Rätsel um den Erizer Bär ist gelöst

Das Berner Jagdinspektorat und Wildtierspezialisten haben den Weg des Bären M29, der Ende Mai im Eriz und im September im Gental gesichtet wurde, nachgezeichnet.

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Philippe Müller

Ob es an der plötzlichen Erfolglosigkeit der Squadra azzurra liegt, dass er sich von seinem Geburtsland fernhält, ist natürlich reine Spekulation. Fakt ist: Der Bär M29, der sich zuletzt im Kanton Bern aufhielt, ist – ob Fussballfan oder nicht – Italiener. Er wurde wahrscheinlich im Winter 2013 als Sohn der Bärin F09 im italienischen Naturpark Adamello-Brenta geboren. Die Grenze zur Schweiz hat er wohl Ende April 2016 überquert. Seither pendelt er zwischen mehreren Kantonen hin und her.

Das Jagdinspektorat des Kantons Bern hat gemeinsam mit der Koordinationsstelle für Raubtierökologie und Wildtiermanagement (Kora) den Weg von M29 nachgezeichnet. Einiges ist dabei Fakt, es sind aber auch Vermutungen dabei. Die italienische Herkunft nachweisen konnte das Jagdinspektorat anhand eines Haares des Bären, wie der Berner Jagdinspektor Niklaus Blatter erklärt: «Ein Jäger beobachtete im Gental den Bären, wie er mit einem Tännchen spielte. Der Wildhüter konnte später beim Baum ein Haar finden.» Die Probe passte im wörtlichsten Sinn haargenau zu zwei genetischen Spuren, die der Bär 2014 und 2016 in Italien hinterlassen hatte.

Wohl kein separater Urner Bär

Die Kora-Fachleute gehen davon aus, dass es sich bei M29 auch um jenen Bären handelt, der ab Frühling 2016 während rund eines Jahres immer wieder im Kanton Uri gesichtet wurde. «Genetisch beweisen können wir das zwar nicht», sagt Andreas Ryser von der Fachstelle Kora. «Aber der zeitliche Ablauf und die ­Distanzen passen sehr gut.» So sei beispielsweise in Uri nie mehr ein Bär gesichtet worden, seit M29 in Bern nachgewiesen worden sei.

Graubünden, Uri, Bern

Kora stellt sich die Wanderroute des Bären so vor (siehe Grafik): Nach dem Grenzübertritt westlich des Splügenpasses im Frühling 2016 ist er nach Thusis und Trun im Graubünden gepilgert, wie Aufnahmen von Fotofallen nahelegen. Danach wurde er erstmals im Kanton Uri gesichtet, später kurz im Kanton Schwyz. Kora vermutet, dass M29 bisweilen rund 40 Kilometer pro Tag ­zurücklegte. Den einzigen bisher bekannten Schaden richtete der Bär im April dieses Jahres in Uri an, als er in ein Bienenhäuschen einbrach.

Etwa einen Monat später, Ende Mai 2017, wurde M29 erstmals im Kanton Bern fotografiert, genauer im Eriz. Das war ein historisches Ereignis. Erstmals nach 190 Jahren wurde in Bern wieder ein Bär nachgewiesen. M29 liess sich zwischen Mai und September auch in der Sustenregion und eben im Gental blicken.

Schläft er schon?

Seit dem genetischen Abdruck an der Tanne hat der Bär keine sichtbaren Spuren mehr hinterlassen. Es sei völlig offen, ob er sich noch im Kanton Bern aufhalte oder weitergezogen sei, sagen Jagdin­spektor Blatter und Bärenexperte Ryser. «Im Kanton Uri wurde er auch einmal längere Zeit nicht gesehen und tauchte dann fast am gleichen Ort wieder auf», so Ryser. Das würde dafür sprechen, dass er sich durchaus noch im Berner Oberland aufhalten könnte. «Es ist fast alles möglich.»

Wahrscheinlich habe sich M29 zuletzt dank Beeren, Pilzen, ­Maden und Buchennüssen Speck zugelegt, um bald Winterruhe zu halten. Bevor er wieder auftaucht. Irgendwo.

Berner Zeitung

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