Die Schulkommission lenkt ein

Langnau

Eigentlich ­müssten im August die ersten Kinder aus der Langnauer Sonnenarena in Bärau in den Kindergarten. Doch die Eltern wehrten sich und die Schulkommission gab nach. Jetzt bleiben die ­Sprösslinge im Dorf Langnau.

Wenn es dunkel wird, gehen in der noblen Sonnenarena nicht so viele Kinder zu Bett, wie die Schulkommission einst erwartet hatte.

Wenn es dunkel wird, gehen in der noblen Sonnenarena nicht so viele Kinder zu Bett, wie die Schulkommission einst erwartet hatte.

(Bild: Rob Lewis/zvg)

Zumindest in Bärau dürften sich einige Bewohner der Sonnenarena ein paar Sympathiepunkte verscherzt haben. Drei Familien aus dem neuen Quartier am östlichen Rand des Dorfes Langnau wehrten sich: Sie wollten ihren Nachwuchs nicht im Kindergarten Bärau einschreiben lassen.

Dabei hat die Schulkommission bereits im Sommer 2014 beschlossen, dass die Sprösslinge aus der Sonnenarena dereinst nicht im Dorf, sondern in Bärau unterrichtet würden. Lange bevor die fast hundert Wohneinheiten an der exquisiten Lage gebaut waren, wussten die potenziellen Käufer und Mieter also um den knapp zwei Kilometer langen Schulweg nach Bärau.

Nach dem Einzug das Gesuch

Ohne Diskussion war der Entscheid der Schulkommission damals nicht zur Kenntnis genommen worden. Es wurde etwa befürchtet, die Marazzi und Paul Architekten AG würde ihre 57 Eigentumswohnungen und die 39 Mietwohnungen unter diesen Umständen nicht an den Mann bringen können. Nun sind die Wohnungen allesamt verkauft und die Mietwohnungen bis auf drei kleinere Einheiten ebenfalls bewohnt.

Als es aber für die ersten Familien ernst wurde mit dem Einschreiben für den Kindergarten, wollten sie das Verdikt der Schulkommission nicht akzeptieren. Sie stellten ein Gesuch um Umteilung. Und die Schulkommission hat dieses bewilligt. In Langnau heisst es nun, die Bewohner des noblen Quartiers hätten den Behörden mit dem Anwalt gedroht, deshalb sei die Kommission schwach ge­worden. Doch die zuständige Gemeinderätin und Schulkommissionspräsidentin Renate Strahm (SP) korrigiert: Die besagten Eltern hätten lediglich Kontakt aufgenommen zu einem ehemaligen Schulinspektor, der sich als Mediator angeboten habe.

Weiter erklärt die Bildungsvorsteherin: Die Kommission habe dem Gesuch entsprochen, weil sich die Schülerzahlen im Dorf nicht so entwickelten, wie es 2014 erwartet worden sei: «Damals hätten wir keinen Platz gehabt in den Kindergärten an der Asylstrasse und im Hinterdorf.» Inzwischen sei das anders. «Es ist nachvollziehbar, dass es die Eltern nicht verstanden hätten, wenn ihre Kinder an einem Schulhaus mit freiem Platz vorbei nach Bärau hätten fahren müssen», sagt Renate Strahm. Wobei sie im Hinterdorf vom Schulbus abgeholt worden wären.

«Wir hatten eine gute Transportlösung», sagt die Gemeinderätin, und man spürt, dass ihr der Kompromiss nicht leichtgefallen ist. «Aber alles andere wäre dem Durchstieren einer Idee gleichgekommen, die den heutigen Verhältnissen nicht mehr ganz entspricht.»

Doch Renate Strahm betont: «Im Grundsatz bleiben wir beim damals gefällten Entscheid, dass Kinder aus der Sonnenarena in Bärau zur Schule gehen.» Durchgesetzt werde dieser erst, wenn das neue Quartier mehr schulpflichtige Kinder hervorbringe. Bislang sind es 11. 3 besuchen die Sekundarschule, 4 werden im Dorf unterrichtet, weil sie schon vor dem Einzug in die Sonnen-arena dort eingeschult waren, und ein weiterer, weil er im Projekt Talent (Sport- und Musik­förderung) mitmacht. Die drei Jüngsten gehen ab August an der Asylstrasse und im Hinterdorf in den Kindergarten und besuchen danach die Schule im Hinterdorf.

Während die Schülerzahlen im Dorf nicht so stark wuchsen, wie die Schulkommission das 2014 erwartet hatte, zogen weniger Familien in die Sonnenarena als ­angenommen. «Im Durchschnitt gibt es pro hundert Wohneinheiten ­etwa 25 schulpflichtige Kinder», sagt Renate Strahm. In der Sonnenarena seien es deutlich weniger. Mit jenen im Vorschulalter seien es aktuell 17.

Das Problem in Bärau

«Ich verstehe, dass die Bärauer nun enttäuscht sind», sagt die Schulkommissionspräsidentin. «Aber die 3 Kinder hätten das Problem, das wir dort haben, nicht gelöst.» Dort sei die Klasseneinteilung wegen häufiger Zu- und Wegzüge extrem schwierig. «Die Schülerzahlen sind sehr stark schwankend.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt