Ein Haarschnitt im neuen Ladenmix

Burgdorf

Der Verein Fuchs und Specht hat seinen Co-Working-Space eröffnet. Von der Coiffeuse bis zur Verkäuferinarbeiten dort Leute mit den unterschiedlichsten Berufen. Ein Augenschein vor Ort.

Der erste Kunde: Christoph Balmer wird von Xenia Jundt frisiert.

Der erste Kunde: Christoph Balmer wird von Xenia Jundt frisiert.

(Bild: Thomas Peter)

Der Blick aufs eigene Antlitz ist bei einem Coiffeurbesuch unvermeidlich. Gnadenlos hängt der Spiegel auf Gesichtshöhe. Und bunte Klammern, Alufolie oder sonstige Utensilien im Haar machen den Anblick nicht gerade vorteilhafter. Dieses Coiffeur­dilemma kann umgehen, wer sich von Xenia Jundt die Haare schneiden lässt. Ist der Spiegel doch recht klein und lässt Raum für den einen oder anderen Blick aus dem grossen Fenster, an dem er befestigt ist.

Ihr Kunde an diesem Donnerstagmorgen weiss das zu schätzen. «Die Leute auf der Strasse sind schöner als ich», witzelt Christoph Balmer. Der Geschäftsführer von Pro Burgdorf ist einer der Ersten, die sich in den neu bezogenen Räumen von Fuchs und Specht die Haare schneiden lassen.

Wollpullover und Meringue

Der sogenannte Co-Working-Space an der Hofstatt 5 feierte am vergangenen Sonntag seine Eröffnung. Nebst dem Coiffeur­salon bieten die Räumlichkeiten Platz für einen kunterbunten Mix. So liegen auf einem Tisch Handys, zerlegt in Einzelteile. Ein junger Mann wird dort ­Mobiltelefone reparieren. Zwei Schreibtische können für Büroarbeiten gemietet werden, und ein Laden bietet die unterschiedlichsten Waren feil – vom Wollpullover bis zur Meringue. Ab Anfang 2018 wird dann auch die ehemalige Café-Bar Specht gleich nebenan wiedereröffnet werden. Dort sollen Teilzeitgastronomen den Traum vom eigenen Restaurant realisieren können.

Tief angesetzte Preise

«Wir sind erst in der Startphase, vieles kann sich noch entwickeln», sagt Christoph Schafroth. Er ist Prä­sident des Vereins Fuchs und Specht, der den Co-Working-Space betreibt. So seien auch die Preise für die Miete vorerst recht tief angesetzt. 30 Franken zahlt, wer einen Arbeitsplatz für einen Tag mieten will. Die Ladenfläche kostet pro Quadratmeter monatlich 30 Franken. Auch die Fixkosten sind in der Startphase noch tiefer. Denn die Ladenvereinigung Pro Burgdorf übernimmt bis Ende Jahr die Miete.

Damit Fuchs und Specht nach dieser Phase rentiere, müssten die Räumlichkeiten jeweils zu 50 Prozent belegt sein, sagt Schafroth. Schaut man sich den Belegungsplan an, ist dies derzeit noch nicht der Fall. Doch ist beinahe an jedem Wochentag jemand vor Ort. Am Donnerstag wird jeweils Coiffeuse Xenia Jundt anzutreffen sein. Viele Jahre war sie in einem Berner Coiffeursalon angestellt. «Jetzt will ich den Schritt in die Selbstständigkeit wagen», sagt sie. Weil sie Kinder habe, könne sie aber nur Teilzeit arbeiten. Ein eigener Salon sei deshalb kein Thema. Zudem gefalle ihr, dass hier ganz unterschiedliche Leute arbeiten würden.

«Gut für die Linie»

So auch Andrea Gerstl. Die Ersigerin verkauft ihr selbst gemachtes Knäckebrot. Statt Zucker und Mehl hat dieses Chia- und Leinsamen drin. «Ist gut für die Linie», sagt sie und lacht. Hier könne sie testen, wie ihre Backwaren ankämen. Einmal in der Woche wird Andrea Gerstl den Laden betreuen. An den übrigen Tagen werden ihn jene, die gerade vor Ort sind, hüten.

Berner Zeitung

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