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Ein Vierteljahrhundert unter Strom

Seine Stelle ist schon ausgeschrieben, obwohl er erst 2019 in den Ruhestand geht: Heinrich Luder hat 25 Jahre lang die Geschicke der Energie AG geleitet.

In einem Rieghaus im alten Dorfkern ist die Energie AG zu Hause. Hier parken auch die Elektroautos der Firma. Bald steht laut Chef Heinrich Luder aber ein Umzug an.
In einem Rieghaus im alten Dorfkern ist die Energie AG zu Hause. Hier parken auch die Elektroautos der Firma. Bald steht laut Chef Heinrich Luder aber ein Umzug an.
Thomas Peter

Heinrich Luder, 60-jährig, mit Schnauz, Jeans und kariertem Hemd, wirkt, als wäre er unter Strom. Er rutscht auf seinem ­Bürostuhl hin und her, vor und zurück. Während des Gesprächs klingelt das Telefon zweimal. Dreimal klopft es an der Tür.Heinrich Luder ist der Geschäftsführer der Energie AG Sumiswald, die einst Elektrizitätsversorgung (EVS) und noch früher Licht- und Kraftanlage hiess.

Ein Unternehmen, das 1904 als Genossenschaft gegründet wurde, um Licht in dunkle Stuben zu bringen, und heute als Aktiengesellschaft nicht nur 36 Millionen Kilowattstunden Strom bereitstellt, sondern auch Wärme und Internetverbindungen in die Häuser und Betriebe der Gemeinde liefert (siehe Kasten).

Am 1. Mai wird Heinrich Luder sein 25-Jahr-Jubiläum feiern. 2019 lässt er sich pensionieren. «Der Moment stimmt einfach», sagt Luder. «Es braucht neue Leute mit einem anderen Rucksack und neuen Ideen.»

«Man kannte mich im Dorf»

Heinrich Luder ist in Bern auf­gewachsen. Er hat Elektriker gelernt, bildete sich zum Elektroingenieur weiter und arbeitete als Netzplaner bei der BKW. Nach Sumiswald verschlagen hat es ihn der Liebe wegen. Anfang 1980er-Jahre zog er zu seiner zukünftigen Frau ins mittlere Emmental. Heute haben sie zwei erwachsene Kinder. 1994 übernahm Luder die Stelle von Peter Kern bei der Elektrizitätsversorgung Sumiswald (EVS). Und das ging so: «Im Dorf kannte man mich und meinen beruflichen Hintergrund.»

Viel ist passiert in den letzten 25 Jahren. Und es gab viel zu tun. «Meine Frau sagt immer, ich arbeite zu viel», lacht Luder. «Ich nenne es ‹gut ausgelastet›.»

Einer der wichtigsten Meilensteine war für ihn, dass die damals noch öffentlich-rechtlich organisierte EVS 1999 in eine ­private Aktiengesellschaft um­gewandelt wurde. «Entpolitisierung» nennt er es. «Wir wären heute nicht da, wo wir stehen, wären wir nicht unabhängig und somit flexibler geworden», sagt Luder.

Als Beispiel nennt er etwa jenen Moment, als die Energie AG erwog, in den Wärmeverbund Sumiswald Dorf einzusteigen, und nur gerade drei Monate Zeit hatte, sich zu entscheiden. «Unmöglich als Teil der Gemeinde», sagt Luder. Dieser Einstieg übrigens gehört ebenfalls zu dem, was er als Erfolg wertet. Der Wärmeverbund ist stetig gewachsen (siehe Kasten). Heute beheizt die Energie AG total 230 Liegenschaften in Sumiswald und Wasen. Ein ­Geschäftsfeld, das, laut Luder, inzwischen selbsttragend ist.

Die Alternative zur Swisscom

Die Energie AG ist heute aber eben nicht nur für Strom und Wärme im Dorf zuständig. Unter Heinrich Luder sind in die Rohranlagen inzwischen auch Glasfaserkabel verlegt worden, die es ermöglichen, mit der Anbieterin Quickline alles rund ums Internet in die heimischen Stuben zu liefern. Eine Branche, die den ­Betrieb arg auf Trab hält. «Die Ansprüche der Konsumenten wachsen stetig», sagt Luder. «Der Markt ist heute von Verkäufern getrieben und eben nicht von Technikern.» Quickline und die Energie AG fungieren in der Gemeinde als Alternative zur Swisscom. Sumiswald sei halt eine Randregion», sagt Luder, und ­habe entsprechende Probleme. «Wir springen in die Bresche und tun das für die Gemeinde, zur Förderung des Wirtschaftsstandorts.»

Eine Perle

Die Firma ist seit je eng mit der Gemeinde verwachsen, genau von diesem Umstand geht aber eine latente Gefahr aus. Immer mal wieder machte ein möglicher Verkauf die Runde. Auch wenn Luder «seine» Energie AG heute auf sicherem Boden sieht, eine kleine Angst bleibt. «Für mögliche Käufer wären wir eine Perle», sagt er. Denn das Stromnetz sei in einem sehr guten Zustand, es gebe wenige Freileitungen. «Das ist attraktiv, gerade wegen der dadurch gewährleisteten Versorgungssicherheit.» Dass dem heute so ist, hat übrigens mit Glück im Unglück zu tun: 1999 riss der Sturm Lothar zahlreiche Strommasten mit sich, sodass dank ­Versicherungsleistungen etliche Leitungen neu und unterirdisch verlegt werden konnten.

Die Energie AG hat heute mit ihrem Netz das Monopol in der Gemeinde. 2800 Abnehmer sind es total. Nur zwei Industriekunden beziehen ihre Energie von anderswo.

Neue Strategien

Heinrich Luders Stelle ist bereits ausgeschrieben: auf den 1. Januar 2019. Danach kommt für den neuen Chef, die neue Chefin von fünf Mitarbeitenden noch eine Einarbeitungszeit von 8 Monaten dazu. Erst dann wird sich Heinrich Luder in den Ruhestand verabschieden und auf Reisen gehen, wie er sagt. Eine solide Übergabe nennt man das. Sie ist auch notwendig. Denn in der Zukunft ­warten: die Digitalisierung des Stromnetzes, die Liberalisierung des Marktes, die Energiestrategie 2050. Alles Stichworte, die für Heinrich Luder vor allem eines bedeuten: Es braucht neue Impulse und Strategien.

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