Feuerwehr: Wenn die hohe Diszplin auf die Kasse schlägt

Langnau

Die 2014 geschaffene Fusionsfeuerwehr Langnau ist eine Erfolgsgeschichte. Doch die Rechnung ist nach wie vor unausgeglichen. Deshalb könnte der vor drei Jahren erhöhte Sold für die Feuerwehrleute unter Druck kommen.

Kurz bevor die Feuerwehr Langnau mit den Wehren der umliegenden Gemeinden fusionierte, musste sie 2013 auf dem Dorfberg ein grosses Feuer löschen.

Kurz bevor die Feuerwehr Langnau mit den Wehren der umliegenden Gemeinden fusionierte, musste sie 2013 auf dem Dorfberg ein grosses Feuer löschen.

(Bild: Hans Wüthrich)

Eigentlich ist man mit der Feuerwehr Region Langnau zufrieden. Sehr sogar. Die 2014 aus dem Zusammenschluss von fünf Verbänden entstandene Feuerwehr sei im Kanton gar ein Vorbild in ­Sachen Fusion, weiss Langnaus Sicherheitsvorsteher Hans Peter Schenk.

Und so darf man annehmen, dass die Bilanz an der Klausursitzung Anfang November, wenn die Vertreter der fünf beteiligten Gemeinden Langnau, Lauperswil, Rüderswil, Bowil und Signau die vergangenen knapp drei Jahre Revue passieren lassen, positiv ausfallen wird. Zwar sagt Hans Peter Schenk, dass er den Gesprächen nicht vorgreifen möchte, aber: «Es handelt sich schon um eine Erfolgsgeschichte. So viel kann man jetzt schon ­sagen.»

Noch keine schwarze Zahl

Und trotzdem könnte ein Punkt durchaus zu Diskussionen Anlass geben: die Finanzen. Die Spezialfinanzierung Feuerwehr ist seit der Fusion noch nicht aus den roten Zahlen gekommen. 2014, im ersten Jahr der neuen Feuerwehr, resultierte ein Fehlbetrag von 160'000 Franken, 2015 noch 61'000 Franken. Heuer dürfte das Minus etwa gleich gross sein, wurde vor rund zwei Wochen an der Budgetpressekonferenz verkündet.

Für das kommende Jahr planen die Behörden mit einem Verlust von knapp 40'000 Franken. Im Kommentar zum Budget 2017 schreibt der Gemeinderat denn auch, dass es das Ziel sein müsse, «das Ergebnis nachhaltig ausgeglichen zu stabilisieren». Denn das prognostizierte Eigenkapital per Ende 2017 sei mit 24'000 Franken «gemäss kantonaler Empfehlung zu tief».

Gründe für die unausgeglichene Rechnung gibt es einige. Hans Peter Schenk verweist auf die grossen Investitionen, die getätigt worden sind. «Wir haben für die Stützpunkte Zollbrück und Bowil Occasions-Tanklöschfahrzeuge angeschafft, die je rund 70'000 Franken kosteten.» Und gerade sei man daran, auch für Signau ein Fahrzeug zu kaufen. Kostenpunkt: 300'000 Franken.

Die Rechnung werde künftig schon alleine dadurch entlastet, weil die Investitionen zurück­gehen werden und für nächstes Jahr keine Anschaffungen geplant sind. Entsprechend wird auch das Budget «durch diverse Einsparungen, wie Hans Peter Schenk sagt, von zunächst 1,7 Millionen auf 1 Million Franken im nächsten Jahr zurückge­fahren.

Der Sold als Zückerchen

Und dann ist da noch die Sache mit dem Sold: 500 Personen zählten die fünf Feuerwehren vor der Fusion, mittlerweile sind es noch gut 150. Doch die Annahme, dass auf diese Weise gespart werden kann, ist falsch. Der Grund: Mit der Fusion wurde der Sold für die zweieinhalbstündigen Übungen von 20 auf 60 Franken erhöht. «Es gab damals die Befürchtung, dass zu viele Feuerwehrangehörige aufhören werden», führt der Sicherheits­vorsteher aus.

Mit der Verdrei­fachung des Soldes habe man einem potenziellen Exodus entgegenwirken wollen. Ausserdem habe man einen Ansatz gewählt, der hoch genug ist, damit er nicht alle paar Jahre angepasst werden müsse.

Hat die Massnahme gewirkt? «Die Disziplin beim Übungsbesuch ist sehr hoch», stellt Feuerwehrkommandant Werner Eberle fest, «allerdings war sie es in ­allen Feuerwehren auch schon vor dem Zusammenschluss.» Die Vorgabe, mindestens acht von zehn Übungen pro Jahr zu besuchen, würden die allermeisten Feuerwehrleute erfüllen.

Reich wird man nicht

Und so kann Hans Peter Schenk nicht ausschliessen, dass an der Klausursitzung im November «nebst Strukturfragen auch der Sold» Thema wird. Lässt sich gar sagen, dass die Rechnung der Feuerwehr ein Stück weit unter hohen Disziplin seiner Angehörigen leidet? «Ja, dass könnte man – etwas überspitzt – durchaus so sehen», sagt Hans Peter Schenk.

Feuerwehrkommandant Werner Eberle seinerseits sieht bei den Übungen kein Sparpotenzial. Man müsse auch sehen, dass man den Übungssold dem Einsatzsold angeglichen habe. Bei Ernstfällen erhielten die Feuerwehrleute 30 Franken pro Stunden, bei Übungen sind es nun 24 Franken für die gleiche Zeit. Trotz des im Vergleich zu früher höheren Soldes hält Eberle fest: «Reich wird man bei uns so oder so nicht.»

Berner Zeitung

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