Die schwierige Suche beginnt

Burgdorf/Langenthal

Die Firma 3M zieht Ende Jahr von der Kirchbergstrasse in Burgdorf nach Langenthal. Damit wird in der Emmestadt eine der wichtigsten Industrieliegenschaften frei.

Gross, zentral gelegen – und bald leer: Die 3M Emea GmbH verlässt Burgdorf in Richtung Oberaargau.

Gross, zentral gelegen – und bald leer: Die 3M Emea GmbH verlässt Burgdorf in Richtung Oberaargau.

(Bild: Thomas Peter)

Philippe Müller

Ein Flaggschiff folgte aufs nächste: An der Kirchbergstrasse 190 in Burgdorf war zunächst jahrelang der Pharmakonzern Roche mit seiner Diabetes Care AG zu Hause. Anfang 2013 wurde dann der Forschungs- und Entwicklungsbereich von Insulinpumpensystemen ins deutsche Mannheim verlegt, in Burgdorf gingen auf einen Schlag 300 Arbeitsplätze verloren.

Die klaffende Lücke, die Roche in der Emmestadt hinterliess, konnte rasch und vor allem adäquat gefüllt werden: Im April 2013 warf die international tätige 3M Emea GmbH in Burgdorf den Anker aus und übernahm im Mietverhältnis das Hauptgebäude von Roche. Die rund 220 Mitarbeiter von 3M wachen seither vom Emmental aus darüber, dass von der Herstellung bis zur Auslieferung der berühmten gelben Post-it-Zettel und 50 000 anderer Produkte nichts schiefgeht.

Bald ist es damit vorbei, denn 3M bezieht Ende Jahr einen ­Neubau auf dem Geiser-Areal in ­Langenthal. Kommt also bald der nächste Weltkonzern nach Burgdorf?

Eher mehrere Mieter

Das ist zwar nicht ganz ausgeschlossen, aber auch nicht sehr wahrscheinlich. Max Bucher von der Bieler Liegenschaftsvermittlung Immoveo ist damit betraut, einen oder mehrere Nachfolger für 3M zu finden. Er sagt: «Wer eine Fläche von über 4000 Qua­dratmetern sucht, baut heute in der Regel selber.»

Deshalb werde es sehr schwierig sein, einen einzigen Mieter, sprich ein weiteres grosses Unternehmen, an Land zu ziehen. «Ich rechne eher ­damit, dass sich am Ende mehrere mittelgrosse Firmen das Gebäude teilen werden.» Bucher kann einem Mix von verschiedenen Firmen vor allem Positives abgewinnen: «Mit einem Grosskonzern, der die ganze Fläche ­beanspruchen würde, wäre das Klumpenrisiko deutlich grösser als mit mehreren Mietern.»

Auf den Plakaten, die seit kurzem an mehreren Orten rund um den Burgdorfer Bahnhof hängen, wird explizit nach Mietern gesucht, die eine Fläche zwischen 800 und 4300 Quadratmetern benötigen. Der Verhandlungspreis beginnt bei bei 150 Franken pro Quadratmeter und Jahr. Bucher sei mit mehreren Interessenten im Gespräch. Das Ziel der Liegenschaftsbesitzerin Immobilienfonds Procimmo Swiss Commercial Fund sei es, die Räumlichkeiten möglichst nahtlos weiterzuvermieten, sagt er.

Stadt mischt mit

Auch die Stadt Burgdorf hat ein grosses Interesse daran, dass die Gewerbeliegenschaft an der Kirchbergstrasse nicht lange verwaist ist. Denn einerseits sind leer stehende Dienstleistungs­gebäude für einen ambitionierten Wirtschaftsstandort wie Burgdorf nicht eben förderlich. ­Zudem böte sich der Stadt mit dem Zuzug neuer Firmen die ­Gelegenheit, zusätzliche Einwohner und damit Steuerzahler zu gewinnen.

Deshalb engagiert sich die Stadt bei der Suche nach einem oder mehreren Nachfolgern für 3M aktiv. Sie hat den Verein ­Gesundheitswirtschaft Burgdorf eingeschaltet, der neu unter dem Namen «B. for health» auftritt.

Der noch junge Verein ist eine ­Interessengemeinschaft von Unternehmen, Institutionen und der Stadtverwaltung, welche am Standort Burgdorf und im Emmental die Industrie, Dienstleistungen und Ausbildungsangebote im Bereich Gesundheit durch ­Koordination und Vernetzung stärken will. ­«B. for health» hat für die Liegenschaft ein Dossier erarbeitet, mit dem nun in enger Zusammenarbeit mit Immobilienvermittler Max Bucher der Markt bearbeitet wird.

Für Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch wäre es naheliegend, wenn sich eine oder mehrere Firmen aus dem Medizinal- und Gesundheitscluster in Burgdorf niederlassen würden. «Es sind aber auch andere Unternehmen willkommen.» Hoffnung setzt Zäch auch in die Wirtschaftsförderung des Kantons Bern, die ebenfalls eingebunden ist und die Liegenschaft in ihre Datenbank aufgenommen hat.

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