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Ein Friedhof stirbt

Vor 20 Jahren wurde der Friedhof zwischen St. Niklaus und Hellsau geschlossen. Nur noch wenig erinnert heute an die frühere Ruhestätte.

Im Januar 2017 wurde die Steintafel aufgestellt, die an den verschwundenen Friedhof erinnern soll.
Im Januar 2017 wurde die Steintafel aufgestellt, die an den verschwundenen Friedhof erinnern soll.
Thomas Peter

In der Berner Zeitung vom Donnerstag, 13. August 1998, war zu lesen: «Letzte Ruhestätte für Verstorbene wird zum Ruheplatz für Wanderer».

Es ging um einen kleinen Friedhof an der alten Bern-Zürich-Strasse zwischen St. Niklaus und Hellsau. Dort hatten einst die Bewohnerinnen und Bewohner des nahe gelegenen Asyl Got­tesgnad ihre letzte Ruhe gefunden. Die Institution heisst natürlich längst nicht mehr so; sie wird heute «Regionales Wohn- und Pflegeheim St. Niklaus» genannt.

Das tut hier aber nichts zur Sache. Hier soll an den alten Friedhof erinnert werden, der vor 20 Jahren selber das Zeitliche segnete, weil er nicht mehr gebraucht wurde. Mit Pferd und Wagen waren die Toten in früheren Zeiten vom 1905 gegründeten Asyl auf den kleinen Gottesacker an der Hauptstrasse gebracht worden.

Ab Anfang der 1960er-Jahre wurden die Menschen vom Heim in ihren Wohngemeinden beerdigt; wer nirgends einen Platz hatte, fand auf dem Friedhof in Koppigen seine letzte Ruhe.

So war 1998, 25 Jahre nach der letzten Beerdigung, die Zeit des Friedhofs definitiv abgelaufen. Die baufällige kleine Kapelle auf dem Areal – sie hatte als ­Aufbahrungsraum gedient – wurde abgerissen, die hohe Thujahecke abgeholzt.

Die Gräber verschwanden. Nur die beiden mächtigen Linden blieben un­berührt. Man werde, sagten die Verantwortlichen, eine Naturwiese ansäen und zwei oder drei Ruhebänke aufstellen, sodass sich Wanderer zu einer Rast niederlassen könnten.

Im Juni 2016 war der Friedhof, respektive die alten Linden, wieder Thema in dieser Zeitung. Die Bäume waren gefällt worden. Der Kanton hatte sie kontrolliert und aus Sicherheitsgründen ein massives Zurückschneiden verlangt. Zudem hätten sie jedes Jahr von einem Baumchirurgen überprüft und behandelt werden müssen, was jedes Mal Kosten von mehreren Tausend Franken nach sich gezogen habe.

Geld, das man im Wohn- und Pflegeheim St. Niklaus, dem das Areal immer noch gehört, nicht ausgeben wollte. Zumal, so war zu vernehmen, die Bäume nach dem massiven Rückschnitt auch nicht mehr schön ausgesehen hätten. An die Stelle der alten wurde eine junge Linde gepflanzt.

Den bis jetzt letzten Auftritt in der Zeitung hatte der kleine Friedhof im Januar 2017. Damals berichteten wir über eine Steintafel, die Daniel Ritter, Bildhauer mit Atelier in Hellsau, auf der Wiese aufgestellt hatte. Sie trägt als Inschrift ein Zitat von Pier Paolo Pasolini: «Die Welt will mich nicht mehr und weiss es nicht», und soll an den einstigen Friedhof erinnern.

Übrigens: Schon 1998 hatte sich ein Leserbriefschreiber darüber aufgehalten, dass auf dem Areal Ruhebänke aufgestellt werden sollten. Die Zeit der Wanderschaft sei an der viel befahrenen Strasse längst vorbei, meinte er. Niemand werde sich dort je zur Ruhe niederlassen. Er mag recht haben, trotzdem wartet auch heute noch eine Bank auf Ruhesuchende. Es könnte ja sein, dass irgendwann doch noch jemand vorbeikäme.

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