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Dieser Verein hat sich verrechnet

Der Verkehrsverein Signau-Schüpbach wollte dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen begehen. Doch Lokalhistoriker Alex Fabel musste korrigieren: Es gibtihn schon viel länger.

Karikatur: Max Spring

Die Flyer sind verteilt und verschiedene Anlässe angekündigt. Der Verkehrsverein Signau-Schüpbach (VVS) begann bereits 2015 mit der Planung seines 100-Jahr-Jubiläums. «Das war noch zu Zeiten meines Vorgängers», sagt Daniel Borle.

Doch als diese Zeitung nach einer Chronik fragte, machte der neue Vereinspräsident beim Lokalhistoriker eine überraschende Entdeckung: «Im Jahr 1981 feierte der Verein sein 75-jähriges Bestehen», klärte ihn Alex Fabel auf. Das bedeutet, dass der Verein dieses Jahr bereits 111-jährig wird.

Fabel kann dies auch belegen: Zum 75-Jahr-Jubiläum verfasste der ehemalige Vereinspräsident, Notar Haldemann, eine Protokollzusammenstellung. Darin enthalten ist unter anderem ein Auszug über die Hauptversammlung vom 8. Juni 1906, in dem steht: «Alle Mitglieder des VVS haben die Statuten zu unterschreiben.»

«Die Schnapszahl 111 eignet sich eigentlich sehr gut dafür, das 100- jährige Bestehen nachzufeiern.»

Vereinspräsident Daniel Borle

Nach dem ersten Schock dar­über, dass man das eigentliche Jubiläum verpasst hat, entschied sich der Verein, aus der Not eine Tugend zu machen. «Die Schnapszahl 111 eignet sich eigentlich sehr gut dafür, das 100-jährige Bestehen nachzufeiern», findet Daniel Borle.

Heute Bänkli, einst Strassen

Im Gründungsprotokoll von 1906 ist der ursprüngliche Vereinszweck beschreiben: «Zum Schutze der Interessen des Dorfes nach innen und aussen und zur Bekämpfung der manchmal zum Teil sehr illoyalen Konkurrenz.» Seit 111 Jahren kümmert sich der Verein also um das Dorfbild, unterhält beispielsweise den Blumenschmuck bei den Ortseingängen oder die Ruhebänke.

Auch Sportlerehrungen und die Organisation von Bundesfeier und Waldweihnachten gehören zu seinen heutigen Aufgaben. Der Verein hat einen Leistungsvertrag mit der Gemeinde und erhält entsprechend Beiträge. Daneben finanziert er die Ausgaben mit Spenden und Einnahmen aus den verschiedenen Anlässen.

1906 leisteten die Mitglieder noch einen Pflichtbeitrag, wie den Dokumenten von Alex Fabel zu entnehmen ist: 3 Franken pro Jahr. Auch die Tätigkeiten haben sich verändert. So finanzierte 1910 zum grössten Teil der Verkehrsverein den Strassenbau ­Signau–Steinen–Ryffersegg.

Wäre der Erste Weltkrieg nicht ausgebrochen, gäbe es heute vielleicht sogar eine Eisenbahnstrecke von Signau nach Eggiwil und Steffisburg.

Die Gemeinde beteiligte sich nur mit 150 Franken. Auch den Waldweg vom Niedermattgraben auf die Moosegg liess der Verein verschönern. Die Arbeiten erledigten die «Weganstösser», die 1911 für einen zehnstündigen Arbeitstag gerade mal 4 Franken erhielten. Wäre der Erste Weltkrieg nicht ausgebrochen, gäbe es heute vielleicht sogar eine Eisenbahnstrecke von Signau nach ­Eggiwil und Steffisburg.

Der Verkehrsverein beteiligte sich 1913 zwar eher skeptisch an einem entsprechenden Bauprojekt, das durch den Krieg gestoppt wurde. Sogar die Projektkosten für einen Eisenbahntunnel zwischen Langnau und Aeschau wurden berechnet: 696'000 Franken.

Unterhaltung und Bildung

Im Zweiten Weltkrieg spielte der VVS eine wichtige Rolle: Auf Befehl des Armeekommandos entfernten die Mitglieder alle Wegweiser in der Gemeinde. Später sorgten sie für die Unterhaltung französischer Soldaten, die in Signau interniert waren.

Sie planten etwa einen «Vortrag mit Film in französischer Sprache» über die Lötschbergbahn. Der Verein engagierte sich aber auch im Bildungswesen. Er setzte sich ein für eine Mädchenfortbildungsschule, eine Handwerkerschule und für den hauswirtschaftlichen Unterricht in der Gemeinde.

Kein grosses Fest

Der Verkehrsverein wird sein Jubiläum im Laufe dieses Jahres mit verschiedenen kleinen Anlässen nachfeiern: Am Ostermontag lädt er zum Eiertütschen ein, ab dem 7. Mai organisiert er eine Bänkli-Wanderung, und auch die Fête de la musique vom 24. Juni steht unter der Ägide der 111-jährigen Organisation.

Am 22. Oktober soll ein weiterer Event stattfinden, zu dem aber noch keine Details bekannt sind. Auch die örtlichen Geschäfte ­feiern mit und verkaufen dieses Jahr Jubiläumswürste und ­-brote.

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