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Die Treue beruht auf Gegenseitigkeit

Die Spar- und Leihkasse Wynigen und die ­Ersparniskasse Affoltern ­gehören gemäss einer Studie zu den besten Retailbanken der Schweiz. Sie sind aber auch eng mit ihren Gemeinden verbunden.

«Affoltern ist unsere Heimat», sagt Christoph Müller.
«Affoltern ist unsere Heimat», sagt Christoph Müller.
Thomas Peter
Margrit Friedli setzt in Wynigen auf das Kerngeschäft einer Lokalbank.
Margrit Friedli setzt in Wynigen auf das Kerngeschäft einer Lokalbank.
Thomas Peter
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Poststellen gehen zu. Bankfilialen schliessen. Bancomaten verschwinden. Geballte Fäuste knallen auf Tische. Flugblätter machen die Runde. Das Volk begehrt auf. Meist ohne Erfolg. Nein, kleine Dörfer und Randregionen haben es nicht leicht heutzutage. Schön, wenn es Ausnahmen gibt.

Zwei Emmentaler Dörfer können sich in dieser Hinsicht glücklich schätzen. Affoltern hat die Ersparniskasse und Wynigen die Spar- und Leihkasse – zwei Ausnahmebanken in jeder Hinsicht.

Ein guter Ruf

Jedes Jahr publiziert das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern ein Ranking. Darin gehören die Spar- und Leihkasse Wynigen AG und die Ersparniskasse Affoltern i. E. AG regelmässig zu den besten fünf Retailbanken der Schweiz. Die Hochschule hat für das Ranking die Kennzahlen von 94 Finanzinstituten analysiert.

Ein Blick in die Zahlen zeigt eine solide Gesundheit hier wie da. So haben beide gemäss den Auswertungen etwa eine sehr ­hohe Liquidität vorzuweisen. Die Eigenmittelquote zeigt bei beiden mit um die 13 Prozent eine hohe Sicherheit. Und ausgege­bene Kredite können fast ausschliesslich über Kundengelder refinanziert werden.

Sie haben es geschafft, das Gute von früher mit dem Nötigen von heute zu verknüpfen.

Die beiden Banken sind aber eben nicht einfach nur gesunde Unternehmen. Sie haben auch einen guten Ruf bei den Kunden, tiefe Fluktuationsraten beim Personal und sind eng und lange mit ihren Gemeinden verbunden. So verwaltet die Ersparniskasse Affoltern bereits seit 1873 das Geld ihrer Kunden. Und die Spar- und Leihkasse gehört schon seit 1929 zu Wynigen. Gemeindepräsident Fabian Horisberger sagt es treffend: «Schon unsere Urgrossmütter hatten ein Konto bei der Spar- und Leihkasse.»

Natürlich ist es so, dass es in beiden Gemeinden wenig Konkurrenz gibt, dass die Zinsmargen im Vergleich zu Grossbanken eher hoch sind und die meisten Leute sowieso eine Bank in der Nähe ihres Wohnortes wählen. Und trotzdem ist es heute nicht selbstverständlich, dass ein Geldinstitut einem kleinen Dorf die Treue hält und halten will.

Klassische Öffnungszeiten

Beide Banken haben es aber offenbar geschafft, das Gute von früher mit dem Nötigen von heute zu verknüpfen und so für alle das Richtige zu bieten. Für die progressiven Kunden liefern sie die nötigen digitalen Angebote wie E-Banking und Mobile-App, setzen aber auch immer noch auf den persönlichen Kontakt. So haben beide noch richtige Schalteröffnungszeiten: von 8 Uhr bis 17 Uhr mit einer schönen, schon fast klassischen Mittagspause von eineinhalb Stunden dazwischen.

Fabian Horisberger mag gerade das ganz besonders. Er sei trotz seiner erst vierzig Jahre nämlich nicht der typische Internetkunde, wie er sagt. «Ich mag den persönlichen Kontakt.» Er führe mit seinen Kindern auch noch ein Sparbüchlein und bringe das Geld jeweils mit ihnen gemeinsam auf die Bank. «Wir sind froh, dass das noch möglich ist.»

«Schon unsere Urgrossmütter ­hatten ein Konto bei der Spar- und Leihkasse.»

Fabian HorisbergerGemeindepräsident Wynigen

Die Wertschätzung ist gegenseitig. Margrit Friedli, Geschäftsführerin der Spar- und Leihkasse, kennt das Erfolgsrezept: «Wir kennen die Bevölkerung, und die Bevölkerung kennt uns», sagt sie. «Wir konzentrieren uns auf das Kerngeschäft einer Lokalbank und gehen vorsichtig mit dem Geld um.»

Auch in Affoltern ist man voll des Lobes für die eigene Bank. «An der Ersparniskasse könnten sich viele eine Scheibe abschneiden», meint Gemeindepräsident Marius Zollet. «Sie hat es nicht, wie andere, nur auf den grossen Gewinn abgesehen.» Sie arbeite vorsichtig, transparent und kundenfreundlich. Die Bank sei ganz wichtig für die Gemeinde, ein ­guter Arbeitgeber und natürlich auch Steuerzahler.

Christoph Müller wiederum, Geschäftsführer der Ersparniskasse, weiss, was die Bank an der Gemeinde hat: «Affoltern ist unsere Heimat.»Die Loyalität der Gemeinde und der Bevölkerung sei gross. Die Marktdurchdringung liege hier bei 90 Prozent. «In Affoltern wurde die Bank gegründet, und in dieser Region sind die Wurzeln des Erfolges.»

Engagement für die Region

Dass den Banken ihre Regionen etwas wert sind, zeigt sich auch an ihrem Engagement. So hat etwa die Ersparniskasse Affoltern vor einigen Jahren absichtlich einen Abzug bei den Steuern nicht vollzogen und damit die Gemeindekasse mit einem sechsstelligen Betrag aufgebessert. Die Spar- und Leihkasse Wynigen wiederum ist schon bei gemeindeinternen Bauprojekten mit Krediten in die Bresche gesprungen, weil sich kein Investor hatte finden lassen. Laut Gemeindepräsident Horisberger tat sie dies einzig der Entwicklung der Gemeinde zuliebe. «Aussenstehende Banken hatten den Wert des Bauprojekts für das Dorf nicht erkennen können. Es ist eben gut, wenn eine Bank noch vor Ort ist.»

Dass beiden Gemeinden Ähnliches passieren könnte wie etwa Schangnau, wo die Raiffeisenbank vor kurzem ihre Filiale schloss, ist eher unwahrscheinlich. Es gebe keine Pläne, die Öffnungszeiten zu reduzieren oder gar die Schalter zu schliessen, heisst es hier wie da. Ausnahmsweise bleibt alles beim Alten.

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