 Stecklinge hat sie schon gepflanzt. Nun lässt sie den «Mutterpflanzen» im Gewächshaus etwa anderthalb Monate Zeit, dann wird wieder abgeschnitten und eingepflanzt.

So wird sie bis Anfang, Mitte Frühling, wenn der grosse Ansturm auf die Geranien losgeht, etwa 300 neue Heimisbacherinnen haben – von der ganz kleinen, die sie für circa 3 Franken verkauft, bis zur mittelgrossen, die um 20, 25 Franken kosten wird.

Natürlich steht dann nicht nur «von Heimisbach» zum Verkauf. Vreni Gfeller zieht mehrere Geraniensorten selber nach, etwa auch Rosalinde, eine rosa Geranie, die schon viele Jahre ins Steinweid-Sortiment gehört. Auch sie eine alte, robuste Sorte.

Und wenn die Heimisbacherin und die Rosalinde ausverkauft sind? «Dann ist Schluss», sagt Vreni Gfeller und lacht wieder. Einfach in die Börse fahren und Nachschub holen funktioniere bei Eigengewächsen nicht.

Wer die schöne Weisse auf seinem Fensterbrett haben will, macht sich nächsten Frühling also besser frühzeitig auf den Weg in die Steinweid.

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