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Eine Absage an den Schilderwald

Eine Tempo-30-Zone hatten die Kernenrieder bereits früher abgelehnt. Nun sprach sich die Versammlung auch gegen Tempo 40 auf den ­Gemeindestrassen aus. Nicht nur, weil das recht teuer geworden wäre.

Die Kernenrieder diskutierten über Tempo 40 auf allen Gemeindestrassen. Jede Abzweigung hätte mit einem Schild versehen werden müssen.
Die Kernenrieder diskutierten über Tempo 40 auf allen Gemeindestrassen. Jede Abzweigung hätte mit einem Schild versehen werden müssen.
Marcel Bieri

Das Thema war nicht minder interessant und fast schon amüsant. Dennoch kamen deutlich weniger Leute an die Gemeindeversammlung in den Löwen Kernenried als noch vor einem halben Jahr. 47 Stimmberechtigte (11,6 Prozent) waren am Montagabend anwesend. Es ging um eine Tempo-40-Beschränkung im Dorf. Das zu prüfen und zu be­antragen, war ein Auftrag, den der Gemeinderat an der Versammlung im letzten Dezember gefasst hatte.

Damals hatte das Volk eine Tempo-30-Zone auf dem Chilchweg bachab geschickt, aber einen Antrag eines Bürgers angenommen, der verlangte, eine Vorlage für Tempo 40 auf allen Kernenrieder Gemeindestrassen auszuarbeiten.

Zu aufwendig, zu teuer

Die Exekutive hatte ihre Hausaufgaben gemacht, sprach sich aber gegen eine solche Geschwindigkeitsbegrenzung aus. Gemeinderat Adrian Zemp erklärte, warum: Man habe die notwendigen Massnahmen beim zuständigen Projektleiter des Oberingenieurkreises IV des kantonalen Tiefbauamtes abgeklärt.

Tempo 40 im Dorfgebiet hätte einen «ziemlichen Schilderwald» zur Folge gehabt. Gut und gern 35 Tafeln hätten montiert werden müssen. Das hätte nach einer ersten Schätzung Kosten zwischen 21'000 und 25'000 Franken verursacht. Das Ganze wäre also weit aufwendiger und teurer geworden als angenommen.

Kein Bedarf beim Kanton

Denn gemäss Gesetz gilt generell im dicht bebauten Gebiet einer Ortschaft eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern. Davon abweichende Höchstgeschwindigkeiten aber müssen speziell ausgeschildert werden. Für die Tempo-40-Limite heisst das: Sie reicht nur bis zum Ende der nächsten Verzweigung, soll sie aber weiter gelten, muss das Signal dort wiederholt werden.

«Jede Richtungsänderung müsste wieder signalisiert, klar und eindeutig ein- und ausgeleitet werden, damit der Verkehrsteilnehmer weiss, was gilt», hielt Zemp fest. Und: Anders als bei einer 30er-Zone handle es sich bei Tempo 40 um eine Streckensignalisation, üblicherweise sei ein Streckenteil und nicht ein ganzes Dorfgebiet betroffen.

Beim Oberingenieurkreis sehe man keinen Handlungsbedarf, sagte Gemeinderat Zemp weiter. Geschwindigkeitsmessungen in den letzten Jahren hätten ergeben, dass heute schon 85 Prozent der Verkehrsteilnehmer nicht viel schneller fahren würden als 40 Stundenkilometer. Und die­jenigen, die zu schnell fahren, liessen sich wohl kaum von einer 40er-Tafel beeindrucken.

Es bleibt, wie es ist

In der anschliessenden Diskussion machten sich trotz allem einige wenige Anwesende für Tempo 40 stark. «Es ist ein guter Kompromiss», sagte einer. Er und auch andere fragten sich, ob es tatsächlich so viele Tafeln brauche und jeder Feldweg ausgeschildert werden müsse. Ein anderer sprach sich für die Beschaffung einer Geschwindigkeitsanzeige aus.

Ein weiterer Votant wies darauf hin, dass vor allem Hecken an Strassen zurückgeschnitten werden sollten, um so Gefahren zu reduzieren. Er rief dazu auf, Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer – insbesondere Kinder – zu nehmen.

Die Mehrheit der anwesenden Stimmberechtigten liess sich von den Pro-Argumenten nicht überzeugen, sie folgte dem Antrag des Gemeinderates, Tempo 40 nicht einzuführen. 33 Stimmende waren gegen die Geschwindigkeitsreduktion, 13 dafür. Damit bleibt alles beim Alten.

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